Reformationsjubiläum in Bayern
Reformationsjubiläum in Coburg im Zeichen der Ökumene
Coburg 31. Oktober 2017

500 Jahre nach Beginn der Reformation haben die großen christlichen Kirchen viele trennende Gräben überwunden. Dies betonten der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick und die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner amDienstag in der Coburger St.-Moriz-Kirche. Mit einem ökumenischen Gottesdienst predigten sie zur Eröffnung des Kirchenkreis-Kirchentags, der als zentrale Feier zum Reformationsjubiläum in der oberfränkischen Lutherstadt stattfand.

In ihrer Predigt erinnerte Greiner daran, dass katholische und evangelische Kirche lange in theologischen Streitigkeiten, „vor allem aber in Unversöhnlichkeiten und Eitelkeiten“ gefangen gewesen seien. Dass jetzt ein Reformationsjubiläum von den verschiedenen christlichen Konfessionen erstmals seit 500 Jahren gemeinsam begangen werde, sei „reine Gnade Gottes, unverdient und
unbezahlbar.“

„Die neue Sehnsucht nach Abendmahlsgemeinschaft ist nicht unser Werk, sondern uns durch Christi Geist ins Herz gelegt“, sagte die evangelische Theologin laut Predigtmanuskript. Nachdrücklich äußerte sie die Hoffnung, dass Christus seine Kirche weiter reformiere: „DieWelt braucht uns gemeinsam. Sie braucht Christen, die miteinander verkündigen, lieben und der Not der Menschen in unserem Land und weltweit gemeinsam begegnen.“

Erzbischof Ludwig Schick verwies in seiner Ansprache unter anderem auf ein Grundelement der reformatorischen Rechtfertigungslehre, nach dem der Mensch „allein durch seinen Glauben“ das ewige Leben erlange. Dies sei früher ein Kampfbegriff der protestantischen Theologie gegen die katholische Lehre gewesen. Diese Kontroverse sei heute aber kein Thema mehr, sagte der
Erzbischof laut vorab veröffentlichter Pressemitteilung. Gemeinsam hörten und beherzigten Protestanten und Katholiken das Wort des heiligen Paulus an die Galater: Denn in Christus Jesus komme es darauf an, „den Glauben zu haben, der in der Liebe wirksam ist“. Wer die Liebe im alltäglichen Leben, in familiären, beruflichen, sozialen und politischen Taten erfülle, der habe den Glauben und verstärke den Glauben.

Ihrer gemeinsamen Predigt hatten Regionalbischöfin Greiner und Erzbischof Schick die vier sogenannten „Soli“ als Kerngedanken der Reformation zu Grunde gelegt: „Solus Christus“ (Christus allein), „Sola fide“ (allein durch den Glauben), „Sola gratia“ (allein durch Gnade) und „Sola scriptura“ (allein durch die Heilige Schrift).

Bild © Gerhard Kupfer, pixelio