Reformationsjubiläum in Bayern
Foto: ctz Nürnberg
Die Luther-Playmobilfigur war der Türöffner
Bischof Bedford-Strohm: Reformationsjubiläum hat Schubkraft für die Kirche und die Ökumene

Die Figur Martin Luthers ist inzwischen omnipräsent – auf Socken, Bieretiketten, oder als Playmobilfigur. Ein erstes positives Fazit des Reformationsjubiläums hat Bischof Bedford-Strohm gezogen.

Die deutschen Protestanten sind mit ihrem großen Reformationsjubiläum inzwischen auf die Zielgerade eingebogen. Am 31. Oktober, dem 500. Jahrestag des Thesenanschlags Martin Luther, geht das Reformationsgedenken nach zehn vorgeschalteten Themenjahren mit Gottesdiensten und Festveranstaltungen zu Ende. Bereits jetzt hat der bayerische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm ein ausgesprochen positives Fazit gezogen.

Das Reformationsjubiläum habe in der breiten Öffentlichkeit deutlich gemacht, welche zentrale Bedeutung die Reformation für die Kultur und die Geschichte in Deutschland hatte. Ohne die Reformation sei Bildung für die Menschen aus allen Gesellschaftsschichten und eine einheitliche deutsche Sprache, als deren Schöpfer Martin Luther gilt, nicht denkbar, sagte Bedford-Strohm am 13.10.2017 auf einer Pressekonferenz in München. Durch die vielen Veranstaltungen, durch Bilder und Plakate und nicht zuletzt durch die Luther-Playmobilfigur sei der Reformator den meisten Deutschen nahe gebracht worden. Den vor allem von Theologen geäußerte Vorwurf, die Lutherfigur habe zu einer Verniedlichung der Reformation und ihrer ernsthaften Anliegen geführt, kann Bedford-Strohm nicht nachvollziehen. Denn diese Figur sei oft der „Türöffner“ in den Familien für eine neue inhaltliche Beschäftigung mit der Reformation, mit Glaubensfragen und dem Gottesbegriff gewesen. Dieses Ergebnis werde, so der EKD-Ratsvorsitzende, auch nicht durch Zahlen getrübt, die wie etwa bei der Weltausstellung in Wittenberg hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Denn insgesamt habe es auf die Reformationsveranstaltungen ein „unglaubliches Echo“ gegeben.

Außerdem habe das Reformationsgedenken, das bewusst als überkonfessionelles „Christusfest“ gestaltet werde, der Ökumene einen deutlichen Schub
gegeben, wie Bedford-Strohm sagte. In der Tiefe sei das Verständnis und das Vertrauen der Konfessionen untereinander gewachsen und das lange Zeit bestehende Misstrauen überwunden worden. Vor allem in den Gemeinden habe sich eine „gelebte Ökumene vor Ort“ entwickelt. Bei den großen Fragen, wie etwa einem gemeinsamen Abendmahl, sei jedoch immer noch ein langer Atem nötig, sagte der Bischof.

Die Gefahr einer zu großen Nähe zwischen Staat und Kirche, wie sie durch die Beteiligung von Politikern an Reformationsveranstaltungen entstanden sein
könnte, sieht Bedford-Strohm nicht. Die evangelische Kirche sei dankbar für eine gute Kooperation mit dem Staat, etwa in sozialen Fragen. Die Kirche werde sich jedoch nicht durch Zuschüsse „einkaufen“ lassen. In der Flüchtlingspolitik seien die Positionen von Staat und Kirche nach wie vor unterschiedlich.

Bei aller Wertschätzung der Person Luthers seien auch dessen dunkle Seiten, wie etwa seine Hetzschriften gegen Juden, nicht ausgeblendet worden,
betonte der Bischof. Außerdem sei im Zuge eines Reformationsgedenkens auch an die Wunden erinnert worden, die sich die Konfessionen im Laufe
der Geschichte schlugen. Allein in Bayern habe es deshalb 70 „Healingof-Memories-Gottesdienste“ gegeben, wie Christian Düfel, Koordinator der
Reformationsdekade, sagte. Für das Reformationsjubiläum hat die bayerische Landeskirche aus ihren Haushaltsmitteln den Angaben zufolge 3,2 Millionen
Euro zur Verfügung gestellt.

epd München