Reformationsjubiläum in Bayern
Martin Luther in Playmobil

Wanderausstellung der Gemeinde Kammerstein

Das Leben des großen Reformators in klein, so läßt sich das Projekt „Martin Luther in Playmobil“ beschreiben, das unter der Regie des Kammersteiner Pfarrers Stefan Merz 2007 zu Beginn der Reformationsdekade gestartet wurde und dann 2016 – 2018  stattfand. Schon lange bevor der offizielle Playmobil-Luther erschienen war, hatte es wichtige Orte der Reformationsgeschichte wie Luther Geburtshaus, die Schloßkirche und natürlich auch die Wartburg im Maßstab 1:22 gegeben. In den Jahren 2016 bis 2018 wanderte diese Szenenschau dann von Franken aus bis nach Hessen und Ostwestfalen. Neben kirchlichen Orten wie der Neuendettelsauer Diakonie oder dem Gemeindehaus der nordhessischen Kirchengemeinde Dautphe waren auch Museen wie das Kloster Dalheim in Ostwestfalen, die Heimat der Playmobilmännchen im Funpark in Zirndorf oder die evangelische Lukasschule in München Stationen der Luther-Tour. In sieben Szenen vom Geburtshaus über den Stotternheimer Blitzschlag, das Erfurter Augustinerkloster, den Reichstag zu Worms wurde der Bogen bis hin zur Übergabe des Augsburger Bekenntnisses geschlagen. Dabei waren der Thesenanschlag an der Schloßkirche und die Wartburg von ihrer Bedeutung und den Ausmaßen die zentralen Szenen. Alleine die Burg mit ihren zahlreichen Gebäuden und zwei Türmen benötigte eine Grundfläche von annähernd fünf Quadratmetern.

Für die Gestaltung von Gebäuden und Landschaften wurde fast ausnahmslos auf Playmobil zurückgegriffen. Dabei kamen viele Teile alter Playmobilserien, die heute nicht mehr im regulären Handel zu finden sind, zum Einsatz.  An einigen Stellen wurde auch die Säge angesetzt und mit Hilfe von Holz, Heißkleber und anderer Hilfsmittel dafür gesorgt, daß die Gebäude den Originalen so nah wie möglich kamen. Gut ein Dreivierteljahr verging mit der anfänglichen Teilejagd, bei der einschlägige Handelsplätze im Internet ebenso unverzichtbar waren wie private Internetforen begeisterter Playmobilanhänger. Hier gab’s auch viele hilfreiche Tipps für die Anpassung der Bauteile an die Erfordernisse der Gebäudeformen. Der Bau der Gebäude und Szenen selber hat dann mit rund vier Monaten zu Buche geschlagen: Untergrundplatten gestalten, Sägen, Kleben und Lackieren, Figuren setzen – und dazwischen natürlich die ganz normale Arbeit in der Kirchengemeinde. Nicht mitgezählt: Die Recherchen vor Ort. Bereits für den Erstaufbau 2007 war bei Reisen nach Wittenberg und zur Wartburg bei Eisenach Bildmaterial vom Kirchenfenster bis hin zu Fußböden und Wandgemälden gesammelt worden, das dann auch teilweise in der Ausstellung direkt zum Einsatz kam.

Um die Ausstellung von einem Ort zum nächsten zu bewegen, war ein Kleinbus erforderlich. Die zahlreichen Häuser immer wieder in alle Einzelteile zu zerlegen, hätte mehrere Stunden gebraucht – sie wieder aufzubauen ebenso. Daher wurden Häuser, Kirche und Burggebäude wenn möglich im ganzen auf den Unterbauplatten transportiert. Teilweise konnten die Einzelszenen dazu wie in einem Regal gestapelt werden, doch gerade Großgebäude wie der Hauptbau der Wartburg brauchten eben ihren Platz. Eine besondere Herausforderung stellten häufig enge Zufahrten oder schmale Türen und natürlich Treppenhäuser dar. Einmal mußte der Hauptbau der Wartburg, eine stabile Modulplatte von einem mal anderthalb Metern waagerecht gehalten über eine Feuertreppe in den ersten Stock getragen werden; einmal galt es, das ganze Gebäude zu zerlegen und dann am Aufstellungsort wieder zusammenzusetzen, da die letzte Türe einfach zu schmal war. Je nach Entfernung bedeutete jeder Umzug der Ausstellung einen bis zwei Tage Reise und Arbeit, für die die Kirchengemeinde ihren Pfarrer freistellte.

Um die Ausstellung zu erkunden und auch die Inhalte der Reformation nachvollziehen zu können, gab es passendes Begleitmaterial. Das waren zum einen erklärende Texte zu jeder der Stationen. Dazu gab es dann für Kinder und Konfirmanden verschiedene Arbeitsbögen, in denen es galt, Informationen aus den Informationstexten herauszulesen und den passenden Fragen zuzuordnen. In Kammerstein wurde die Ausstellung dazu von mehreren Schulklassen und Konfirmandengruppen besucht. In Dautphe konnten die Gäste im Anschluß an die Besichtigung ihre eigenen Thesen zur Kirche heute verfassen und an eine Thesentüre anschlagen. In Dalheim stand der Playmobil-Luther im Kontext einer großen Ausstellung über die Reformationszeit, die zahlreiche weitere Hintergründe lieferte. Ein Nebeneffekt der Ausstellung war ein Luther-2017-Kalender. Er war in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde Dautphe entstanden und enthielt neben zahlreichen Ausschnittsbilder der Ausstellung noch weitere Motive wie beispielsweise einen Einblick in Luthers Eßzimmer im Kreise der Studiosi oder Luthers Hochzeit mit Katharina von Bora. Hierfür mußte allerdings ein wenig in die Trickkiste gegriffen werden: Das Bild entstand in einem Modell der Kammersteiner Georgskirche – natürlich auch aus Playmobil.

Und warum ein Spielzeug? Weil die Ausstellung gezielt Kinder und Jugendliche ansprechen sollte. Und die verbinden mit den lieb lächelnden Klickys zunächst einmal positive Erfahrungen, mit denen gleich eine andere Motivation zum Hinsehen und Nachdenken einhergeht. Darüber hinaus hat die Ausstellung aber immer wieder auch Erwachsene angesprochen, die sich zum einen an das Spielzeug ihrer eigenen Kindheit erinnerten; und die zum anderen gemeinsam mit ihren Kindern und Enkelkindern unterwegs waren und so das ein oder andere Neue über Martin Luther erfuhren.

Stefan Merz

Zum Öffnen der Bildergalerie bitte auf das Bild klicken (Fotos: Stefan Merz)