Reformationsjubiläum in Bayern
Gemetzel in Gottes Namen
15.5. 1525: In Frankenhausen endet der Deutsche Bauernkrieg

Der Deutsche Bauernkrieg hat tiefe sozialgeschichtliche Wurzeln, ist aber untrennbar mit der Reformation verbunden. Nach seinem entsetzlichen Ende, dem Gemetzel von Frankenhausen (Thüringen) am 15. Mai 1525, das man kaum noch als „Schlacht“ bezeichnen kann, wurde aus der lutherischen Volksbewegung ein Fürstenprojekt.

Es muss am Vormittag des 15. Mai gewesen sein, als auch bei den letzten Standhaften im Bauernheer Euphorie und trotzige Zuversicht einer Vorahnung weicht, dass das Ende ihres bis dato erstaunlich erfolgreichen Aufstandes gekommen ist. Auf dem „Weißen Berg“ im Nordosten von Frankenhausen haben sie sich verschanzt, gut 6000 Mann, „ein wagenburg umb sich gemacht und iere gut geschutz bei sich gehapt“, wie eine zeitgenössische Quelle beschreibt.

Doch Geschütze besitzen sie nur wenige und fast kein Pulver, um sie zu laden – ein Schweizer, der es hatte besorgen sollen, ist im letzten Moment mit dem Geld durchgebrannt. Von der Bergeshöhe aber können sie nun zusehen, wie sich unten die Heere des Landgrafen von Hessen und des Herzogs von Sachsen vereinen – dreitausend kampferprobte Landsknechte, darunter 800 auf gut gerüsteten Pferden, die das Bauernheer nun vollständig umschließen. „Damit schon war das Schicksal der revolutionären Messiasarmee fast entschieden“, urteilt der Geschichtsphilosoph Ernst Bloch in einer Abhandlung über den Bauernführer Thomas Müntzer.

Die Bauern verlegen sich aufs Verhandeln. Depeschen werden hin- und hergeschickt. Die Fürsten fordern die Herausgabe Müntzers und versprechen Gnade „nach Gelegenheit der Sachen“, was man übersetzen kann als: „Wenn es uns passt“. Die Bauern verlesen das Fürstenschreiben im „Ring“, einer Art Kommandozentrale des Bauernhaufens, und Müntzer fragt „ob sie das thun und ihn ubergeben wollten“. Wenn die später von den Fürsten gesammelten Augenzeugenberichte zutreffen, ist die Haltung eindeutig: „Haben sie all geschrien: Nein, nein, wir wöllen tot und lebend beieinand bleiben“.

Müntzer predigt seinen Bauern vom Geist Gottes, der bei ihnen sei und sich in einem Regenbogen offenbare, der über dem Berg zu sehen ist. Er ist unerschütterlich, die Apokalypse vor Augen. Rationale Einwände – etwa der Hinweis auf das fehlende Pulver – prallen an ihm ab.

Etwa gegen Mittag schlagen die Fürsten zu, ohne noch das Ende der zuletzt gewährten Bedenkzeit abzuwarten. Die Bauern sind zu verzagt und zu überrascht, um sich zu irgendeiner Art der Gegenwehr zu formieren. Müntzer versucht noch, seinen Leuten die allerersten, zu kurz liegenden Schüsse der Angreifer als Beweis für den Beistand Gottes für die Sache der Bauern zu verkaufen, doch dann bricht Panik aus. Die Bauern suchen ihr Heil in der Flucht in die Stadt, wo sie zur leichten Beute der schwerbewaffneten Reiter werden. Graf Philipp von Solms hat über das Gemetzel, das sich nun abspielt, folgenden Bericht abgegeben: „Sie sind gelaufen und der Stadt begert. Haben wir gefolgt und den merer teil zwischen dem berge und stat erstochen…Haben wir den storm an der statt auch angelaufen, dieselbe auch also in der eile erobert und alles, was ergriffen, erstochen.“ Natürlich berufen sich auch die Fürsten auf die „Hilfe Gottes“, dem sie ein „gut Werk ausgerichtet“ zu haben glauben.

Über 5000 Bauern sterben in wenigen Stunden, gut 600 werden gefangen genommen und meistenteils noch am gleichen Tag hingerichtet. Manche zeitgenössischen Beschreibungen klingen wie Drehbücher schlimmster Splatterfilme.

Müntzer gelingt die Flucht nach Frankenhausen, wird dort aber in einem Haus aufgespürt. Er versichert, er sei nur „ein krank arm mann“. Doch dann findet man in einer Tasche Briefe, die Müntzer dem Grafen Albrecht von Mansfeld geschrieben hat: „Erstlich geleugnet, hernach bekannt und ihn also mitgenommen, herzogen Georgen zugebracht“. Zwölf Tage später wird er vor den Toren von Mühlhausen enthauptet.

Mit dem Blutbad von Frankenhausen fällt die Bauernrevolte in ganz Deutschland in sich zusammen. Mit gnadenloser, roher Gewalt stellen die Fürsten die alte Ordnung wieder her und können sich dabei auch noch auf Luthers Schrift „Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern“ berufen, die allerdings erst erschien, als die Frankenhäuser Schlacht schon geschlagen war.

Der Ausgang des Krieges und Luthers Toben kostet die Reformation viele Sympathien im Volk. Das Jahr 1525 sei für Luthers Sache die große Wende gewesen, schreibt der Luther-Biograph Richard Friedenthal: „Von da ab ist er nicht mehr der Held der ganzen Nation, sondern nur noch das Haupt einer Partei.“

Die Reformation wird eine Angelegenheit der Obrigkeit.

Thomas Greif