Reformationsjubiläum in Bayern
Martin Luther – Weg, Werk, Wirkung

Amberg, 28.09.2017. Es waren die nächtlichen Hammerschläge aus Wittenberg, die ihn auch im Westen bekannt machten. Es waren nicht die angeblichen Hammerschläge an der Schlosskirche zu Wittenberg im Jahr 1517.Es waren die am 24. September 1983 im Lutherhof zu Wittenberg, als ein Schwert zu einer Pflugschar umgeschmiedet wurde. Er, der Initiator dieser riskanten Aktion, hatte niemanden gefragt, niemanden eingeweiht – auch niemanden von den kirchlichen Behörden. „Schwerter zu Pflugscharen“ – Erich Mielke und die Stasi tobten, denn das Friedenszeichen und dieser Slogan  – basierend auf den Worten des Propheten Micha – war bei den DDR-Behörden nicht nur verpönt – es war verboten. Der Name des Täters: Pfarrer Dr. Friedrich Schorlemmer aus Wittenberg.

Zahlreiche Auszeichnungen hat Friedrich Schorlemmer  erfahren – vom Bundesverdienstkreuz über den Friedenspreis des deutschen Buchhandels bis hin zu mehrfachen Ehrendoktorwürden. Zuletzt wurde der als „Friedenspfarrer von Wittenberg“ bezeichnete auch zum Ehrenbürger seiner Stadt ernannt, die ihn und die er geprägt hat.

Wir sahen ihn im Fernsehen sprechen – damals bei der großen, erstmals von den DDR-Behörden nicht initiierten Demonstration auf dem Alexanderplatz am 4. November 1989, neben Ulrich Mühe, Jan Josef Liefers, Gregor Gysi, Stefan Heym, Heiner Müller, Lothar Bisky und anderen. Die Hände von Markus Wolf zitterten – sicher zitterten auch die Hände Schorlemmers.

Bei seinem Vortrag im gut besuchten Paulaner-Gemeindehaus Amberg verstand es der prominente Referent, theologische, politische und literarische Linien von Luther direkt in die Gegenwart zu ziehen – und wenn Martin Luther ein die deutsche Sprache prägendes Sprachgenie war, dann gilt das auch für den streitbaren Pfarrer aus Wittenberg. In seinen Ausführungen und bei der sich anschließenden lebendigen Diskussion griff Schorlemmer mit engagierter Position die vielen Probleme der Gegenwart auf und ließ dabei immer auch etwas spüren von der Farbigkeit, Tiefgründigkeit, Lyrik und Bedeutungskraft der deutschen Sprache in Vergangenheit bei Luther und in Gegenwart bei ihm.

Es zeigte sich, dass Friedrich Schorlemmer auch heute noch für viele unbequem ist. Sein mutiges Einmischen – sei es politisch, sei es theologisch, kirchlich im Bereich des Sozialen und Wirtschaftlichen – wirkt auf viele ruhestörend und nahezu umstürzlerisch.

Mit anhaltendem und herzlichem, Applaus dankten die Zuhörer dem Wittenberger Friedens- und Lutherpfarrer, der mit seinem Kommen nach Amberg die alte Verbindung Wittenberg-Amberg (damals verbunden mit den Namen Martin Luther, Philipp Melanchthon, Sebastian Fröschel und Andreas Hügel) wieder zum Leben erweckt hat.

© Siegfried Kratzer