Reformationsjubiläum in Bayern
Ökumenischer Kirchentag
Günzburg 03. Oktober 2017

Es war tatsächlich das Reformationsjubiläum, das uns zu diesem Tag bewegte, und es bestimmte letztendlich auch diesen Tag.

Geistlicher Rat Ulrich Däubler (Heilig Geist, Günzburg) verwies zu Beginn des ökumenischen Gottesdienstes auf Martin Luthers Thesenanschlag zu Wittenberg vor 500 Jahren und dass es im Zuge dessen dann zu einer Trennung kam, nachdem sich die Reformation innerhalb der katholischen Kirche nicht einstellte.

Mit dem Anspiel zu Ruth und Naomi stand die Bibel sichtbar vor Augen. Das Ziel der Ausführenden war, dieses sich Annähern der unterschiedlichen Religionen (israelitische und moabitische Religion als Folie für Evangelisch und Katholisch) in den beiden Frauen zum Ausdruck zu bringen.

Die Ansprachen der beiden Gastprediger, Prälat Dr. Bertram Meier (Augsburg) und ehem. Regionalbischof Dr. Ernst Öffner (Neuendettelsau), waren biografisch gehalten und thematisierten ebenso die eigenen Erfahrungen im Spannungsfeld mit der anderen Konfession und was sie davon gelernt haben.

Natürlich gehörte zu dem Gottesdienst auch dazu, Altes hinter sich zu lassen und den Weg der Versöhnung unter den Konfessionen weiter zu gehen und gerade das Gemeinsame im Zeugnis für diese Welt zu suchen. Und das war an diesem Tag zu spüren und zu erleben.

Nach dem Ökumenischen Gottesdienst im Jahr des Reformationsjubiläums (nach 80 Minuten) wurden die 8 Workshops vorgestellt, zu denen sich die 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorher schon angemeldet haben.

Im Workshop 1 „Gemeinsam fröhlich – zusammen sein – wie die Fische im Meer“ waren es ca 20 Personen mit Kindern.

Im Workshop 2 „Bibel erleben mit Ruth“ waren es 14 Personen, die nochmals der Geschichte von Ruth und Naomi nachgingen und nachspürten. Da stand die biblische Geschichte im Mittelpunkt und damit die Bibel.

Im Workshop 3 „(Gem)einsamer Weg der Kirchen“ waren die meisten Teilnehmer, weil sie weiter den beiden Gastpredigern zuhören wollten und noch bestimmte Fragen in Bezug auf Ökumene loswerden wollten. Es war ein intensives Gespräch und gerade Dr. Ernst Öffner kam bei den katholischen Christen sehr gut an. Der ganze Tag hat von der Vertrautheit der beiden Referenten aus alten Zeiten resultiert. Das war einfach zu spüren.

Workshop 4: Glauben und Denken
Zur Auseinandersetzung mit den Themen  Glauben und philosophisches resp. naturwissenschaftliches Denken luden die beiden Professoren Dr. phil. habil. Claus Bockmaier  (Musikwissenschaft) und Dr. Christian Heinlein (Informatik) ins Kolpinghaus. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Unter den gut 40 Teilnehmern waren auch einige Studenten. Alle verfolgten hochkonzentriert die mit einer anschaulichen Bildpräsentation unterstützten Vorträge. Die anschließende Diskussion war lebendig und angeregt, wenn auch etwas kurz. Zur Sprache kamen z.B. das Verhältnis von moderner Wissenschaft und Zeitgeist zu Bibel und Glaube oder von Schöpfungsbericht  und unserem heutigen Wissen.  Beim anschließenden gemeinsamen Mittagessen wurde deutlich, dass weitere derartige Gespräche und Vertiefungen erwünscht sind.

