Reformationsjubiläum in Bayern
Regionalbischöfin Breit-Keßler warnt vor Kirche der „Jammerlappen“
München 31. Oktober 2017

Vor „selbstmitleidigen Unkenrufen“ angesichts rückläufiger Kirchenmitgliederzahlen hat die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler in ihrer Predigt am Reformationstag in der Münchner Lukaskirche gewarnt. Auch 500 Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers könne und müsse sich Kirche ständig wandeln und dabei auf Gottes Geist vertrauen. Wer in Bewegung bleibe, betrachte das Leben aus einem neuen Blickwinkel heraus, „spürt frische Energie und fasst wieder Mut“, sagte die ständige Vertreterin des Landesbischofs im zentralen Festgottesdienst der Region München. Niemand wolle zu einer Kirche gehören, „in der die Jammerlappen das Sagen haben.“

Breit-Keßler würdigte Luthers Mut, der als einzelnes „Mönchlein“ gegen die „verkommene mittelalterliche Kirche“ aufgestanden sei. Er habe die Angst vor Gott abgelöst durch die Erkenntnis, dass Christen allein durch Gnade und Glaube vor Gott gerechtfertigt seien – nicht durch den Kauf von Ablässen, die nur „einer Gebäudesanierung in Rom“ dienten. Luthers Rechtfertigungslehre sei auch für die moderne Leistungsgesellschaft hochaktuell. Menschen dürften sich darauf verlassen, dass Gott sie ungeachtet ihrer Fehler und Schwächen in den Arm nimmt – „weil er es will“.

Besonders den lutherischen Glaubenssatz „solus Christus“ betonte Breit-Keßler. „Christus allein – das muss Liebe zu allen Menschen bedeuten“, sagte die Theologin. Die Menschheit könne nur überleben, wenn sie die gottgegebene Menschenwürde achte. Wer an einen gnädigen und barmherzigen Gott glaube, könne gar nicht anders, „als in Ehrfurcht mit dem eigenen Leben und dem anderer umzugehen“, sagte die Regionalbischöfin.

Bild © Petra Discherl, pixelio