Reformationsjubiläum in Bayern
„Als ob die Erde erbebte…“

11.10.1531: Zwinglis Tod in der Schlacht bei Kappel

Mindestens bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges stellten Siege oder Niederlagen in der Schlacht entscheidende Weichen für den Fortgang der evangelischen Bewegung. Ein berühmtes Beispiel ist die Schlacht bei Kappel am Albis (Schweiz) am 11. 10. 1531. Die Zürcher Niederlage und der Tod von Huldrych Zwingli  stoppten die Ausbreitung der reformierten Lehre – nicht nur in der Schweiz.

Der schweizer Religionssozialist und Theologieprofessor Leonhard Ragaz (1868-1945) schlug in seinen Lebenserinnerungen einen interessanten historischen Bogen. Anno 1914 sei er am Jahrestag von Zwinglis Tod auf dem Schlachtfeld von Kappel gesessen, wo man damals von Westen her den Geschützdonner des Weltkrieges hören konnte: „Und es wurde mir klar, dass die Geschichte Europas symbolisch durch jene Entscheidung 1531 bestimmt worden ist, welche das reformierte Christentum verhindert hat, den Kern des europäischen Kontinents, besonders das damalige Deutsche Reich, zu erobern.“

So aber, argumentiert Ragaz, habe sich nach der Niederlage bei Kappel und der Schwäche der Reformierten das staatstreue Luthertum durchgesetzt und den Grundstein für das obrigkeitshörige Kaiserreich gelegt, während Zwinglis Idee einer christlich-republikanischen Genossenschaft auf die Schweiz beschränkt blieb, die, glaubt Ragaz, ansonsten „vielleicht der geistige oder politische Mittelpunkt Europas“ hätte werden können. Für ihn ist der Ausgang der Kappeler Schlacht daher „die größte Katastrophe in der Geschichte der Schweiz“.

Was war passiert? Im Laufe der 1520er Jahre haben sich mit Zürich, Bern und Basel die wichtigsten Städte der Eidgenossenschaft der Reformation angeschlossen. Der Zürcher Reformator Zwingli drängt zur Offensive gegenüber den katholisch gebliebenen „Fünf Orten“ der Innerschweiz – auch mit Waffengewalt. Auf eine Lebensmittelblockade reagieren die „Fünf Orte“ mit Kriegsvorbereitungen und lassen von 8. bis 10. 10.1531 in Zug ihre Truppen aufmarschieren.

Die Zürcher nehmen die Bedrohung nicht ernst. Sie haben ihre Truppen schlecht organisiert und schicken den Innerschweizern zuerst gar keine, dann viel zu wenige Soldaten entgegen. Bei dem Dorf Kappel vor dem Gebirgszug Albis stehen sich die beiden Heere am Mittag des 11. Oktober gegenüber. Es kommt zu kleineren Gefechten. Geschütze werden abgefeuert.

Ein letztes Mal unterschätzen die Zürcher ihre Gegner, als sie  gegen fünf Uhr nachmittags ihre Truppen von der Scheurenhöhe in Richtung Mönchbühl zurückverlegen, im sicheren Glauben, in der späten Nachmittagsstunde werde schon kein Angriff mehr erfolgen.

Doch dies erweist sich als katastrophale Fehleinschätzung. Die Katholiken zögern noch etwas, dann aber entscheiden sie sich zum Angriff. Gottfried Keller hat den Moment in seiner Novelle „Ursula“ beschrieben: „Zu vielen Tausenden brach der Gewalthaufe der fünf Orte aus dem Wald und Gebüsch, dass, wie der Chronist sagt, ein so gewaltiges Getöse, Prasseln und Brausen entstand, als ob die Erde erbebte und der Wald brüllte…“.

Die Zürcher  halten stand, weichen langsam zurück, aber irgendwann beginnen die letzten Reihen zu fliehen. Damit ist die Sache entschieden, denn in dem sumpfigen Gelände ist es den nachsetzenden Söldnern der Innerschweizer ein Leichtes, die Fliehenden niederzumachen. Der Augenzeuge Hans von Hinwil, damals Vogt des Konstanzer Bischofs in Meersburg, beschreibt: „Am selben tag um 4 uhren nach mittag griffen die 5 örter an, tribend es ein stund ungefarlich; da wichen die von Zürich und geben die flucht bis wider hintersich uf das Albis; also wurden von miner herren lüten da erschlagen an die 1000 Mann, darunter der Zwingli…“

Die Zahl der Todesopfer hat Hinwil vermutlich übertrieben; man rechnet heute mit rund 400 toten oder schwer verwundeten Zürchern. Unter ihnen aber sind 26 Mitglieder des Großen und Kleinen Rates und 25 Pfarrer, darunter Zwingli. Der Anführer der schweizer Reformation wird von den Katholiken verletzt unter einem Baum vorgefunden, als sie von der Verfolgung der Feinde auf das Schlachtfeld zurückkehren. Man verpasst ihm eine letzte Demütigung, indem man ihm anbietet, noch einmal die Beichte ablegen zu dürfen, dann bekommt er „bei Fackelschein den letzten Streich“, wie Augenzeugen schreiben. Sein Leichnam wird gevierteilt, verbrannt und die Asche in alle Winde verstreut. Sein Nachfolger in Zürich wird der Pfarer von Bremgarten, Heinrich Bullinger (1504-1575).  Seit 1838 erinnert am vermuteten Sterbeort Zwinglis ein Denkmal an ihn.

Der zweite Kappeler Landfrieden vom November 1531 fällt zwar moderat gegenüber den Evangelischen aus. Doch er schreibt für fast 200 Jahre die Vorherrschaft er Katholiken innerhalb der Eidgenossenschaft fest – und hegt den Einfluss des helvetischen Flügels innerhalb der europäischen Reformationsbewegung ein.

Thomas Greif

In der nächsten Folge gründet ein König eine neue Kirche, um seine zweite Ehe zu legitimieren.

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