Reformationsjubiläum in Bayern
„Reformation ins Spiel gebracht“
Sommerhausen 07. Oktober 2017

2017 in Sommerhausen

Es war wie ein Eintauchen in die Welt der Reformation an diesem ersten Oktobersamstag 2017. 180 Jugendliche aus dem Evangelischen Dekanat Würzburg kamen zum Konfi-Tag in den historischen Altort von Sommerhausen. Fachwerkgiebel, Kopfsteinpflaster, historischer Kirchturm und viel Geschichte. – Welcher Ort wäre besser geeignet für eine historische Zeit-reise?
Sommerhausen im Herbst 2017 bewegt die Frage: Wie war es damals, vor 500 Jahren, als Martin Luther seine Thesen zur Erneuerung der Kirche öffentlich machte und zur Veröffentlichung an die Kirchentür nagelte?

Zur Beantwortung dieser Frage waren Konfirmanden aus Eisingen, Ochsenfurt, Remlingen, Zell, Altertheim, Rottendorf, Veitshöchheim, Winterhausen, Sommerhausen und aus Würzburg St. Paul, Deutschhauskirche und Thomaskirche nach Sommerhausen gekommen.

Und schon bald sind die Jugendlichen mitten drin im Spiel rund um die Bartholomäuskirche. Zwischen den kleinen Gruppen mit ihren Fähnchen treten 100 Laienschauspieler auf. Bauern, Mönche, Nonnen, Hexen, Pilger, alle in historischen Kostümen. Bewaffnete Büttel kommen schon mal bedrohlich nahe und mischen kräftig auf.

Beim Auftritt des Ablasspredigers Johann Tetzel vor dem Kirchenportal kommt es zur ersten Auseinandersetzung um die Grundfragen der Reformation: „Kann man denn die Seele freikaufen?“ Einige Ablassbriefe kann er an den Mann und an die Frau bringen. Aber bald schon wird Kritik laut. Ein paar Lutherschüler protestieren kräftig: „Du Betrüger, ziehst den Leuten nur das Geld aus der Tasche!“

Mit im Spiel sind auch die Ratsherren, gespielt von echten Gemeinderäten und dazu buntes Volk. Viele Sommerhäuser haben es sich nicht nehmen lassen, an diesem Tag mitzuspielen und bei den einzelnen Stationen mitzuwirken. Manch einer zeigte seine Handwerkskünste oder öffnete seinen idyllischen Hof samt Gewölbekeller für die Spielstationen. Und dort sollen die Konfirmanden ihre Aufgaben lösen. Drei Themenbereiche müssen angesteuert werden.

Bereits die erste Aufgabenstellung bietet eine besondere Herausforderung. Ein lateinischer Bibelvers muss ins Deutsche übersetzt und anschließend noch gedruckt werden. Das Papier hierzu kann in einer Manufaktur handgeschöpft werden.

Auf dem Weg gibt es aber auch immer wieder Helfer, lateinkundige Mönche, Kräuterfrauen mit geheimen Informationen und Nonnen, die freundlich ermutigen und weiterhelfen, wenn die Frage auftaucht: „Wo ist denn der Schlossgarten?“

Dort kommt es zur offenen Auseinandersetzung zwischen Bauern und Rittern. Der Themenbereich „Freiheit eines Christenmenschen“ zeigt sehr eindrücklich, dass man für die Wahrheit auch mit seinem Leben einstehen muss. Klirrende Schwerter, Kampf und Gefangennahme gehören dazu. Die Büttel mischen kräftig auf und einige Konfis finden sich dann im Kerker wieder. Gelingt es ihren Freunden, sie zu befreien? Zwischenzeitlich nutzen sie die Zeit im Verlies. Sie sägen und feilen Specksteine zu kleinen Kreuzen und werden von dem mitgefangenen Bauernanführer ermutigt. Ein Mädchen meinte: „Hier ist es wenigstens schön warm.“

Aber gelingt der Plan zur Befreiung? Dazu muss ein Schlüssel für das Türschloss am Kerker angefertigt und ein Schlaftrunk aus geheimnisvollen Kräutern gemischt und die Wachen überwältigt werden. Besonders anspruchsvoll war der Themenbereich zum Thema „Gerechter Gott“. Eigene Thesen formulieren, sich miteinander absprechen und das Ergebnis aufschreiben. Stolz haben die Konfirmanden dann ihre Thesenpapiere an die Holztüre – ein Nachbau der Wittenberger Schlosskirchentüre – angenagelt. Die Zeit ist fast zu knapp für alle Aufgaben, aber wichtig ist, dass es allen viel Spaß macht: Den Mitwirkenden und Helfern und den Jugendlichen.

Zwischenzeitlich stellt sich dann auch Hunger ein. Reichen die Kupfer- und Silberstücke im Lederbeutel, den jede Gruppe am Morgen bekommen hatte? In der Schenke gibt es etwas für den leeren Magen und gegen den Durst.

Am Ende des Konfitages feiern alle in der Bartholomäuskirche einen Jugendgottesdienst: Laienschauspieler, Helfer, Jugendliche und Begleiter. Pfarrer Thomas Volk greift die Erlebnisse des Tages auf, einige der Thesen werden vorgestellt. Strahlende Gesichter, Begeisterung und große Dankbarkeit für diesen tollen Tag.

1 ½ Jahre hat das Organisationsteam unter Leitung von Dekanatsjugendreferent Matthias Scheller und der Vorsitzenden des Jugendausschusses der Kirchengemeinde Sommerhausen Beate Betschler diesen Tag vorbereitet. Gerührt stehen beide unter lang anhaltendem Applaus. Die vielen Mühen haben sich gelohnt, die Mitspieler waren begeistert und Sommerhausen erlebte einen unvergesslichen Tag.

Text: Stephan J. Schmidt, Pfr.
Foto: Thomas Bartel / Jens Grunwald