Reformationsjubiläum in Bayern
„Lügen kann man nur ohne Gott“
Karl Steinbauer – Widerstand im Nationalsozialismus

Der Pfarrer Karl Steinbauer war einer der wenigen, die im Dritten Reich ihre Stimme gegen das Regime erhoben – und auch gegen seine eigene Kirchenleitung. Grund genug, den unbekannten Widerständler im Bayerischen Garten in Wittenberg vorzustellen und so an einen Menschen zu erinnern, der – wie Martin Luther – immer konsequent nach seinem Gewissen, das er in der Bibel verankert wusste, gehandelt hat.

Der Konflikt entzündete sich zunächst im kirchlichen Rahmen an der Frage, wie man sich dem nationalsozialistischen Regime gegenüber verhalten solle. Schon kurz nach der Machtergreifung wurden dessen Gefahren auch für die Kirchen deutlich, als Hitler die Kirchen in eine Reichskirche zwingen wollte. Dem bayerischen Landesbischof Meiser gelang es zwar, seine Landeskirche unabhängig zu halten, doch in weiteren Konflikten hielt er dem Druck des Diktators nicht stand. Karl Steinbauer stellte ihn zur Rede und forderte eine Orientierung des Handelns an Jesus Christus allein. Diese Frage nach der Haltung gegenüber dem Regime – radikaler Widerstand oder vorsichtiges Abwägen – bleibt ein Konflikt zwischen dem jungen Pfarrer und der Kirchenleitung.

Bald kommt es aber auch zu offenen Konflikten mit dem Regime. Die Unterstützung der Kirche zur nationalsozialistischen Propaganda wurde immer wieder gefordert, wie das Hissen von Flaggen und das Läuten von Glocken anlässlich der Reichstagswahl 1936. Steinbauer wusste, dass die Wahl Betrug gewesen war: Die 99%ige Befürwortung der NSDAP beruhte darauf, dass überhaupt keine andere Option zur Wahl gestanden war. „Lügen kann man nur ohne Gott“, so der junge Pfarrer – und war auch bereit, für sein Einstehen für die Wahrheit die Konsequenzen zu tragen. Auf seine Weigerung folgte nämlich die erste Verhaftung und die Ausweisung aus Oberbayern.

Karl Steinbauer. Bild: E.Giesen.

Trotzdem bleibt er seinem Grundsatz treu: „Ich glaube, darum rede ich“. Das verhängte Predigtverbot ignoriert er und auch nach der Rückkehr zu seiner Familie nach Penzberg erhebt er immer wieder Widerspruch gegen alles, was für seinen Glauben untragbar scheint. In Predigten, Gesprächen, Briefen an Regierungsstellen und Kirchenleitung bleibt er unbeirrt – auch wenn er dafür noch mehrmals verhaftet wird.

Schließlich wird 1938 gefordert, dass Pfarrer im Schuldienst ihre „arische“ Abstammung nachweisen müssen. Karl Steinbauer weigert sich, diesen Nachweis zu erbringen: „Nach dem Rassegesetz müsste der Herr Christus und seine Apostel vor der Schultüre stehen bleiben, wie auch meine Brüder nichtarischer Abstammung davor stehen bleiben müssen; ich will lieber mit meinem Herrn und seinen Aposteln und meinen Brüdern in Christo vor den Schultüren stehen, als ohne sie drinnen.“ Er wird verhaftet und ins Konzentrationslager Sachsenhausen transportiert.

Aus dem KZ kommt Karl Steinbauer nur frei, um in der Wehrmacht zu kämpfen. Nach dem Krieg bleibt er noch viele Jahre als Pfarrer aktiv und setzt sich weiterhin für offene Verkündigung und Gerechtigkeit ein.