Reformationsjubiläum in Bayern
Reformation als Weg zu Miteinander und Gerechtigkeit

Ludwigsstadt. Im Foyer des Evangelischen Gemeindezentrums St. Michael-Schafstall in Ludwigsstadt war die interaktive Ausstellung „Glaube, der die Welt verwandelt“ zu besichtigen.

Bei der Eröffnung der Ausstellung betonte Joachim Wegner, Leiter des Evangelischen Bildungswerks des Dekanatsbezirks Kronach-Ludwigsstadt, dass dieses Motto historische Entwicklungen und ethische Impuls verbindet. Weltweit leben 400 Millionen evangelische Christen, die sich auf die Reformation beziehen. „Die Reformation bewirkt bis heute Aufbruch und Veränderung“, betonte Wegner. In Bayern gründete 1849 Wilhelm Löhe, der Vater der Bayerischen Diakonie, die „Gesellschaft für Innere und Äußere Mission“ in Neuendettelsau. Er schickte sogenannte „Nothelfer“ als geistlichen Beistand nach Nordamerika und Australien. Unter den ersten „Missionaren“ – wie die „Nothelfer“ bald genannt wurden – war auch Johann Flierl aus der Oberpfalz, der zunächst in Australien wirkte und später nach Neuguinea – damals eine deutsche Kolonie – reiste und im Raum Finschhafen missionierte. Im 19. Jahrhundert wurden Missionare aus Bayern auch nach Afrika, Brasilien und Mittelamerika entsandt.

Durch das Selbständigwerden der früheren Kolonien und Kirchen entwickelte sich ein Weg zu Partnerschaft zwischen den ehemaligen „Mutterkirchen“ und den jungen Kirchen in Übersee. Die „Gesellschaft für Innere und Äußere Mission“ wurde 1971 als „Missionswerk der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern“ mit der Landeskirche institutionell verbunden. Viele Dekanate begannen Partnerschaften. Schon seit über 50 Jahren besteht eine solche zwischen Ludwigsstadt und dem Dekanat Kaintiba in Neuguinea. Die Ausstellung „Glaube, der die Welt verändert“ im Foyer des Gemeindezentrums in Ludwigsstadt, die vom Mission Eine Welt gestaltet wurde, greift die globalen Herausforderungen der Einen Welt auf, der sich die reformatorischen Kirchen aus Europa und Übersee heute gegenübersehen: Reformation ist bunte religiöse Vielfalt, Reformation lässt Konkurrenten kooperieren, Reformation öffnet Grenzen, Reformation schafft Menschen-Recht, Reformation weckt Leidenschaft für eine gerechtere Welt, Reformation durchbricht den Turmbau der Habgier“.

Stellwände und Schaubilder an fünf Stehtischen laden ein, sich mit diesen Themen genauer zu befassen. Dabei wurde Wert auf interaktive Zugänge gelegt. Mit Audio-Guides können weiterführende Informationen zu den Themen abgerufen werden und an den Stehtischen vertiefende Gespräche über die Inhalte geführt werden. Außerdem machen Themenwürfel und Bauklötze die Inhalte an den Tischen begreifbar.

Pfarrer Albrecht Bischoff betonte, dass die seit einem halben Jahrhundert gewachsene Partnerschaft mit dem Dekanat Kaintiba zu einem wechselseitigen, lebendigen und segensreichen Geben und Nehmen geworden sei. Erst kürzlich habe eine Delegation aus Neuguinea das Dekanat Kronach-Ludwigsstadt besucht. Dabei habe man nicht nur Gottesdienste gefeiert, sondern sich auch gegenseitig ausgetauscht. Mit Pfarrer Fink, der zehn Jahre in Neuguinea wirkte, konnte nach 40 Jahren ein frohes Wiedersehen gefeiert werden. Pfarrer Bischoff lud alle Interessierten ein, sich selbst ein Bild zu machen über die Missionsaktivitäten der lutherischen Kirche und wünschte der Ausstellung die nötige Beachtung.

Joachim Wegner

Foto: Beim „Turmbau der Habgier“ stellen (von links) Pfarrer Albrecht Bischoff, Helga Fiedler, Christine Fischbach und Joachim Wegner von Evangelischen Bildungswerk spielerisch fest, wie schwer es ist, auf den falschen Grundlagen (Habgier, Egoismus) etwas Tragfähiges aufzubauen