Reformationsjubiläum in Bayern
Reformationsstadt Europas
Nürnberg bekommt Titel verliehen

Die Stadt Nürnberg trägt seit Samstagabend (22. April) den Titel „Reformationsstadt Europas“. Die Urkunde übergab der evangelische Bischof Österreichs, Michael Bünker, beim Festakt zum „Europäischen Stationenweg – Geschichten auf Reisen“ als Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE). Stadträtin Christine Kayser (SPD) nahm die Auszeichnung für Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) entgegen. „Durch die Verleihung des Titels wächst das Netzwerk von Städten in Europa, die sich der Reformation und der europäischen Idee verbunden fühlen“, sagte Bünker.

Gleichzeitig warnte der Generalsekretär vor einer „tiefen, andauernden Krise“, in der sich Europa derzeit befinde. Mit den Werten der Reformation als einem gesamteuropäischen Aufbruch könne diesen Tendenzen jedoch begegnet werden, betonte Bünker. In diesem Zusammenhang verwies er auf Artikel 9 der
Europäischen Menschenrechtskonvention. Das darin geregelte Grundrecht auf Religionsausübung bilde den Grundpfeiler für ein friedliches Zusammenleben der Menschen im europäischen Kontext.

Der evangelische Nürnberger Stadtdekan Jürgen Körnlein rief dazu auf, sich als evangelische Kirche immer wieder kritisch mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Als Beispiele nannte Körnlein die Aufarbeitung der NS-Zeit seitens der Kirche und deren Haltung zur Freiheit. Letztere könne leicht mit Beliebigkeit verwechselt werden, mahnte er. Im interreligiösen Dialog plädierte Körnlein dafür, auch „die heiklen Punkte“ anzusprechen und sich nicht mit „banalen Antworten“ abspeise zu lassen. Die interreligiöse Begegnung müsse zudem auf Neugier, Mut, Wertschätzung und Respekt basieren. „Mit einem ehrlichen Dialog können wir auch die Integration der vielen Menschen, die in unser Land gekommen sind, voranbringen“, sagte er.

Als eine der wichtigsten Städte in Heiligen Römischen Reich, intellektuelles Zentrum des Humanismus und erste große Reichsstadt, die sich zu Luthers Lehren bekannte, zählt Nürnberg zu den herausragenden Orten des Reformationsgeschehens. Auch der Buchdruck spielte in Nürnberg im Anfangsstadium der Reformation eine wichtige Rolle. Er sorgte dafür, dass die Schriften der führenden Reformatoren, Luther und Melanchthon, schnell in die Hände einer interessierten Öffentlichkeit gelangten. Seit Ende des 15. Jahrhunderts galt die Stadt auch als Zentrum des Humanismus.

Im Rahmen des Festaktes diskutierten Vertreter von vier Religionsgemeinschaften unter dem Titel „Wahrheit und Dialog“ Fragen zum interreligiösen Dialog. German Djanatliev von der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg sagte, dass die gegenseitige Achtung, die Wahrung des Friedens und der Einsatz für das Wohl aller Menschen zentraler Bestandteil aller drei monotheistischen Religionen sei. Ali Nihat Koç von der Begegnungsstätte Medina distanzierte sich von jeglicher Form des Terrorismus im Namen Allahs. „Menschen zu töten habe nichts mit dem Islam zu tun. Wir distanzieren uns von Terroristen jeglicher Art, die im Namen des Muslime Morde begehen“, betonte er. Gleichzeitig rief er Christen, Juden und Muslime zum gemeinsamen Dialog auf: „Wir sind Geschwister des gleichen Gottes und durch Abraham verbunden.“

Die Einführung des Titel „Reformationsstadt Europa“ wurde anlässlich des 500. Jahrestags der Reformation im Jahr 2012 von der GEKE-Vollversammlung in Florenz beschlossen. Seither gibt es 96 Städte in 17 Ländern, die den Titel tragen. Als erster deutschen Stadt wurde der Titel an Emden verliehen. Die GEKE repräsentiert mit insgesamt 100 evangelischen Mitgliedskirchen rund 55 Millionen evangelische Christen in ganz Europa.