Reformationsjubiläum in Bayern
Poetry Slam?! Das hätte Luther gut gefunden!

Nürnberg, 16.09.2017. Groß war die Freude, als Felix Kaden vom Kulturschockverein und Martina Bauernfeind vom Kulturreferat Nürnberg den Abend am 16.09.17 in der St Sebaldus eröffneten.

Die 6 Poet*innen hatten 2 Monate Zeit, sich mit Luther zu beschäftigen. So kontrovers Luther als Mensch war, so abwechslungsreich waren dann auch die dargebotenen Texte, die 250 Gäste in der Nürnberger Sebalduskirche erleben konnten.

Michael Jakob führte souverän durch den Abend. Begleitet wurde er von epischen Intros, die Radim Divis aus der Orgel zauberte. Wie beim Poetry Slam üblich, dürfen, ganz im Sinne Luthers, die Zuhörer sich einmischen.  Aus 5 Freiwilligen wurde eine Publikumsjury gebildet, die aufmerksam und differenziert nach jedem Beitrag Auftritt und Text bewertete.

Was nach den Formalien folgte, war ein Textefeuerwerk: Martin Geier aus Fürth verwandelte das Publikum in ein andächtig lauschendes Bauernvolk, indem er mit schallender Bassstimme in Johann Tetzels sündige Rolle schlüpfte.

Meike Harms stellte sich die Frage: „Die NPD macht Werbung mit Luther, aber hätte Luther die NPD gewählt?“ Ihre Antwort: „Vielleicht.“ Weil er zumindest im Alter ein himmelschreiender Antisemit gewesen ist. „Vielleicht aber auch nicht“, weil er als Wegbereiter der neuhochdeutschen Schriftsprache gar nicht amüsiert gewesen wäre von der Verunglimpfung derselbigen durch die Nazis, die sich heute im Internet tummeln. Wie klänge wohl eine Bibelübersetzung in der Sprache dieses „Volkes“? Davon abgesehen ging es Luther auch um Liebe, gute Taten, fröhliche Lieder und freundliche Gespräche. Sie stellte fest: „Das passt alles nicht zur NPD.“

In ihrem Text „Spuren“ beschäftigte Lara Ermer sich damit, was Menschen wie Martin Luther eigentlich so besonders macht, dass sie in die Geschichte eingehen, und wo vielleicht eigene Chancen bestehen, Spuren im Leben anderer zu hinterlassen. Dabei warf sie wild mit Jugendsprache und Anglizismen um sich und verlieh ihnen Ästhetik. Sprache in Entwicklung, dass wäre ganz im Sinne Luthers gewesen.

Veronika Riegers Text handelte davon, wieso Luther und sie selbst wohl keine Freunde wären. Sie erzählte, wie Luther ihrer Meinung nach heute auftreten würde und von der Unsinnigkeit, ein Jahr lang Reformationsjubiläum zu feiern als gäbe es nichts mehr, das in der Kirche heute noch reformiert gehöre. Mit fünf weiteren Thesen zur Vervollständigung der 100 Thesen stellte sie eben diese Forderung nach Reformation heute in Kirche und Gesellschaft. Denn Gleichberechtigung klingt sehr gut, ist selbst in einem aufgeklärten Europa noch lange nicht Alltag.

Anhand der 4 Solis nahm uns Adina mit auf eine persönliche Glaubensreise. Reformation ist nichts abstraktes. Reformation kann bei jedem einzelnen selbst beginnen. „Sie steht hier und kann nicht anders“.

Miguel Fugaz schaffte in seinem Text “Placebo der Liebe oder man muss vielleicht dran glauben” eine Verbindung zwischen dem Streben nach Glück und der Religion. Humorvoll stellte er die Frage was Martin Luther wohl heute machen würde und beendete seinen Text mit einem Denkanstoß über Glück und darüber das Richtige zu tun.

In der gut gefüllten St. Sebald Kirche bekamen die Zuhörer eine abwechslungsreiche Auseinandersetzung zum Thema „500 Jahre Luther“ geboten. Aufmerksam verfolgten Sie die Beiträge und quittierten Sie mit ausgiebigen Applaus.

Am Ende war Miguel Fugaz in der Gunst des Publikums und darf nun für den Süden zum Finale nach Wittenberg reisen. Wir drücken ihm die Daumen!

Wir danken den Kooperationspartnern  Lutherdekade in Bayern, dem Kulturreferat der Stadt Nürnberg, der St. Sebaldus Kirche und dem Bezirk Mittelfranken für ihre Unterstützung.

Möchtest du auch mal einen Poetry Slam sehen oder sogar teilnehmen. Unter www.frankenslam.de oder www.kulturschockverein.de findest du die Termine in Mittelfranken. Garantiert auch in deiner Stadt!

© Felix Kaden

(für die Galerie, bitte auf das Bild klicken)

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