Reformationsjubiläum in Bayern
Ökumenisches Christusfest
Ebern 31. Oktober 2017

Das Verbindende des Glaubens mit der Fokussierung auf Jesus Christus heraus stellen

Eine Vorbereitungsgruppe aus Mitgliedern des örtlichen evang. Kirchenvorstands und des kath. Pfarrgemeinderates unter Leitung der beiden Ortspfarrer hat sich im Februar 2017 gegründet, um den Tag zu gestalten. Dabei wurde beschlossen, die Grundidee der Ökumeneschrift „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ in einem Gottesdienst aufzunehmen: einander Schuld bekennen, gemeinsam danken für das Verbindende und sich zur künftigen ökumenischen Zusammenarbeit verpflichten.
Des Weiteren wurden kurze Workshops beschlossen, die die gemeinsam getragenen Anliegen der Reformation aufnehmen und die ökumenische Gemeinschaft fördern sollen. Dabei sollte auf verschiedene Altersgruppen und Interessen geachtet werden.
Ein abschließendes gemeinsames Mittagessen soll dem Miteinander dienen.
Außerdem wurde von katholischer Seite zur traditionellen Lichterprozession am Vorabend von Allerheiligen eingeladen, die damit den Abschluss des Christustages bilden sollte.

  • Ökumenischer Gottesdienst um 10.00 Uhr in der evang. Christuskirche
    Der Gottesdienst wurde von einem paritätisch besetzten Team aus jeweils 2-3 Mitgliedern von Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand unter der Leitung der beiden Gemeindepfarrer vorbereitet. Die Teammitglieder beteiligten sich bei den Lesungen und Gebeten des Gottesdienstes. Ein Problem ergab sich kurzfristig dadurch, dass der katholische Ortsgeistliche wegen einer schweren Erkrankung nicht teilnehmen konnte.
    Im Anfangsteil wurde die gegenseitige Schuld infolge der Kirchentrennung bekannt und mit einer eindrücklichen Symbolhandlung (ein Wasserkrug wird fallengelassen und zerspringt in Scherben) illustriert.
    Die Epistellesung 2. Kor. 5, 17-21 thematisiert die Versöhnung, die Gott in Christus stiftet. Die Evangeliumslesung Joh. 15, 1-5 stellt das Bleiben an Christus als Voraussetzung für das Fruchtbringen in den Mittelpunkt.
    Die Predigt, die ursprünglich als Dialogpredigt der beiden Pfarrer geplant war, wird nun allein vom evangelischen Pfarrer gehalten und nimmt dabei das Evangelium auf: Christus ist der, der uns Christen eint. An ihm zu bleiben führt zu Früchten des Glaubens und zu einem gemeinsamen Kirche-Sein, das öffentlich glaubwürdig ist.
    Christus ist die Zukunft einer Ökumene in „versöhnter Verschiedenheit“.
    Nach der Predigt wurden die bunten Keramikscherben, die beim Eintreten an die ca. 200 Gottesdienstbesucher verteilt wurden, zu einem Mosaik-Kreuz zusammen geklebt. Jeder der Besucher steuerte dabei seine „Scherbe“ bei. So sollte symbolisch der ökumenische Weg in die Zukunft dargestellt werden: aus den Scherben der Vergangenheit wird Neues unter dem Kreuz.
    Mit Fürbitten und Segen (gesprochen von einem in Ebern lebenden und in der Ökumene tätigen anglikanischen Pfarrer im Ruhestand) endet der Gottesdienst nach ca. 80 Minuten.
    Ein Höhepunkt des Gottesdienstes war sicherlich die musikalische Gestaltung, die vom evangelischen Posaunenchor und der Vereinigung der Kirchenchöre beider Konfessionen übernommen wurde.
  • Workshops
    Von den rund 200 Gottesdienstbesuchern nahmen etwa die Hälfte an den nun folgenden, 50-minütigen Workshops teil. Die ehrenamtlich geleiteten Workshops dienten der Vertiefung der ökumenischen Gemeinschaft und sollten wichtige Anliegen der Reformation aufnehmen.
  • Für Kinder war der Playmobil-Workshop gedacht. Die ca. 15 Kinder bauten unter Anleitung von Mitarbeiterinnen der ökum. Kinderkirche Stationen der Reformation mit den Playmobil-Teilen und -Figuren auf: das Unwetter in Stotternheim und Gang ins Kloster, der Thesenanschlag, der Wormser Reichstag, die Wartburg usw..
  • An der Bibellesegruppe nahmen 12 Personen teil, die unter Anleitung eines konfessionsverbindenden Ehepaares – erfahrene Hauskreis-Leiter – über die Epistel des Gottesdienstes ins Gespräch kamen und die „Versöhnung durch Christus“ vertieften. Die Hochschätzung der Bibel in der Reformation sollte mit diesem Workshop dokumentiert werden.
  • Die beiden Leiter des kathol. Laurentiuschors und des evang. „Cantabile“-Chors luden zu einem „Offenen Singen“ im Kirchenraum der Christuskirche ein. Vor allem neueres geistliches Liedgut stand auf dem Programm. Etwa 50 Personen nahmen die Einladung wahr. Die Einführung des Gemeindegesangs in der Reformation sollte so deutlich werden.
  • Am Workshop „Meditatives Tanzen“, der das spirituelle Element der Reformation ausdrücken sollte, nahmen 15 Personen teil.
  • Der kleinste Workshop mit 5 Teilnehmern war der Workshop „Elflein dichten“. Die Teilnehmer versuchten sich in Wortkünsten. Die Bedeutung der Reformation für die Entwicklung der deutschen Sprache stand im Hintergrund des Workshops.
  • Gemeinsames Mittagessen:
    Ab 12.30 Uhr stand ein gemeinsames Mittagessen in der nahe gelegenen Mensa des Gymnasiums auf dem Programm. Die Mensa wurde zu diesem Zweck extra angemietet und ein Skatering-Unternehmen mit der Bewirtung beauftragt. Für die rund 80 Teilnehmer standen dabei die Gemeinschaft und der Austausch über die Erfahrungen des Tages im Mittelpunkt.
  • Ökumenische Lichterprozession:
    In der katholischen Gemeinde besteht die Tradition, am Vorabend von Allerheiligen eine Lichterprozession durch die kleine Altstadt Eberns durchzuführen.
    Im Vorbereitungskreis wurde angeregt, diese Lichterprozession ökumenisch durchzuführen und passend zum Tag Christussymbole (Brot, Licht, Bibel, Kreuz) mit sich zu führen und mit kurzen meditativen Texten und Gebeten zu untermalen.
    Die Lichterprozession wurde in diesem Sinn unter Mitwirkung eines katholischen Paters (als Aushilfe für den erkrankten Ortsgeistlichen) und des evangelischen Pfarrers durchgeführt.

