Reformationsjubiläum in Bayern
Die Lutherrose: eine frühe Schutzmarke

Hätte es in den zwanziger Jahren des 16. Jahrhunderts bereits Bestsellerlisten gegeben, ein Name hätte darauf wohl nicht gefehlt: Martin Luther. In großer Stückzahl und beeindruckender Frequenz brachte der Theologe und Reformator aus Wittenberg seine Schriften unter die Leute. Geschickt machten sich er und seine Mitstreiter dabei die neuartige Technologie des Buchdrucks zu Nutze. Der päpstliche Legat Hieronymus Aleander berichtete vom Wormser Reichstag 1521 besorgt nach Rom: „Die Lutheraner lassen es täglich neue Bücher auf Deutsch wie auf Latein regnen“.

Als vielgelesener Autor sah sich Luther schnell mit dem Problem konfrontiert, dass seine Schriften unerlaubt von Dritten kopiert und veröffentlicht wurden. Als eine Art Copyright-Zeichen fand bald die Lutherrose Verwendung – eine weiße Rose auf himmelblauem Grund mit rotem Herz und einem schwarzen Kreuz in der Mitte. Luther ließ sie als Rundbild in Holz schneiden und unter seine Schriften drucken. Erstmals geschah dies 1524 am Ende des zweiten Teils seiner Übersetzung des Alten Testaments. Zur Erläuterung liest man: „Dieses Zeichen sei Zeuge, dass solche Bücher durch meine Hand gegangen sind, denn des falschen Druckes und Bücherverderbens befleißigen sich jetzt viele.“ Die Originaldrucke waren nun als solche kenntlich und konnten vor unerlaubten Nachdrucken geschützt werden. Im gleichen Jahr fand die Lutherrose noch in einigen weiteren Publikationen Luthers Verwendung, verbunden mit den Initialen M und L. Für Martin Luther waren die zahlreichen unerlaubten Nachdrucke aus zweierlei Gründen zu einem Dauerärgernis geworden: Zum einen drohten sie seine Arbeit zu verunstalten, zum anderen fügten sie ihm auch erheblichen wirtschaftlichen Schaden zu. Nach 1524 fand die Lutherrose jedoch als Schutzmarke keine Verwendung mehr. Vielmehr wurde sie zum allgemeinen Kennzeichen des Reformators, „ein Merkzeichen meiner Theologie“, wie er sagte. Die Rose symbolisiere, so Luther weiter, dass „der Glaube Freude, Trost und Friede gebe“. Daher solle sie auch weiß und nicht rot sein, „denn weiße Farbe ist der Geister und aller Engel Farbe“.

Auch die Bayerische Landesausstellung „Ritter, Bauern, Lutheraner“, die ab dem 9. Mai in Coburg zu sehen sein wird, befasst sich mit dem Thema Lutherrose. Und dies aus gutem Grund: Der Ausstellungsort, die Veste Coburg, und die Lutherrose haben eine gemeinsame Geschichte. Martin Luther hielt sich 1530 sechs Monate auf der Veste Coburg auf, weil er unter Reichsacht stehend nicht zum Reichstag nach Augsburg reisen konnte. An der Südgrenze Kursachsens war er jedoch vor Verfolgung sicher. Anlässlich des Aufenthalts auf der Veste überreichte der sächsische Kurprinz Johann Friedrich Martin Luther einen Siegelring mit der Lutherrose. In einer Luther-Bibel, die aus den Beständen der Landesbibliothek Coburg stammt, wird dem Besucher eine prächtig kolorierte Lutherrose präsentiert.

Bild © Michael Herbst by pixelio