Reformationsjubiläum in Bayern
Königlicher Wink mit dem Zaunpfahl
  1. September 1531: Laurentius Petri wird Erzbischof von Uppsala

Für den neuen schwedischen König Gustav Wasa (1496-1560) diente die Reformation als Vehikel, um dem selbständigen Königreich Schweden auf die Beine zu helfen – obwohl das Volk wenig Begeisterung für die neue Lehre zeigte. Der König scheute vorerst harte Maßnahmen gegen die alte Kirche, doch er entschloss sich zu einem starken Symbol, indem er einen Luther-Schüler zum neuen Erzbischof von Uppsala machte.

König Gustaf Eriksson, wie er zu Lebzeiten hieß, gehört zu den schillernden Charakterköpfen der europäischen Renaissance wie der Engländer Heinrich VIII. oder Franz I. von Frankreich. In einem dreijährigen Kampf hatte er sich die schwedische Krone von den Dänen erstritten. Auf deren Seite stand der mächtigste Mann der schwedischen Kirche, Erzbischof Gustav Trolle von Uppsala, was die Neigung des jungen Königs, mit der katholischen Kirche zusammenzuarbeiten, gegen Null schrumpfen ließ. Zwar spielten auch reformatorische Gedanken eine Rolle, die von schwedischen Studenten aus Deutschland mitgebracht wurden, allen voran von Olaus Petri, der Luther in Wittenberg persönlich kennengelernt hatte. Doch Volkes Stimmung war in dem Bauernland am Rande Europas bei weitem nicht so erhitzt wie in den Metropolen des Kontinents. Katholische Riten und Frömmigkeit blieben noch für Generationen erhalten, und erst 1593 beschloß der Reichstag formell die Übernahme der lutherischen Bekenntnisschriften.

Schon in den frühen Jahren der schwedischen Reformation hatte Olaus Petri eine schwedische Übersetzung des Neuen Testamentes und eine Gottesdienstordnung geschaffen. König Gustav ließ den Reichstag anno 1527 in Västeras das Ende der päpstlichen Kirchenherrschaft im Land beschließen: Wenn die Bischöfe sich gegenüber dem König loyal erklärten, durften sie bleiben. Wenn nicht, waren sie ihr Amt los. Das betraf auch den Nachfolger Trolles als Erzbischof von Uppsala, Johannes Magnus, der im Exil zwar von Papst ernannt worden war, sein Amt aber nicht hatte antreten können. Als er von den Beschlüssen von Västeras erfuhr, verzichtete er auf eine Rückkehr nach Schweden. Der Stuhl des Erzbischofs von Uppsala stand also weiter leer.

Wieder gaben für König Gustav Wasa politische Gründe den Ausschlag für kirchliches Handeln. Um sein junges Königtum vor den Augen der Öffentlichkeit zu festigen, benötigte der König bei seiner bevorstehenden Eheschließung die segnende Hand eines Erzbischofs. Dass ihm auch sein Schwiegervater in spe, der Herzog von Sachsen-Lauenburg, deswegen mächtig zusetzte, hat sicher seinen Handlungsdrang befördert.

Im August 1531 beruft der König alle schwedischen Bischöfe nach Stockholm zwecks Wahl eines neuen Erzbischofs. Zunächst lässt er seine Kandidaten für Linköping, Skara und Växjö zu Bischöfen weihen – eine heikle Angelegenheit, denn sowohl die drei Kandidaten als auch die beiden Bischöfe, die von Gustav zur Weihehandlung verdonnert werden, sind papsttreu, was sie in geheimen Erklärungen zu Protokoll geben.

Egal, der König bekommt, was er sich wünscht, nämlich einen gewählten, eindeutig reformatorisch gesonnenen Erzbischof, nämlich Laurentius Petri Nericius (1499- 1573), den Bruder des eifrigen Reformators Olaus. Auch er hatte in Wittenberg studiert und ist seit seiner Rückkehr aus Deutschland Universitätsprofessor in Uppsala.

Am 22. September 1531 findet die feierliche Weihe statt – nicht in der Kathedrale von Uppsala, sondern in der Riddarholmenkirche im Herzen von Stockholm, der einstigen Franziskanerkirche, die bis heute als Grablege der schwedischen Könige dient. Versammelt sind neben dem Gefolge des Königs und den Oberen Zehntausend des Landes die schwedischen Bischöfe.

Der Ritus der Weihehandlung ist durch und durch katholisch; was fehlt, ist das päpstliche Pallium, jene Stola, die jeder hochrangige Bischof der römisch-katholischen Kirche trägt. Denn nach päpstlicher Auffassung ist ja der Exilant Johannes Magnus weiterhin Erzbischof – er wird freilich sein Bistum niemals mehr zu Gesicht bekommen. Konsekriert wird der neue Erzbischof Laurentius Petri von Bischof Petrus Magnus aus Västeras, der noch vor der Reformation die Bischofsweihen empfangen hatte, weshalb nach Auffassung der schwedischen Kirche die apostolische Sukzession, die lückenlose Weitergabe des Bischofsamtes von den Aposteln bis in die Gegenwart, erhalten geblieben ist.

Der Überlieferung zufolge überreicht Gustav Wasa selbst dem neuen Erzbischof den Bischofsstab und übergibt ihm als Zeichen des königlichen Schutzes – und als Mahnung gegenüber dem möglicherweise unwilligen Domkapitel von Uppsala – eine Leibwache von 50 Männern. Als freilich der neue Erzbischof seine Arbeit aufnimmt, lässt er die Gefolgschaft auflösen, um das Geld in Stipendien für 50 Studenten umzuwandeln.

Zwei Tag später vermählt der neue Erzbischof, wie gewünscht, den König mit seiner Braut Katharina von Sachsen-Lauenburg. „In der Aufstellung eines wirklich evangelischen Erzbischofs und in der Trauung eines evangelischen Königspaares darf man den endgültigen Bruch Schwedens mit dem Papsttum und der katholischen Kirche erblicken“, schreibt der Historiker Georg Schwaiger. Laurentius Petri wirkte 42 Jahre als Erzbischof und gilt zusammen mit seinem Bruder Olaus als Begründer der lutherischen Staatskirche Schwedens.

Thomas Greif

In der nächsten Folge findet einer der wichtigsten Reformatoren des 16. Jahrhunderts einen fürchterlichen Tod auf dem Schlachtfeld.

Bild © Oscar Bladh (Aufnahme von Uppsala)

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