Reformationsjubiläum in Bayern
Poetry-Slam-Workshop: Vom Papier zur Performance
Nürnberg 30. Juni bis 01. Juli 2017

Slam-Workshop – Raus mit den Glaubensüberzeugungen

Die Evangelische Jugend Nürnberg lockte mit Michael Jakob und dem Workshop „Da steh ich drauf“ junge Reformatorinnen und Reformatoren aus der Reserve. Grundsätze finden, Spur einstellen und kreativen Slam-Text verfassen. Dann rauf auf die Bühne und raus mit der Sprache.

Am 30. Juni und 1. Juli 2017 konnten Slam-interessierte Jugendliche und junggebliebene Erwachsene Text- und Bühnenerfahrung sammeln. Das anknüpfend an Luther, um sich eigener Glaubensüberzeugungen bewusst zu werden und diese inszeniert und quasi bühnenreif dem Publikum zu präsentieren. Ins kalte Wasser wurde trotzdem niemand geworfen. Es gab Aufwärmübungen und Tipps und Tricks an die Hand. Vom Poetry-Slammer Michael Jakob. Die Evangelische Jugend Nürnberg hat ihn, in Kooperation mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend, exklusiv gebucht und den Workshop „Da steh ich drauf“ veranstaltet.

Kreativsein: Von null auf hundert

Was tun, wenn der Kopf sich voll anfühlt von allem möglichen? Kann man Kreativität auf Knopfdruck bestellen? Es gibt da einige Übungen, mit Hilfe derer sich Kreativität trainieren lässt. Sie sollen die Schreibfeder zünden lassen. Und dann finden sich die Teilnehmer finden unvermittelt in der ersten Schreibübung wieder. „Gehirnausschütten“ ist angesagt: Freie Gedanken zu Papier bringen. Michael Jakob gibt anschließend Theorien zum Kreativsein weiter. Zu Inspirationen kann man auf drei Wegen kommen: Durch einen Einfall, den bekannten Geistesblitz. Das ist ein Geschenk, das von selbst kommt, oft beim Spazieren oder Zähneputzen. Dann gibt es die direkte und indirekte Beobachtung. Der dritte Weg führt über kreative Methoden der Ideenfindung. Jakob stellt Mind-Map, Clusterbildung, Brainstorming und Vorgaben unter zeitlichem Druck vor. Alle drei Wege führen zur Idee, die einen schließlich zu einem Ergebnis und dem Text bringt. Natürlich kann auch unsere Tagesform das Geschehen beeinflussen. Die nächsten Übungen „Doppelgeschichte schreiben“ und „Brief an Gott“ bringt die Gruppe tiefer in den Schreibfluss hinein. Sprache wirkt immer über eine Information, vom Sender zum Empfänger. Dann gibt es da noch den Einfluss von Worten: Den „Good Words“, die mit Geborgenheit, Nestwärme, Familie oder Heimat eine behagliche Stimmung erzeugen sollen. Und es gibt die „Bad Words“: Mit Begriffen wie Bedrohung, Untergang oder Terror erzeugen sie Angst. Der erste Teil des Workshops verging wie im Fluge. Die Teilnehmer haben sich bereits gegenseitig erste Texte präsentiert.

Zweiter Tag: 32 Thesen & Co.

Der zweite Workshop-Tag lädt die Truppe zu einer Warm-Up-Übung ein, die aus dem Bereich des Impro-Theaters stammt: „Zip Zap Zoom“. Wachwerden und fokussieren stehen an. Gemeinsam im Kreis stehend gibt es noch eine „Ein-Wort-Geschichte“, die gemeinsam forterzählt wird. Diese lebt von Schlagfertigkeit und kreativen Einfällen und bringt so einige Lacher mit sich. Darauf folgt eine längere Schreibphase: „32 Thesen“. Diese dürfen beispielsweise gestartet werden mit „Mein Glauben“ und können dann weitergehen mit „bestärkt mich“, „hilft mir“, „lässt mich manchmal (ver-)zweifeln“ usw. Diese Texte sollen selbstverständlich wieder präsentiert werden. Nach einer stärkenden Pause mit einem kreativ bestückten Buffet geht es auch schon wieder weiter: Theorieinput ist angesagt. Michael Jakob zeigt auf, dass menschliche Kommunikation zu 65% aus Körpersprache, zu 25% Sprache und nur zu 10% aus Inhalt besteht. Mit auf den Weg gibt er, wie wichtig es ist, dass man das, was man zu sagen hat, nicht nur in einfache und klare Worte packt. Viel wichtiger ist es, das Ganze schauspielerisch und mit Effekten darzubieten. Denn der reine Inhalt bleibt oft ohne Aussage, so seine Erfahrung.

Zutaten für mehr Wirkung

Die Teilnehmer erfahren, was eine gute Performance ausmacht. Durch verschiedene äußere Mittel kann die Intention eines Werkes unterstützt und verstärkt werden. So gibt es innerhalb der darstellenden Künste fünf Performance-Elemente: Erst einmal ist da die Körpersprache, die mit Gestik, Mimik, Haltung Wirkung erzeugt. Auch Nähe oder Distanz spielen da mit hinein, unter dem Fachbegriff „Proxemik“. Als nächstes wirkt die Stimme. Das kann über die Lautstärke, aber auch über Tempo, Betonungen und Intonation geschehen. Die Hilfsmittel, die „Props“ sind bei einem Poetry-Slam verboten, denn außer Zettel und Mikro ist sonst nichts erlaubt. Als nächstes wirkt der Raum als solcher. Die Akteure sollen die ganze Bühnenbreite nutzen. Man kann auch durch den Raum gehen und Lichteffekte nutzen. Nicht zuletzt kann ein Bühnenkünstler sein Publikum auch interaktiv mit einbinden, es zum Klatschen oder Mitsprechen einbeziehen, um seine Performance zu stützen.

Die Bühne ruft

Schließlich machen die Teilnehmer eigene Bühnenerfahrungen. Wie betritt man eine Bühne richtig, mit welchem Bein zuerst? Ab wann spricht man? Was ist mit dem Blickkontakt? Es gilt so einiges zu beachten. Zum Beispiel ist es günstig, das Publikum im Halbkreis, in einem „M“, anzuschauen. Auch die Hände wollen aufgeräumt sein. Und vor dem ersten Wort gilt: Immer erst kurz pausieren, sich sammeln.

Dann kommt das große Finale. Alle Teilnehmer treten mit ihrem selbst geschriebenen „Best-Of“ Text auf der Bühne auf: von Glaubensinhalten, über Standpunkte und Anschauungen. Alle ernten großen Applaus. Die Zeit schien wie im Fluge vergangen zu sein. Die Gruppe hätte gerne noch mehr erfahren, noch weiter geübt. Man merkt: Die Inhalte haben gezündet und es wurde auch Mut bewiesen. Nicht zuletzt beim Herausrufen der Glaubensstandpunkte auf der Bühne. Abschließend hat auch noch Michael Jakob einen seiner Highlight-Texte zum Besten gegeben. Ein gelungener Workshop mit vielen interessanten Erkenntnissen, Raum zum Üben und zum Schreiben und auch der Spaßfaktor war definitiv vorhanden.

Eindrücke rund um den Workshop finden Sie in der untenstehenden Bildergalerie. Bitte klicken Sie auf das erste Bild, um die Galerie zu starten.

Autorin: Diana Schmid

Bilder: EJN/ Barbara Gruß

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