Reformationsjubiläum in Bayern
Ökumenische Menschenkette in Kempten
Kempten 19. Mai 2017

Kempten. „Ich war dabei“: Mit Stolz und Gänsehaut bekannte sich Dekan Jörg Dittmar zu der Menschenkette anlässlich der ökumenischen Nacht der Kirchen im Allgäu, die sich zwischen den beiden Hauptkirchen  – der römisch-katholische Basilika St. Lorenz und der evangelisch-lutherischen St. Mang-Kirche – am vergangenen Freitagabend bildete. Hand in Hand nahmen mehr als 800 Christen auf diesem ein Kilometer langen Weg teil! In Höhe der Freitreppe trafen schließlich die Menschen aus beiden Kirchen zusammen, fielen sich in die Arme, applaudierten, allen voran Dekan Jörg Dittmar und Stadtpfarrer Dr. Bernhard Ehler von St. Lorenz. –

Das bisher einmalige Erlebnis der Menschenkette hat auch historisch Bedeutung, immerhin war Kempten bis vor 200 Jahren noch Doppelstadt, geteilt in eine katholische Stiftsstadt und eine evangelische Reichsstadt.

Schon um 20.06 Uhr verkündete Dekan Jörg Dittmar in der St. Mang-Kirche: „Es klappt! Es sind ausreichend Menschen gekommen.“ Koordiniert über Funk, waren beide Kirchen ständig über den Stand der Menschenkette auf dem Laufenden. An der Klostersteige moderierte Gerhard Kehl, Gründer und geistlicher Leiter der Jordan-Stiftung, den Ablauf. Hier wurde vom Posaunenchor und der Jordan-Stiftung musiziert. Organisiert wurde die Aktion von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen(AcK)  in Kempten, überschrieben mit dem Bibelwort aus Epheser 4,3: „Eins im Geist durch das Band des Friedens“.

Als erstes ging dann eine Welle von der einen zur anderen Kirche und umgekehrt.  Mit roten Schals, die zu Beginn an den beiden Kirchen ausgeteilt worden waren, knüpften die Menschen alsdann ein Band des Friedens. Dann wurde die neue Fassung der Lutherbibel von der St. Mang-Kirche aus zur Mitte der Menschenkette gegeben, während von der Lorenz-Basilika die neue Einheitsübersetzung Hand für Hand weitergereicht wurde. In Höhe der Freitreppe tauschen Dittmar und Ehler die beiden Bibeln. „Das lebendige Wort wurde gewechselt!“ – als Symbol des gemeinsamen Auftrags, das Evangelium in der Stadt zu verkünden.

Zum Finale trafen sich dann alle Beteiligten im Zentrum an der Klostersteige. „Das ist ein guter Tag für Kempten und das Allgäu“, freute sich Gerhard Kehl. Er zitierte Kardinal Reinhard Marx, den Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der bei einem gemeinsamen Buß- und Versöhnungsgottesdienst zum 500. Reformationsjubiläum sagte: „Diese Christen bekommt man nicht mehr auseinander. “ Das sei auch in Kempten so!

Oberbürgermeister Thomas Kiechle meinte: „Heute sind die Menschen selbst zum Segen geworden!“ Die Freude an Gott sei unsere Kraft. „Ein Symbol für Frieden und Versöhnung geht heute von Kempten aus in alle Welt!“ –

„Menschen reichten einander die Hand und standen ein für ihren Glauben, für Frieden und ein gutes Miteinander in unserer Stadt“, formulierte es Dittmar. Die Menschenkette überbrücke die alten Gräben der Konfessionen und sei zugleich ein hochaktuelles Zeichen, dass „wir mit Zäunen, Mauern und Abschottung weder unsere eigenen Probleme noch globale Herausforderungen werden meistern können.“ Auch für Stadtpfarrer Dr. Bernhard Ehler ist die Menschenkette ein Zeichen für die wachsende Einheit der Christen in Kempten.

Nach dem Segen löste sich die Menschenkette auf und die Teilnehmer hatten Gelegenheit, in neun Kemptener Kirchen an der inzwischen 6. Ökumenischen Kirchennacht teilzunehmen.

Mehr unter www.kirchen-kempten.jimdo.com

Bilder und Text © Monika Rohlmann

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