Reformationsjubiläum in Bayern
Weil zusammengehört, was verschieden ist.

500 Jahre Reformation. Weil zusammengehört, was verschieden ist. Eine Ökumene-Initiative

Ebersberg, von Oktober 2016-Dezember 2017

Aufgrund des Reformationsjubiläums haben die Evang. Kirchengemeinde Ebersberg, die Pfarrgemeinde St. Sebastian, Ebersberg und das Kath.
Kreisbildungswerk Ebersberg e.V. diverse Veranstaltungen unterschiedlicher Formate zu Martin Luther und der Reformation angeboten. Dabei standen sowohl die Bedeutung der Reformation für beide Kirchen im Vordergrund, als auch die historische und gesellschaftliche Bedeutung der Reformation. Zudem wurden auch Mitstreiter und Gegner der Reformation thematisiert.

Das Projekt wurde aufgrund der kulturellen Prägekraft des Reformationszeitalters für unsere heutige Gesellschaft ins Leben gerufen, um durch unterschiedliche Teilhabeformen breite Bevölkerungskreise anzusprechen. Neben der kognitiven Dimension der Veranstaltungsreihe durch diverse theologische, historische und kulturelle Vortragsangebote, wurden in Veranstaltungen mit gemeinschafts- und erlebnisorientiertem Schwerpunkt wie die Lange Nacht der Bibel, einem Theaterstück oder der Feier eines ökumenischen Gottesdienstes am Tag des Reformationsjubiläums auch eine emotionale Perspektive möglich. Hierbei wurden somit die Herausforderungsfelder der Pluralisierung bei gleichzeitiger Individualisierung in Bezug zum Mensch als Individuum, als religiöses Wesen, aber auch als soziales Wesen gestellt.

Die theologische Dimension des Projekts

Die Veranstaltungen gaben den Teilnehmern Raum, sich mit ihrem eigenen Glauben auseinander zu setzen, das Christentum in seiner Gesamtheit zu betrachten und in der Auseinandersetzung mit dem Anderen ein stärkeres Bewusstsein des Eigenen zu erlangen. Da das Projekt von der evangelischen und katholischen Pfarrei mitgetragen wurde, wurden auch einzelne Akteure und Gruppierungen der Pfarreien eingebunden. Eine außerkirchliche Kooperation mit dem digitalen Kulturportal bavarikon wurde angebahnt und soll auch in Zukunft verstärkt ausgebaut werden. Auch die Kommune wurde in die Veranstaltungsreihe integriert und für das Thema sensibilisiert.

Zielgruppe

Das Projekt sollte Personen unabhängig von konfessioneller Bindung und Identifikation erreichen. Dies ist teilweise sehr gut gelungen. Das Gros der Teilnehmer setzte sich bei vielen Angeboten aber aus Gemeindemitgliedern der beiden Pfarreien zusammen. Durch unterschiedliche Veranstaltungsformate wurden verschiedene Altersgruppen (Kinder, Familien, Erwachsene, Senioren) angesprochen.

Produkt / Produktmarketing:

Die Veranstaltungen wurden im Rahmen eines Marketingmixes beworben. Um eine möglichst heterogene Zielgruppe zu erreichen, wurden Printmedien eingesetzt (Flyer, Handzettel, Plakate, Programmheft), Presseartikel veröffentlicht sowie Veranstaltungshinweise im Onlinebereich (Homepage, Facebook) geschalten. Durch ein einheitliches Design der Werbematerialien mit unterschiedlichen Bildern, wurden die Veranstaltungen in einen Gesamtkontext gestellt. Bilder wie Feuer und Wasser, Pfeffer und Salz spiegelten das Motto „Weil zusammen gehört, was verschieden ist“ wieder.

