Reformationsjubiläum in Bayern
„Rock in Church“
München 27. Oktober 2017

Die Veranstaltung wurde gut angenommen, interessanterweise jedoch nicht überproportional von der ins Auge gefassten Zielgruppe der Männer im Alter zwischen 55 und 65 Jahren. Zu „Phil Collins“ kamen Menschen zwischen 8 und 80: Grundschulkinder waren ebenso vertreten wie eine Vielzahl von „Weißschöpfen“.

Die Begeisterung, dass so etwas in der Kirche möglich sei und durchgeführt wurde, war auch in den Tagen danach immer wieder Anlass zu Gesprächen. Auch der Wunsch nach einer Wiederholung wurde mehrfach genannt.

Stellvertretend für viele mündliche Rückmeldungen im Folgenden ein Text von Thomas Zimmer, Mitglied des Kirchenvorstands. Der Text wird auch im neuen Gemeindebrief veröffentlicht:

„Jon Lords »Concerto for Group and Orchestra« kenne ich seit genau 40 Jahren und habe mich sehr darauf gefreut, es wieder zu hören. Musik aus der eigenen Jugendzeit wird von älteren Herren gerne glorifiziert zumal man sich in früheren Zeiten ja auch etwas Identität geborgt hat von den Verehrten. Deep Purple eignete sich hervorragend zur Identifikation für Pubertierende, da viele – extreme – Charaktere die Band prägten.

Mein Deep-Purple-Charakter war Jon Lord, ein klassisch ausgebildeter Musiker, der die Band prägte und im kreativen Wettstreit mit Ritchie Blackmore weiter entwickelte. Von Beginn an stand er für die Verbindung von Rockmusik und klassischer Musik, vom »Concerto« bis zur Suite »Sarabande«, meinem ersten ernsthaften Einstieg in die Rockmusik.

Wie höre und erlebe ich ein für mich früher zentrales Musikwerk nach vielen Jahren und in einer Lebenssituation die weniger von der Suche nach Identität geprägt ist als von der Suche nach Stringenz? Zuerst begiint der Konzertfilm mit einem Gesangssolo, begleitet von Jon Lord am Flügel. Ein alter Mann sitzt da an den Tasten und ich merke, dass dieses Instrument und diese musikalische Besetzung nicht seine Heimat ist. Gute Musik, gut dargeboten, zweifellos – aber mehr noch nicht. Das ändert sich dann, als er an die Orgel wechselt. Ein Ruck geht durch den alten Mann und sofort ist da ein zeitlos guter Musiker in seinem Element, an seinem Instrument. Nach einigen Deep Purple Stücken in orchestral aufgebohrten Arrangements geht es zur Sache: Es reißt mich von Beginn an mit sich und sofort erlebe ich beim Sehen und Hören wieder die auskomponierte Rivalität zwischen Orchester und Band des ersten Satzes, die Blöcke stehen sich gegenüber und arbeiten sich sequentiell am musikalischen Material ab. In den Folgesätzen integrieren sich beide Klangwelten mehr und mehr zu einem Ganzen, das sich gegenseitig ergänzt und bereichert. Das ist beeindruckend, zumal für einen Hörer, der in vielen musikalischen Welten unterwegs ist. Der Rahmen Kirche passt auf jeden Fall und so tauche ich nach dem langen Konzert-Film wieder im Herbst 2017 auf und nehme die Menschen genauer in Augenschein, die gerade das Selbe gehört haben. Wir Zuhörer haben ein breites Spektrum, bei weitem nicht nur die erwarteten Männer jenseits der 50. Das ist ein schönes Zeichen, viele berührte Gesichter ein weiteres. Schön, dass dieses Ereignis in Pasing stattfand, schön, dass ich es erleben konnte und – schön, dass Musik immer wieder so etwas zustande bringt.“

© Hans-Martin Köbler, München-Pasing

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