Reformationsjubiläum in Bayern
„Retweet Reformation“

Nürnberg, 01.01.2017. #Früherdawarallesbesser…Nur dann wurde das Internet erfunden! Wenn man nun dieses früheste  #Früher  der evangelisch-lutherischen Kirche am Haarschopf packt und auf die Bewährungsprobe der Digitalisierung schickt? … #doppeltguthältbesser… Dann hat man es entweder geschafft, Luther durch Zeitreisen aus dem 16.Jahrhundert zu klauen und hat ihn in das Jahr 2017 gezerrt, oder aber man steht in der Ausstellung ´Retweet Reformation` des P-Seminars Religion vom Willstätter Gymnasium Nürnberg und bewundert dieses außergewöhnliche Gedankenexperiment mitsamt Vergleichen zwischen der Epoche der Reformation und des heutigen, säkularen Deutschlands …#kommenlohntsich…

Mit diesem Werbetext haben die neun SchülerInnen des P-Seminars Anfang Oktober das Produkt ihrer P-Seminararbeit beworben: eine Ausstellung anlässlich des Reformationsjubiläums 2017.

Die Idee für dieses Projekt kam nach einem informierenden Gespräch zwischen der Schulleitung, Kolleginnen der Fachschaft Religion (Möllenhoff / Haubner) und Frau Franz vom Haus der Bayerischen Geschichte bereits im Frühjahr 2015, als uns das HdBG eine Kooperation im Rahmen der 2017 in Coburg stattfindenden Landesausstellung „Bauern-Ritter-Lutheraner“ anbot.

Neun SchülerInnen machten sich ab dem Schuljahr 2016/17 an die Arbeit und begannen, um sich das Thema auf ganz unterschiedliche Weise zu erschließen. Zunächst musste eine Grundlage geschaffen werden. Durch Referate gewannen sie einen Einblick in die Rahmenbedingungen des reformatorischen Aufbruchs, die soziale Ordnung der damaligen Zeit, aber auch in die Wirkungsgeschichte der Reformation bis in die Neuzeit.

Die Fragen „Was bewegte Luther?“, „Was veranlasste ihn 95 Thesen zu verfassen?“, aber auch „Was geht uns Luther und seine Lehre heute noch an?“,  „Was ist von Luthers Lehre heute noch aktuell?“ traten in den Vordergrund ihres Interesses.

Weitere Arbeitsfragen entwickelten sich im Laufe der Zeit durch die intensive Beschäftigung mit der Thematik, so z.B. „Wie suchen und finden wir heute unser ´Seelenheil´?  „Welche Rolle spielten die Frauen im Zeitalter der Reformation?“, sowie „Welche Personen waren für die Reformation in Nürnberg maßgeblich wichtig?“

Mit Hilfe einer ersten Umfrage unter den MitschülerInnen des WGN wollten sie zunächst herausfinden, was ihre MitschülerInnen eigentlich unter „evangelisch und  katholisch sein“ verstehen.  Wo werden Unterschiede deutlich, wo lassen sich Gemeinsamkeiten entdecken?

Eine zweite Umfrage beschäftigte sich dann mit der Frage „ Wie finden wir heute unser ´Seelenheil`?  – Auf der Suche nach dem Glück“ .

Die Frage  nach dem ´Typisch evangelisch – typisch katholisch` stellten die SchülerInnen auch Personen des öffentlichen Lebens in und um Nürnberg und weit darüber hinaus (u.a. Kardinal Reinhard Marx, Landesbischof Heinrich Bedford Strohm, Barbara Stamm, Markus Söder, …..).

Für die Form der Beantwortung legten sie ein Format fest, durch das vor allem die Kommunikation der jüngeren Generation geprägt wird: den Tweet. (Anm. Die Freude war groß, als von allen, die angeschrieben worden waren, ein Tweet zurückkam.)

Dahinter stand die Überlegung der SchülerInnen,  welchen Weg  und welche Möglichkeiten Luther heute für die Verbreitung seiner Ansichten, seiner Lehre gewählt hätte.

Was früher der Buchdruck war, sind heute die sozialen Medien wie Facebook oder Twitter.

Auf der Grundlage dieses Gedanken entstand dann auch der Titel für die Ausstellung , die als Präsentationsform der gemeinsamen P-Seminararbeit festgelegt worden war:

„ RetweetReformation“

 Zunächst bot das HdbG seine Hilfe in Hinblick auf die Ausstellung an. Ein Einführungsvortrag durch Frau Franz am WGN sowie eine Fahrt des P-Seminars nach Augsburg machten den Anfang. Die SchülerInnen bekamen erste Informationen und Eindrücke davon, wie man eine Ausstellung konzipieren kann und worauf in der Planung und Umsetzung zu achten ist.

Der gemeinsame Besuch zwei weiterer Ausstellungen (Karl IV. im GNM und die Landesausstellung in Coburg) erweiterten das Spektrum vor allem für die Möglichkeiten der Präsentation der erarbeiteten Inhalte.

Durch die jahrelange und gute Nachbarschaft zur Kirchengemeinde St. Egidien, konnten die SchülerInnen einen zweiten Kooperationspartner für ihre Arbeit gewinnen. Dieser historische Ort mit der Geschichte des ehemaligen Egidienklosters in Zeiten des konfessionellen Umbruchs in der Reichsstadt Nürnberg um 1525 und die Nähe zum Melanchthonbau boten einen geeigneten ´reformatorischen` Rahmen für die Ausstellung.

An den einzelnen Themen der Landesausstellung orientiert, wurden  von der SchülerInnen vor allem folgende Aspekte für ihre eigene Ausstellung aufgegriffen:

  • Wie bringt man neue Ideen unter die Leute?
  • Wie sieht das vielfältige „Angebot“ für das Seelenheil der Gläubigen aus?
  • Wie bilden sich Konfessionen heraus?

Als Einstieg produzierte eine Schülerarbeitsgruppe außerdem noch einen kurzen Film über wesentliche biographische Eckdaten Luthers, der allen Besuchern zu Beginn jeder Ausstellungsführung gezeigt werden konnte.

Neben der Möglichkeit in St. Egidien für drei Wochen ausstellen zu können, erhielten die SchülerInnen im Dezember sogar noch die Gelegenheit, auf Einladung von Herrn Dr. Söder im Heimatministerium in Nürnberg ihre Ausstellungsprodukte für eine Woche ein zweites Mal präsentieren zu können. Dieser Einladung sind sie gerne nachgekommen und haben damit noch mal ein größeres Besucherspektrum ansprechen können.

© Anja Möllenhof, WGN Nürnberg

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