Reformationsjubiläum in Bayern
Wie der Bronze-Luther zur Ruhe kam
Die Weißenburger Statue des Reformators beschäftigte jahrzehntelang die Gemüter

Ob Martin Luther jemals in der alten Römer- und Reichsstadt Weißenburg gewesen ist, weiß keiner. Aber zumindest in Gestalt einer Bronze- Statue ist der Reformator Luther jedoch seit nunmehr 35 Jahren ausWeißenburg nicht mehr wegzudenken. Und drei Jahrzehnte lang beschäftigte deren Standort das Stadtgespräch wie kaum ein anderes Thema.

Wenn sich eine Foto-Ausstellung wie die Installation „DENK-MAL“ der Weißenburger Fotografin Gerhild Wächter mit nur einer einzigen Statue beschäftigt, dann steckt da eine Geschichte dahinter. Und die ist im Falle der Weißenburger Luther-Statue auch eine launige. Sie zeigt, wie das Spannungsfeld Künstler gegen Politiker ebenso wie die Macht von Volkes Stimme dafür sorgen, dass ein eigentlich gewöhnlicher Akt wie die Installation eines Kunstwerks über Jahre die Gemüter erhitzen kann.

Erst im November 2013 machte Ingrid Gottwald-Weber dem Jahrzehnte währenden Verwirrspiel ein Ende. Die Weißenburger Dekanin sorgte dafür, dass die 800 Kilogramm schwere Figur endlich an den Platz kommt, an dem sie heute steht: zentral auf der Fläche vor der Kirche St. Andreas, mit Blickrichtung in das Tor zur Altstadt. „Eben so, wie es ihr Schöpfer, der Münchner Künstler
Martin Mayer, gewollt hatte“, erinnert die Dekanin an das Jahr 1983.

Der Unternehmer Hermann Gutmann hatte den Künstler beauftragt, zum 500. Geburtstag Martin Luthers eine Bronze-Figur zu schaffen, die dann in das Eigentum der Kirche übergehen sollte. Idealerweise wäre die Figur auf einem Sockel gestanden, auf der sich dann der Stifter verewigt hätte. Mayer dachte aber gar nicht daran, „seinen“ Luther auf irgendetwas zu stellen, da er der Überzeugung war, der Reformator habe sich als Mann des Volkes gesehen, der nicht über den Menschen abgehoben thronen wollte.

„Er war drauf und dran, die Figur wieder mitzunehmen“, erzählt Gottwald-Weber. Damit ging die Odyssee los. Für eine Stellprobe rund um die Kirche bauteder städtische Bauhof eine Schaufensterpuppe zum Luther um. Die stand eine zeitlang am Römermuseum, dann auf einer Grünfläche. Dort wurde dann die eigentliche Statue hingestellt, was jedoch über Jahre immer wieder zu kontroversen Diskussionen führte. Damals parkten auf dem Platz vor der Kirche noch Autos. Deshalb stimmte die Verwaltung dem einst gewünschten Standort nicht zu.

Der Weißenburger Luther wollte einfach nicht zur Ruhe kommen. Und 2013: Im Rathaus sitzt ein neuer Bürgermeister, im Pfarramt eine neue Dekanin. Beiden glückt nun das, was 30 Jahre lang Ortsgespräch war: die Versetzung der Statue an den ursprünglich gedachten Platz, mittlerweile frei von Autos. „Seitdem herrscht Frieden in Weißenburg“, stellt Gottwald-Weber fest.

„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ – diesen Satz aus Matthäus 16,26 hält der Bronze-Luther in der Bibel aufgeschlagen in der Hand. Der Seelenfriede hat sich also durchgesetzt. Und so ist auch die Bilderschau Gerhild Wächters, die drei Jahre lang die Statue in verschiedenen Situationen fotografiert hat, eine spannende Dokumentation geworden.

von Timo Lechner (epd)

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