Workshop 5: Maria
Vierzehn Teilnehmer begaben  sich mit Eva Elischer, Susanne Erteld und Yvonne Bockmaier auf den Weg  indem sie die Stationen von Marias Leben betrachteten. In vier Gruppen wurde dann ein entsprechender Bibeltext aus den Evangelien gelesen und ihre Haltungen und ihr Charakter  erforscht und darüber persönlich ausgetauscht. Im Plenum stellten wir fest, dass Maria durch ihren festen Glauben, ihr tiefes Vertrauen in Gott und sein Wort uns als Christen auch heute noch herausfordert. Einen „Mariendienst“ konnten wir der Journalistin erweisen, welche sich in der Gesprächsrunde selbst aktiv beteiligte und nach einer Kopfwehtablette fragte. Mit einem im Kanon gesungenen Magnificat  endete die kostbare Begegnungsstunde zwischen evangelischen und katholischen Glaubensgeschwistern, die sich dabei  ein gutes Stück näher gekommen sind.

Im Workshop 6: „Lust auf ein Lied?“ haben 25 Menschen mitgemacht, überraschend auch jüngere, und auch Männer! Ein bunter Melodienreigen mit Liedern aus dem Gottesdienst, Herbst- und Volksliedern aber auch Hits der 90er Jahre, sowie neueren Gemeindeliedern ließ die Zeit viel zu schnell vergehen. Von vielen wurde das extra gefertigte Liedergeheft gerne mit nach Hause genommen.

Im Workshop 7 „Zwischenhalt – Himmelszeichen“ waren 40 Leute unterwegs zu verschiedenen Bildstöcken, die es in der näheren Umgebung von Heilig Geist gibt. Die Reformation hat zwar die Bilder zum Teil aus den Kirchen entfernen lassen, aber der Mensch benötigt einfach bestimmte Himmelszeichen, um seinen Gang und seine Arbeit zu unterbrechen. Es wurde bewusst gemacht, was diese Zeichen und Stationen für unser Leben bedeuten können.

Zu dem Workshop 8 „Die (evangelische) Auferstehungskirche erzählt vom Glauben“ machten sich 15 Personen auf den Weg. Es war ein kirchengeschichtlicher Rundgang durch die nahe gelegene evangelische Kirche mit informativen und nachdenklichen Impulsen, was die einzelnen Elemente und Stationen im Gotteshaus bedeuten.

Nach den Workshops kamen wir noch zu einem geistlichen Abschluss in der Heilig Geist Kirche zusammen. Was hat uns berührt? Was hat uns bewegt? Was wollen wir verkosten? Und mit der Bitte um Frieden schlossen wir den Gottesdienst ab. Anschließend blieben wir noch bei einem guten Mittagessen und schöner Musik durch die Bigband der Günzburger Musikschule beieinander und ließen so den Tag ausklingen.

Dass wir diesen Ökumenischen Kirchentag im Rahmen des Reformationsjubiläums gestaltet haben, wurde von vielen Seiten gelobt. Aber es war im Grunde schon der Weg dahin ein großer Gewinn. Und diesen Weg hätte es ohne dem Reformationsjubiläum so nicht gegeben. Das war wirklich ein ganz wichtiger Impuls.

Um nur eine Stimme von vielen zu Wort kommen zu lassen:

„In kürzeste Form gebracht: Gottesdienst, Workshops, Abschluss und gemeinsames Mittagessen waren eine erlebnisreiche Einheit für Seele, Geist und Körper. Das wäre aber fast zu einfach für einen Tag gelebter und erfahrener ökumenischer Gemeinschaft. Es gehörten auch dazu ein Team, das schon in außerordentlicher Verbundenheit diesen Tag vorbereitet hat, zwei Prediger, die aus ihrer persönlichen, auch familiären Erfahrung heraus sofort einen Zugang zu den Zuhörern gefunden haben und unerwartet viele Mitchristen, die sich angesprochen fühlten, ihre eigenen Bedürfnisse zeigten und für eine große ökumenische Gemeinschaft bereit waren. Ein großartiger Tag, der für Günzburg längst überfällig war.“ (G. Schöttl)

Pfr. Friedrich Martin

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