Reformationsjubiläum in Bayern
re:format:ion - Künstlerische Positionen
Nürnberg 24. Juni 2017

Vom 23. Juni bis 14. Juli 2017 fand in der Nürnberger St. Egidienkirche eine Ausstellung mit dem Titel „re:format:ion – Künstlerische Positionen zu Wort, Schrift und Bibel“ statt. Dabei wurden Werke von Hasso von Henninges, Giorgio Hupfer, Sabine Neubauer und Johannes Volkmann ausgestellt.

„Im Anfang war das Wort“ – beginnt das Johannesevangelium. Martin Luther berief sich stets auf die Schrift (sola scriptura). Zum Reformationsjubiläum stellen in der Egidienkirche vier Kunstschaffende ihre Auseinandersetzung mit Wort, Schrift und der Bibel vor – gleichsam als optische Rückkopplungen zum reformatorischen Prinzip „sola scriptura“.

Hasso von Henninges
präsentiert die Passionsgeschichte in einem 15teiligen Palimpsest bis zur Unlesbarkeit verdichtet. In einer Bodeninstallation um das Taufbecken der Egidienkirche sind 15 Tafeln aufgelegt. Auf den braunen Karton einer jeden Tafel schrieb Hasso von Henninges mit schwarzer Pastellkreide einen Vers aus den Passionsgeschichten der Evangelien, der die Vorlage zu einer der traditionellen Kreuzwegstationen bildete. Sofern der Platz nicht reichte, um den Vers in Gänze auf dem Format einzutragen, überschrieb Henninges die schon niedergeschriebenen Zeilen wieder und wieder, bis der Text vollständig kopiert war. Eine Art Palimpsest – wie bei ganz alten Bibelhandschriften! Lesbar sind schließlich nur Textfragmente. Erkennbar aber bleiben einzelne Buchstaben und Silben auch aus den tiefer liegenden Schichten. Auch die ursprünglichen Bibeltexte wurden in mehreren „Schichten“ tradiert. Die Heilige Schrift lockt zur Entschlüsselung wie das Geflecht der sich überlagernden Schriftzeichen.

Giorgio Hupfer
macht das Matthäusevangelium zum Rahmen des lebendigen Freiraums. Auf 16 Blätter großformatigen weißen Büttenpapiers schrieb er von den Rändern her kalligraphisch Verse der Bergpredigt; in der Mitte einer jeden Meditationstafel bleibt eine weiße Fläche: Zeichen für die Herkunft der Worte aus dem Unsichtbaren, Unsagbaren – und zugleich Andeutung für das Verblassen und Verschwinden, das eines nahen oder fernen Tages jedem Schriftzug droht.

Sabine Neubauer
bringt Bibeln neu in Form. 15 gebrauchte Lutherbibeln aus verschiedenen Erscheinungsjahren wurden „filetiert“. Die Form des Codex ist damit aufgelöst. Sabine Neubauer vereint jedoch die Fragmente wieder zur Form der Schriftrolle. Damit spielt sie auf die frühesten uns bekannten Bibelhandschriften an. Die runde Form der Rolle greift aber auch Formen der barocken Architektur der Egidienkirche auf. Die Schriftrollen werden in lockerer Wicklung auf Stelen gestellt. Von oben betrachtet hat jede einen kreisförmigen Grundriss. Der Kreis kann als Endlos-Bewegung gelesen werden: Die Erneuerung der Kirche (re:formatio) bleibt eine fortdauernde Aufgabe!

Johannes Volkmann
geht ganz auf die Buchstaben zurück und feiert Gemeinschaft. Auf die Glastüren des Windfangs der Kirche schreibt er den Text von der Babylonischen Sprachverwirrung aus dem 1. Buch Mose (Genesis). Wer die Tür durchschreitet, trifft im Mittelgang eine Herdplatte mit aufgesetztem Kochtopf. Darin köchelt die Buchstabensuppe des von Volkmann gestalteten „Babylonischen Kochbuches“, welches neben dem Herd aufliegt und seinerseits vom Drama der Sprachverwirrung an den Anfang der Genesis zurück verweist – an die „Ursuppe“ der Schöpfung.

Die Ausstellung ist eine ökumenische Kooperation der Künstlerseelsorge des Erzbistums Bamberg und der Kunstbeauftragten im Dekanat Nürnberg.

Die Ausstellung war eine ökumenische Kooperation zusammen mit dem Künstlerseelsorger der Diözese Bamberg, Pfarrer Hans-Peter Weigel und Dr. Martin Brons (Pfarrer von St. Egidien) und Pfarrer Daniel Szemerédy, dem Kunstbeauftragten des Evang. Kirchenkreises Nürnberg.

Den Einleger der Egidienkirche finden Sie hier

Zusätzlich gibt es einen Artikel auf www.nordbayern.de

Text © Martin Brons
Bilder © Daniel Szemerédy

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