Reformationsjubiläum in Bayern
Summer School

Ziel der Women Summer School 2017 war es, die Bedeutung, die die Reformation in der Zuspitzung auf eine ihrer leitenden Ideen, „das Priestertum aller Gläubigen“, für die gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland hatte, zu vermitteln und zu reflektieren. Dieses Ziel wurde in seinen verschiedenen Dimensionen erreicht.

  • Den Teilnehmerinnen ist durch die verschiedenen Vorträge und Exkursionen in Besonderem deutlich geworden, dass die Reformation einen wesentlichen Impuls für die schulische Bildung für alle gegeben hat und dass die hohe Bildungsverantwortung des Staates ein zentraler Faktor nicht nur für die ökonomische, sondern auch für die kulturelle Entwicklung Deutschlands ist, die das heutige gesellschaftliche Zusammenleben und die entsprechenden Werte und Haltungen positiv beeinflusst. Die Bildung von Mädchen und Frauen ist dabei ein wichtiger Teilbereich. Die Konfrontation mit gebildeten Frauen der Reformation – vermittelt etwa durch den Hauptvortrag von Prof. Dr. Schneider-Ludorff von der Augustana Hochschule, die Sonderausstellung der Fachstelle für Frauenarbeit des Frauenwerks Stein sowie durch eine Führung durch die Stadt Nürnberg auf den Spuren der Frauen der Reformationszeit durch Dr. Nadja Bennewitz – hat die Einsicht in die Notwendigkeit der gleichberechtigten Bildung von Frauen vertieft. Die Teilnehmerinnen haben in der Schlussevaluation sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, dass sie das Anliegen einer gleichberechtigten Bildung und damit zugleich der gleichberechtigten Partizipation von Frauen an gesellschaftlichen und politischen Prozessen auch in ihren Kirchen und Regionen einbringen wollen.
  • Konzentriert hat sich diese Einsicht bei vielen Teilnehmerinnen auf die Frage nach der Rolle von Frauen in der Kirche. Der mit dem Thema und seiner Vermittlung angestrebte Impuls, dass die Teilnehmerinnen die Idee des Priestertums aller Gläubigen kontextuell weiter entwickeln, wurde in besonderer Weise von denjenigen Frauen aufgenommen, deren Kirchen keine Frauen ordinieren (Australien, Papua Neuguinea, Philippinen). Das Leiden an dieser erfahrenen Ungerechtigkeit, der Austausch und das Wissen darum, dass die Frauenordination in anderen Kirchen als Konsequenz aus der reformatorischen Idee des Priestertums aller Gläubigen erwachsen ist und umgesetzt wurde, hat dazu geführt, dass diese Teilnehmerinnen sich sehr dezidiert hinsichtlich ihres künftigen Engagements für die Frauenordination in ihren Kirchen ausgesprochen haben.
  • Die verschiedenen Einheiten haben aber nicht nur diese im Raum der Kirche deutlich ungleich gestellte Teilnehmerinnen ermutigt und bestärkt, kulturellen, kirchlichen oder politischen Widerständen in ihren Kontexten konstruktiv und transformierend zu begegnen, sondern auch jene, in deren Ländern die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Raum der Kirche offiziell eingeführt ist, aber gleichwohl in Kirche und Gesellschaft auf kulturelle Widerstände treffen (z.B. Tansania, West-Papua u.a.). Durch die Beiträge der Referentinnen sowie die der anderen Teilnehmerinnen, werden die Teilnehmerinnen dazu befähigt, die kulturellen Besonderheiten und Herausforderungen im eigenen Kontext genauer und kritischer zu analysieren und dabei zugleich globale Veränderunqsprozesse mit in den Blick zu nehmen.
  • Auch das Ziel, das Netzwerk von lutherischen Theologinnen weltweit zu vertiefen und zu fördern, konnte erreicht werden. Die vertrauensvolle Seminaratmosphäre und der Zeitraum von zwei Wochen hat nicht nur das gegenseitige Vertrauen gestärkt, sondern auch dazu beigetragen, dass die Teilnehmerinnen nach Ende der Summer School über die verschiedenen elektronischen Kanäle im Kontakt miteinander stehen.
  • Mit der Einsicht in das in der Regel friedliche multikulturelle und multireligiöse Zusammenleben in Deutschland wurde ein weiteres Ziel des Seminars erreicht. Für viele Teilnehmerinnen sind die interreligiösen Bemühungen von Staat und Kirche neu. Die Begegnung mit der Präsenz von Moscheen war ebenso ein Impuls, über die Koexistenz der Religionen in ihrem Kontext nachzudenken, wie die auf der Exkursion nach Wittenberg gewonnene Einsicht in Luthers eher intoleranter Haltung gegenüber dem Judentum, die in der Erinnerungskultur in Deutschland überaus kritisch bewahrt wird.

 

Eingehend auf die im Antrag genannten Erfolgsindikatoren des Projekts seien angeführt:

  • Sowohl die Lutherische Partnerkirche in Australien als auch die in Papua Neuguinea werden in ihren nächsten Synodentreffen das Thema der Frauenordination und die Unterstützung des weiblichen theologischen Nachwuchses und von Frauen in Führungspositionen auf ihre Agenda setzen.
  • Die Teilnehmerinnen haben in der Schlussevaluation zum Teil sehr klare Ideen eines Wandels hin zu mehr Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Kirche wie in der Gesellschaft angegeben. Sie haben darüber hinaus konkrete Ideen dazu entwickelt, wie nicht nur Frauen, sondern auch Männer für einen Wandel kultureller Werte und Konzepte der Rollenaufteilung von Mann und Frau gewonnen werden. Konkrete Gesprächspartner (etwa Kirchenleitende der Kirchen in Papua Neuguinea und Australien) wurden als Facilitators für den Wandel und als Personen, die sie ansprechen und mit denen sie weitere Schritte planen wollen, genannt.
  • Viele Teilnehmerinnen haben den dezidierten Auftrag von Seiten ihrer Kirchenleitungen, von der Summer School schriftlich zu berichten. Andere werden für ihre theologische Weiterbildungseinrichtung die Summer School auswerten und vor Ort einbringen. Eine Teilnehmerin wird die Erkenntnisse in ihre Promotion einfließen lassen.
  • Anstelle einer „message“ haben die Teilnehmerinnen den Wunsch nach einer gemeinsamen Publikation geäußert. Die Schritte dafür sind in die Wege geleitet. Die Ergebnisse der Summer School werden durch diese Publikation für einen weiteren Kreis nachhaltig sichtbar gemacht.
  • Der Einfluss der Reformation auf das gesellschaftliche Zusammenleben in seinen vielfältigen politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, öffentlichen wie privaten Bereichen wurde vertieft wahrgenommen. Besonders konkret wurde dies auf der Weltausstellung in Wittenberg. Die TeilnehmerInnen haben hier die anhaltende Rolle der Kirchen bewusst kennengelernt und reflektiert.
  • Durch verschiedene Vorträge – etwa zu Frauentheologien weltweit von Prof. Dr. Heike Walz von der Augustana Hochschule, zu Netzwerken von Theologinnen in Afrika der tansanischen Prof. Dr. Elieshi Mungure vom Lutherischen Weltbund sowie durch Kurzvorträge von vier Teilnehmerinnen – wurde die Einsicht in die Notwendigkeit von Theologien von und für Frauen sowie von Netzwerken von Theologinnen deutlich gestärkt.

PD Dr. Claudia Jahnel