Fazit:
Der Ökumenische Christustag wurde im Ort sehr gut angenommen. Die Teilnehmerzahl übertraf die Erwartungen.
Es gab im Lokalteil der örtlichen Zeitung einen Vorbericht und eine umfangreiche Berichterstattung.
Insgesamt lag eine offene und entspannte Atmosphäre über allen Veranstaltungen. Gut angekommen sind die kommunikativen Möglichkeiten, die sich in den Workshops und beim gemeinsamen Mittagessen auftaten. Einige der Teilnehmenden, v.a. Ältere aus konfessionsverschiedenen Ehen, sprachen Verletzungen aus der Vergangenheit an, die sie aus der Konfessionsspaltung erlebt hatten. Andere schauten eher in die Zukunft und regten die Wiederholung eines solchen Tages an.
Ein Auswertungstreffen des Ökumene-Ausschusses am 7. November stellte fest, dass der Tag und seine Ausgestaltung der Ökumene am Ort gut getan haben und bei den allermeisten Gemeindemitgliedern sehr positiv aufgenommen wurde. Es wurde aber auch festgestellt, dass ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung dem Christustag recht gleichgültig gegenüber stand.

Pfr. Bernd Grosser

(Zum Öffnen der Bildergalerie bitte auf das Bild klicken)