Reformationsjubiläum in Bayern
Bischof ließ Lutherlieder ungestraft singen

Die Lehren des Reformators Martin Luther fielen im Würzburg der frühen Reformationszeit auf fruchtbaren Boden. Entgegen bisher verbreiteter Auffassung konnten sie dort auch dann noch keimen, als Fürstbischof Julius Echter in seiner Regierungszeit zwischen den Jahren 1573 und 1617 die gegenreformatorische Kampagne startete. Das will eine Ausstellung im Würzburger Rathaus zeigen, die an diesem Freitag (5. Mai) eröffnet wird: „Protestantisches Leben in Würzburg während des 16. Jahrhunderts. Eine Annäherung.“

Sechzehn Bild-Text-Tafeln werden im oberen Foyer des Rathauses Gra- Kultur feneckart stehen: Stadtansichten, Porträts historischer Persönlichkeiten und Kopien von Flugschriften sind kombiniert mit neuen und erstmals publizierten Erkenntnissen über den religiösen Alltag vieler Würzburger im 16. Jahrhundert. Hans-Wolfgang Bergerhausen vom Lehrstuhl für Neuere Geschichte der Universität Würzburg arbeitete die Ratsprotokolle und Pfarreiarchive vor allem der Vorstadtgemeinden durch: „Auch die Domkapitelprotokolle gaben sehr viel her.“ Die Erkenntnis Bergerhausens: „Bisher ist man davon ausgegangen, dass Fürstbischof Julius Echter alle Protestanten aus Würzburg vertrieben hat.

Aber auch in seiner Zeit haben sich viele in der Stadt gehalten.“ Das hätten zum Beispiel Listen über die Teilnahme oder eben Nichtteilnahme an der Osterkommunion ergeben – und die Entschuldigungen fürs Fernbleiben: „Da wurden ganz kuriose Gründe angegeben, Erkrankung, Besuch bei Verwandten außerhalb.“ Aber es habe auch Leute gegeben, die „offen gesagt haben: Ich will mit dem Papismus nichts zu tun haben.“ Denen sei „auch nichts passiert“. Aber nicht nur mit dem Echterbild befasst sich die Ausstellung. Eine andere Schauwand zeigt eine zeitgenössische Karikatur über den Ablasshandel und verdeutlicht laut Bergerhausen „sehr schön, wo genau die Menschen früher ihre Probleme mit dieser Praxis hatten“.

Die schriftlichen Erläuterungen legen Wert darauf, dass sich Bild und Text gegenseitig erhellen. Die selbstgestellte Aufgabe für das Stadtarchiv Würzburg, in dessen Auftrag der Wissenschaftler forschte: „Wir wollten die Tafeln nutzerfreundlich halten und nicht zu textlastig werden.“ Weitere Themen der Schau sind: Luthers Besuche in der Stadt, Würzburger Studenten in Wittenberg, die neue Lehre unter Domherren und Lutherlieder in der Kirche St. Peter. Auch hier ergaben die Akten laut Bergerhausen, dass das Absingen reformatorischen Liedguts nicht geahndet worden sei.

Eröffnet wird die Ausstellung „Protestantisches Leben in Würzburg während des 16. Jahrhunderts. Eine Annäherung“ am 5. Mai um 11 Uhr. Nach Grußworten von Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) und der evangelischen Dekanin Edda Weise führt Stadtarchivleiter Axel Metz in die Ausstellung ein. Die Schau kann von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie freitags zwischen 8 bis 13.30 Uhr besichtigt werden. Weitere Führungen folgen am 10. Mai um 16.15 Uhr sowie am 19. und 26. Mai um jeweils 12 Uhr. Ein Begleitband wird in der Reihe der Sonderveröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg erscheinen.

Von Juni bis Oktober dieses Jahres ist die Ausstellung in der evangelischen Würzburger Dekanatskirche St. Stephan zu sehen.

Von Joachim Fildhaut (epd)

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