Reformationsjubiläum in Bayern
Zu Gast bei Katharina Luther
München 13. Mai 2017

Die evang.-luth. Kirchengemeinde Himmelfahrtskirche hatte am 13. Mai unter dem Motto „Zu Gast bei Katharina Luther“ zum ökumenischen Frühstück eingeladen. Über 100 erwartungsvolle Gäste waren dieser Einladung gefolgt. Der Saal im Gemeindehaus in der Alten Allee war bis zum letzten Platz belegt.

Tafelmusik aus der Lutherzeit stimmten die Besucher ein, brillant vorgetragen auf dem Cembalo von Yoko Seidel, Anke Kopf -Violine, Sarah Barrit -Flöte. Alle Gäste hatten sich an den farbenfroh gedeckten Tischen niedergelassen, um gemeinsam zu speisen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die Initiatorin dieses Treffens, Frau Breit, Pfarrerin i. R., „entführte“ die Geladenen in ihrer Begrüßungsrede in die Zeit Luthers nach Wittenberg in das ehemalige Augustinerkloster, das sog. Lutherhaus. Dort hatte einst seine rührige Frau Katharina mit viel Organisationstalent und kundiger Hand die täglichen Tischrunden gemanagt. Hier fanden auch die legendären Tischreden mit dem Reformator statt.

An diesem Vormittag sorgte eine Gruppe von Mitarbeiterinnen aus dem „Ökumenischen Arbeitskreis Weltgebetstag“ und dem „Team Seniorenarbeit“ in adretten, weißen Schürzen dafür, dass es an nichts fehlte.

Es gab in zeitgerechtem Ambiente eine reichhaltige Speisenauswahl auf den Tischen und am Büffet – angefangen von den handgefertigten Marmeladen aus Pasinger Gartenfrüchten über bunte Gemüsequiches bis hin zu „Reformationsbrötchen“  und „Pfennigmuckerln“, dem traditionellen Reserveproviant für die Hosentaschen der damaligen Wanderer und Pilger.

Im Mittelpunkt des Vormittags stand die beeindruckende Persönlichkeit und Lebensgeschichte der Katharina von Bora, die von Frau Breit überzeugend „vertreten“ und dargestellt wurde. Sie gab in einem Interview detailliert, offenherzig und temperamentvoll Auskunft und beantwortete eine Reihe von gesammelten Fragen, beispielsweise zu ihrer Flucht aus dem Nonnenkloster, den Umständen ihrer Heirat mit dem ehemaligen Augustinermönch Martinus  und den verschiedenen Rollen, denen sie gerecht zu werden verstand- als Ehefrau des Reformators, Mutter von 6 Kindern, Managerin, Gastgeberin und Ansprechpartnerin in ihrem stets offenen, großen Hause im Zentrum Wittenbergs. Erfahren in der Naturheilkunde und in der Krankenpflege, hielt sie auch in Pestzeiten vor Ort aus, um Kranken in ihrem Haus zu helfen und Sterbenden beizustehenden. Sie blieb standhaft an der Seite ihres Mannes, der lebenslang unter Reichsacht und Bann stand.  Sie beriet ihn, sorgte sich um seine angeschlagene Gesundheit und war auch in Krisenzeiten die starke Frau, die ihm den Rücken freihielt. Warum? Weil sie letztendlich von der Richtigkeit seiner reformatorischen Gedanken überzeugt war, besonders von der erlösenden Botschaft der „Freiheit eines Christenmenschen“. All dies wurde an diesem Vormittag deutlich.

Abschließend erheiterte Cornelia Huber die Gästeschar mit der „ungehaltenen Rede von Katharina“, in Anlehnung an das Buch von Christine Brückner („Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen“)…

Musik von Palästrina zum Ausklang des Frühstücks, letzte Tischgespräche  und Worte des Abschieds und des Dankes an alle Beteiligten und Mitfeiernden beendeten diesen gelungenen denkwürdigen Vormittag.

Maria- Anna Berg, Pfarrgemeinderätin in der kath. Gemeinde St. Hildegard  in Pasing

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