Reformationsjubiläum in Bayern
„Kein Frauengeschwätz“
Reformatorin Argula von Grumbach

Emanzipation im Mittelalter? Klingt nach einem Widerspruch in sich. Und doch gab es Frauen, die den Mut hatten, aufzustehen.

Argula von Grumbach war eine Reformatorin, die sich von Männern nicht so einfach das Wort verbieten ließ. Kein Wunder also, dass folgender Spruch von ihr stammt: „Ich habe euch kein Frauengeschwätz geschrieben, sondern das Wort Gottes als ein Glied der christlichen Kirche.“ Ihre Aussage ist quasi die Quintessenz dessen, wofür Argula von Grumbach einsteht: Frauen und Männer können gleichermaßen das Wort Gottes verstehen und darüber diskutieren. Dieses Zitat stammt aus einem Brief an die Universität Ingolstadt. 1523 wurde dort der Magister Arsacius Seehofer zum Widerruf von evangelischen Schriften gezwungen und zur Läuterung in das Kloster Ettal verbannt.

Nicht gerade ein sehr christliches Verhalten, fand Argula und sprach sich in einem Schreiben an die Universität und den Landesherren Wilhelm von Bayern für den Magister aus. Während sie in der Bevölkerung für ihre Courage bewundert wurde, stieß ihre Bitte bei den Gelehrten auf taube Ohren. Wie konnte eine Frau es wagen, das Urteil männlicher Oberhäupter anzuzweifeln?

Für ihre Auffassung musste Argula, geborene von Stauffen, in ihrem Leben viel in Kauf nehmen, auch wenn ihr Lebenslauf auf den ersten Blick eher märchenhaft klingt. 1492 in Beratzhausen bei Regensburg geboren, genoss sie eine gute Bildung und besaß mit 10 Jahren schon eine vorlutherische deutsche Bibel, in der sie viel und häufig las. Selbstverständlich war das zu dieser Zeit nicht. Im Jugendalter wechselte sie an den Münchner Hof, wo sie der Herzogin Kunigunde als Hofjungfrau diente. 1510 heiratete sie schließlich den Ritter Friedrich von Grumbach, mit welchem sie einige Jahre im Wasserschloss in Lenting wohnte.

Mit dem Aufstieg ihres Mannes zum herzoglichen Statthalter von Altmannstein und Dietfurt genoss sie einen hohen Rang in der mittelalterlichen Gesellschaft. Doch der Schein täuscht. Ihr Mann, selbst treuer Katholik, war nicht begeistert von Argulas Auffassungen. Erst recht nicht, als er wegen ihrem Brief an den Herzog und die Gelehrten seine Stellung verlor, was für die Familie finanzielle Not nach sich zog. Sie selbst sagte über ihren Mann: „Er tut leider viel zu viel dazu, dass er Christus in mir verfolgt.“ Ihre Familie distanzierte sich, ihre Briefe an die hohen Herren wurden nicht einmal mit einer Antwort gewürdigt.

Argula von Grumbach fühlte sich mit ihrem reformatorischen Denken allein gelassen. Zuspruch bekam sie allerdings von Luther, der es sehr bedauerte, dass sie sich als seine Mitstreiterin so harscher Kritik aussetzen musste. Trotzdem veröffentlichte sie bis 1524 weitere Flugschriften mit einer Auflage von insgesamt 30.000 Stück.

Heute erinnern verschiedene Denkmäler an das Schaffen der Argula von Grumbach. Im Zeichen des Reformationsjubiläums soll nun auch in Lenting im Landkreis Eichstätt ihr zu Ehren ein Denkmal errichtet werden, auf welchem neugierige Leser einen Blick in ihre Flugschriften werfen können. Die Argula-von- Grumbach-Stiftung würdigt seit Jahren ihr Andenken, indem sie die Gleichberechtigung von Mann und Frau und die Diskussion über Geschlechterfragen auf  kirchlicher Ebene fördert.

 

Andrea Marsing

Redaktionsmitglied zett

Aus: zett. Zeitung für evangelische Jugendarbeit