Reformationsjubiläum in Bayern
Handgemachte Reformationsgeschichte
Für die Ausstellung „Evangelisch in Schwaben“ in Krumbach hat Wilhelm Fischer 200 Holzkirchen gefertigt

Die größte Herausforderung für Wilhelm Fischer war die Augsburger Kirche St. Anna. Viermal sei er eigens nach Augsburg gefahren,
um Bilder von der evangelischen Hauptkirche dort zu machen. Wegen der Anbauten und der verschachtelten Bauweise sei das alles andere als einfach gewesen, berichtet der Vorsitzende des Heimatvereins Krumbach: „Trotzdem ist es mir gelungen, ein erkennbares Modell von St. Anna herzustellen.“

Eine etwa handgroße Anna-Kirche aus Holz steht nun ab Donnerstag (28. September) im Mittelschwäbischen Heimatmuseum in Krumbach. Und sie ist nicht alleine: Alle etwa 200 evangelischen Kirchen Bayerisch-Schwabens hat Wilhelm Fischer eigenhändig aus Holz gefertigt und im Heimatmuseum auf einer großen Karte des Kirchenkreises platziert. „So sieht man auf einen Blick, wo die Lutheraner in Schwaben sitzen“, erläutert der 74-Jährige.

Die Karte ist das Herzstück der Ausstellung „Evangelisch in Schwaben“, die das Heimatmuseum aus Anlass des 500. Reformationsjubiläums zeigt. Gut vier Monate hat Fischer gebraucht, um für jede Kirche ein Holzmodell zu basteln. Bei den meisten nahm er dabei Fotos zu Hilfe. „Zu etwa 30 Kirchen musste ich allerdings hinfahren, um mir ein Bild zu machen.“ Anschließend fertigte der gelernte Bautechniker an der Werkbank in seinem Keller die kleinen, schlichten Holzkirchen – und lernte so die Vielfalt der evangelischen Sakralbauten in der Region bis ins Detail kennen: „Das war unheimlich faszinierend.“

Um die Bauzeiten der Kirchen kenntlich zu machen, wählte Fischer verschiedene Farben: Kirchen aus der Reformationszeit wurden lila bemalt. Bauten aus der Zeit als Schwaben bayerisch wurde, sind blau; Gotteshäuser, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, orange. So zeigt die Karte auf einen Blick, wie stark die Reformation etwa das Nördlinger Ries oder die Regionen um die ehemaligen Reichsstädte Ulm und Memmingen geprägt hat.

Die Idee, die Verbreitung der Lutheraner in Bayerisch-Schwaben in einer Ausstellung zu zeigen, hatte Fischer schon länger. Das Reformationsjubiläum sei nun ein guter Anlass dafür gewesen, sagt er. Die Kirchen-Karte wird in der Schau ergänzt durch zahlreiche Gegenstände aus dem evangelischen Alltagsleben verschiedener Epochen. Außerdem werden die wichtigsten schwäbischen Reformatoren porträtiert. Ihre Kurzbiografien und Bilder finden sich an einer Burgmauer aus Holz. Auch die hat Fischer selbst gezimmert. Um die Lebensläufe von Reformatoren wie Christoph Schappeler (Memmingen) oder Johannes Frosch (Augsburg) zu lesen, müssen die Besucher die „Pechnasen“ an der Burgmauer hochklappen. Durch solche Öffnungen wurde früher Pech auf heranstürmende Feinde geschüttet.

Zu sehen ist die Ausstellung bis 5. November. Danach seien Kirchengemeinden eingeladen, sie zu übernehmen, betont Wilhelm Fischer: „Sie können auch nur die Schwabenkarte mit den Kirchen aufbauen.“ In jedem Fall sei das Ganze – nicht unwichtig für Schwaben – kostenlos. Und bei etwaigen handwerklichen Problemen hilft der Heimatsvereinsvorsitzende sicher gerne aus.

von Andreas Jalsovec, epd
Bild © Rainer Sturm /  pixelio, Schwaben

Kommende Veranstaltungen
Alle Veranstaltungen