Reformationsjubiläum in Bayern
Der Ruf nach Einheit
Reformator: Calvin

Johannes Calvin ist neben Luther einer der wichtigsten Reformatoren. Schließlich berufen sich weltweit über 80 Millionen reformierte Christen auf ihn. Ein Grund mehr, den berühmten Mann aus Genf einmal kennenzulernen.

1534: Eine Plakataffäre ging im Oktober in Paris um. Öffentlich wurden Plakate ausgehängt, die die Gläubigen dazu aufforderten, nicht mehr in die Messe zu gehen. Schnell war klar, wer für diesen Skandal verantwortlich ist: die „Lutheraner“, wie man die Anhänger der Reformation in Frankreich bezeichnete. Viele mussten aus Paris fliehen. Darunter auch Calvin. Auch wenn nicht gesagt ist, dass er selbst etwas mit dieser Plakataktion zu tun hatte, als Befürworter der Reformation sah auch er sich der Verfolgung ausgesetzt.

Als Sohn eines Domkapitulars wurde Calvin am 10. Juli 1509 in Noyon geboren. Er wuchs in guten Verhältnissen auf, die es ihm ermöglichten, Jura zu studieren. Nach dem Tod des Vaters 1531 zog Calvin nach Paris, um dort weitere Studien zu betreiben. Doch der zunehmende Einfluss der Reformation ging nicht spurlos an ihm vorbei. Calvin wurde ein begeisterter Anhänger der lutherischen Lehre. Und so sah er sich gezwungen, Paris zu verlassen und nach Basel zu gehen. Calvin arbeitete eifrig daran, die Reformation voranzutreiben. Sein Ziel war es, die vielen neu entstandenen reformierten Gemeinden zu einen.

Bereits 1536 erschien seine „Institutio Christianae Religionis“, zu Deutsch: die Unterweisung in die christliche Religion. Auf Bitte des Reformators Guillaume Farel ging Calvin nach Genf. Er wurde Lektor in der Genfer Kirche, durfte nach einiger Zeit auch predigen. Dort arbeitete er aktiv an der Strukturierung der Gemeinde mit und hatte jede Menge Ideen: einen Genfer Katechismus, katechetischen Unterricht und die Einführung der gesungenen Psalter. Doch lange ließ sich das der Rat der Stadt nicht gefallen. Als Calvin und Farel 1537 die Genfer Bevölkerung aufforderten, ihr Glaubensbekenntnis zu unterschreiben, um dem alten Glauben abzusagen, war die Empörung groß. Nach weiteren „Fehltritten“ wurden beide Reformatoren ein Jahr später der Stadt verwiesen. Calvin ging anschließend nach Straßburg. Dort konnte er ungehindert seine Vorschläge einbringen. Doch lange blieb er nicht. Ironischerweise geriet ohne Calvin das gesellschaftliche Leben in Genf in Unordnung, sodass sich der Genfer Stadtrat gezwungen sah, Johannes Calvin zu bitten, wieder zurückzukommen.

1541 zog Calvin wieder nach Genf um – dieses Mal für immer. Bis zu seinem Tod 1564 hatte Calvin Unglaubliches geleistet. In gerade einmal 54 Lebensjahren schaffte er es, den reformierten Gemeinden Frankreichs eine gemeinsame Kirchenordnung zu verleihen. Er führte weitere Ämter neben den Pastoren ein. Lehrer, Älteste und Diakone sollten die Bildung der Gemeindemitglieder, die Ordnung innerhalb der Gemeinde und die Wohlfahrt unterstützen und festigen. Wenn er als Theologe tätig war, wurde er nicht müde, die Einheit christlicher Ethik in allen Bereichen des alltäglichen Lebens zu betonen: die Untrennbarkeit von Altem und Neuem Testament, die Gebote Gottes als Leitfaden und nicht als Moralkeule und die Zusammengehörigkeit vom Streben des Menschen und Gottes Macht, die Fäden im Hintergrund zu ziehen. Sein Lebenswerk war es bis zum Schluss, den Gemeinden eine Stütze zu sein. Zu Ehren seines 500. Geburtstags fand 2009 das „Calvin-Jahr“ statt, welches erfolgreich in die Lutherdekade einleitete. Dabei gedachten die evangelischen Kirchen einem ihrer großen Reformatoren – ganz im Sinne Calvins: gemeinsam.

 

Andrea Marsing

Redaktionsmitglied zett

Aus: zett. Zeitung für evangelische Jugendarbeit

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