Reformationsjubiläum in Bayern
Grenzen überwinden – von Bayern nach Papua-Neuguinea:
Johann Flierl

Was hat Papua-Neuguinea mit dem Reformationsjubiläum in Bayern zu tun? Auf den ersten Blick eine überraschende Kombination, aber tatsächlich hat die Insel in Ozeanien einen Reformator, der eng mit Bayern verbunden ist: Johann Flierl. In Erinnerung an seine Ankunft wird nicht der 31. Oktober, sondern vielmehr der 12.Juli als „Johann-Flierl-Tag“ gefeiert.

Der Missionar kam am 16. April 1858 in dem kleinen Weiler Buchhof in der Oberpfalz zur Welt und zunächst deutet nichts darauf hin, dass der Junge aus der abgeschiedenen ländlichen Idylle einmal ans andere Ende der Welt ziehen würde. Doch sobald er Geschichten von Missionaren aus der ganzen Welt liest, ist seine Abenteuerlust geweckt. Entschlossen behält er diesen Wunsch zuerst für sich, macht sich dann aber direkt nach der Konfirmation auf, um das Missionsseminar in Neuendettelsau zu besuchen. Weil er zu jung ist, kann er aber vier Jahre später mit der Ausbildung beginnen.

Noch bevor diese abgeschlossen ist, ergibt sich die Chance, nach Australien auszuwandern und mit Aborigines zu arbeiten. Flierl bewirbt sich sofort und arbeitet dann sieben Jahre lang in Südaustralien: Er lernt die indigene Sprache Dieri, unterrichtet, baut Kirchen und Schutzräume für die Einheimischen. Außerdem lernt er seine Frau Louise Auricht kennen, die Tochter eines australischen Pfarrers.

Sie folgt Johann Flierl auch nach Papua-Neuguinea, das 1884 als „Kaiser-Wilhelms-Land“ vom Deutschen Reich besetzt wird. Schon bald setzt der Missionar sich vom Sitz der Kolonialregierung ab und lässt sich in einem Dorf nieder. Dabei warteten viele Hindernisse: Sprachbarrieren und berechtigtes Misstrauen der Bevölkerung gegenüber den Eindringlingen. Flierl blieb trotzdem. Er baute eine Schule auf, in der nicht nur Lesen und Schreiben, sondern auch Landwirtschaft unterrichtet wurde, um den Schülern einen guten Umgang mit den europäischen Nutzpflanzen zur Wahrung ihrer Autonomie beizubringen. Der Einsatz für Menschenrechte gegenüber der Regierung ist für Flierl selbstverständlich; auch wenn er nie die Kolonialherrschaft an sich infrage stellt. Er bewirkt mit vielen Briefen und Einspüchen immer wieder Begrenzungen der Ausbeutung.

Vor allem aber war aber auch der christliche Glaube und sonntägliche Gottesdienste Teil des Lebens in der Schule in Simbang. Nach 13 Jahren ließen sich die ersten Papua-Neuguineer taufen und schließlich entstand aus diesen langsamen kleinen Anfängen die Evangelich-Lutherische Kirche von Papua-Neuguinea, die bis heute eng mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern verbunden ist.

Auf der Weltausstellung Reformation können Sie mehr über Johann Flierl und seine Mission erfahren.

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