Projektziele / Projektphasen

Das Projekt wurde von dem Bestreben nach Wissensvermittlung und einer historischen Betrachtung, der Vermittlung von persönlichen Zugangsweisen an biblischen Texten sowie nach der Sichtbarmachung der kulturellen Prägekraft des Reformationszeitalters geleitet. Dies ist durch die hohe Interdisziplinarität der Veranstaltungsangebote gelungen, die durch eine hohe Expertise der Referenten überzeugte. Ein besonderes Anliegen der Ökumene-Initiative war zudem, die ökumenische Freundschaft, gerade in der Gemeinde Ebersberg sichtbar zu machen. Dies wurde sowohl durch eine gelungene gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit sowie durch die engagierte Beteiligung der beiden Pfarrer und ihrer Gemeindemitglieder sehr deutlich.

Projektschritte

  • Kooperation
    Das Projekt war von Beginn an auf eine Kooperation mehrerer Akteure aufgebaut. Im Laufe des Projektes kamen Gruppen dazu, die sich am Projekt mit einem Angebot beteiligen wollten. V.a. bestehende ökumenische Gruppen wie z.B. das Ökumenische Frauenfrühstück konnten gut in das Projekt integriert werden.
    Die Beteiligung mehrerer Gruppen führt unter einer guten struktierten Projektleitung zu einer bunten Veranstaltungsreihe, die die vielfaltigen Aspekte der Thematik beleuchtet, dennoch unter einem gemeinsamen Dach zu einer einheitlichen Darstellung und der Verdeutlichung von Zusammengehörigkeit führt.
  • Weiterentwicklung(-smöglichkeiten)
    Gerade im Hinblick auf die Zielgruppe der Jungen Erwachsenen besteht bei diesem Projekt Weiterentwicklungspotential. Es müssen Themen und Formate entwickelt werden, die eine Relevanz für die Lebenswelten junger Menschen haben.
  • Die stärksten Berührungspunkte hatte das Projekt in drei Dimensionen des Menschseins. Der Mensch als Individuum, das nach Identitätsbezügen strebt, der Mensch als religiöses Wesen und der Mensch als soziales Wesen, das sich in Netzwerken und innerhalb einer
    Gesellschaft verorten möchte. Herausforderungsfelder, auf die beim Projekt ein Fokus gelegt wurde, war die Pluralisierung bei gleichzeitiger Individualisierung. Zudem wurden auch Geschlechteraspekte gerade aus historischer Perspektive beleuchtet und gerade die große Bedeutung der Frau, welche oft durch eine männliche Hauptfigur des Reformationsgeschehens nicht wahrgenommen wird, thematisiert. Somit bestand die Möglichkeit, einen Erkenntnisgewinn bezüglich historisch begründeten Geschlechterrollen zu erlangen und Einstellungen diesbezüglich
    zu verifizieren, zum anderen eine konkrete Auseinandersetzung zu erreichen, mit sich selbst als religiöses und soziales Wesen, aber auch mit seiner eigenen religiösen und kulturellen Identität als Individuum.

Fortführung des Projekts

Aufgrund des Abschlusses des Reformationsjubiläums macht eine inhaltliche Fortführung des Projektes keinen Sinn. Die Zusammenarbeit mit den drei Projektpartnern war aber sehr gut, sodass auch zukünftig gemeinsame Projekte angedacht werden sollen.

Der Aufbau der Veranstaltungsreihe mit ihren unterschiedlichen Teilhabeformen sowie der Interaktion mehrerer Akteure innerhalb einer Gemeinde lassen sich auch auf andere Themenreihen übertragen. Gerade für den kommunalen Bereich sind die Erfahrungen bedeutsam, da ein derartiges Projekt den Zusammenhalt mehrerer Gruppierungen innerhalb einer Gemeinde verstärkt und nach außen trägt. Inhaltlich lassen sich einzelne Veranstaltungen auch für Kirchengemeinden oder Schulklassen umsetzen, da zwar das Reformationsjubiläum abgeschlossen ist, die Bedeutsamkeit der historischen und gesellschaftlich-kulturellen Aspekte der Reformation aber fortbesteht.

O-Töne über das Projekt von Teilnehmern (PDF öffnen)

Edzard Everts

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