Reformationsjubiläum in Bayern
Magdalena Himmelstürmerin
Mittenwald 25. März 2017

Das Stück wurde von Dr. Dieter Kirsch aus Murnau (Vorstandsmitglied im Evangelisches Bildungswerk im Dekanat Weilheim) dramatisiert und inszeniert (Original: Magdalena Himmelstürmerin – ein Roman aus der Lutherzeit von Rudolf Herfurtner). Gemeinsam mit Jugendlichen aus Kirchengemeinden im Landkreis Weilheim-Schongau wurde das Stück erarbeitet. Im Jahr 2017 wird es noch an weiteren Spielorten im Dekanatsbezirk Weilheim aufgeführt.

Das Theaterstück erzählt die Geschichte von Magdalena, einem gewöhnlichen jungen Menschen. Die kleine, überschaubare Welt der zwölfjährigen Magdalena gerät aus den Fugen, als ihr Vater und ihr geliebter kleiner Bruder bei einem Bergwerksunglück ums Leben kommen. Statt für einen Arzt gibt die Mutter ihr Geld für Ablassbriefe aus. Als sie die kleine Kate nicht mehr halten kann, wird Magdalena ins ferne Wittenberg zu ihrer Tante Elsbeth geschickt. Dort trifft sie nicht nur Veit wieder, einen Freund aus Kindertagen, sie hört auch einen gewissen Doktor Luther, bei dem Veit Theologie studiert. Für Magdalena öffnet sich die Tür zu einer neuen Welt, zu einem neuen Leben. Sie erkennt, wie Luthers Gedanken sie ermutigen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Dass sie dabei in eine Liebesgeschichte gerät kann nicht ausbleiben. So gefährlich ist das selbst in die Hand genommene Leben, dass sie plötzlich in einer Dreiecksbeziehung steht zwischen dem Studenten Veit und dem Straßenräuber Rasso.

Durch die Geschichte der Himmelstürmerin Magdalena erfahren wir Geschichte, wo wir herkommen, aber auch, wo wir hin müssen, als Mensch, aber auch als Kirche. Wir sehen, wie Glaube, Religion und Welt zusammenhängen, damals 1517 und heute, gesellschaftlich und individuell. Durch die Dramatisierung der Geschichte in ein Mash-up-Theater wird ein Gemeinschaftserlebnis, wird der Geist der Reformation spürbar.

Das aus dem Buch entstandene Mash-up-Theater schrieb und inszeniert Dieter Kirsch. Die Orgelmusik dazu steuert Dekanatskantor Wilko Ossoba bei.

 

Der Autor Dieter Kirsch zu seinem Stück:

Was mich an dem Roman von Rudolf Herfurtner so faszinierte, mich dazu trieb, ihn zu dramatisieren? Es war die pralle Welt, die er bot, die Sinnlichkeit der in ihr lebenden Personen.

Es war auch seine Aktualität. Wir kennen die theologischen Diskussionen über die Reformation, zum Beispiel die, ob man sie als Jubiläum feiern oder nur ihrer gedenken kann. Wenn wir heute von Einheit in versöhnter Verschiedenheit als Ziel der christlichen Kirchen sprechen, was war das für eine Einheit vor fünfhundert Jahren?

Hieronymus Bosch, vor fünfhundert Jahren gestorben, hat mit seinen Bestien und Dämonen ein Bild geliefert, welche Angst, welche lodernden Höllenfeuer die Menschen damals zusammen hielten.

Nicht der gerechte, der gnädige Gott wurde gesucht. In dieses Bild hat Rudolf Herfurtner die Heldin seines Romans, die Magdalena Reinprecht gesetzt. Herfurtner ist es meiner Meinung nach gelungen, an seiner Heldin Magdalena mit viel Gespür die lebensbestimmende Rolle des Glaubens damals aufzuzeigen, die Allgegenwart von Gewalt und Tod und wie dieses Weltbild zusammenbricht. Er liefert eine geschickt komponierte Lebens- und Glaubensgeschichte. Er macht deutlich, wie dieser Doktor Luther die Welt für immer geändert hat. Es war also die Geschichte, die mich faszinierte, aber auch, wie eingangs schon genannt, deren Aktualität. Auch heute erleben wir, wie gesellschaftlich und individuell, Glaube, Religion und Welt zusammenhängen. Für Magdalena öffnet sich ein neuer Himmel. Luthers Gedanken ermutigen sie, in diesen Himmel zu stürmen. Müssen wir nicht auch heute eine neue Reformation suchen?

Das zu lesen führte bei mir zu Bildern im Kopf, zu Theaterbildern. Es reifte der Plan, aus dem individuellen Leseerlebnis ein Gemeinschaftserlebnis zu machen, Theater eben. Und da viele dafür zu begeistern waren, mit zuerst Wilko Ossoba, unser Dekanatskantor und nicht zuletzt Raphael Bucher unser Lichtdesigner, erleben Sie jetzt als Theaterbesucher, die Entwicklung Magdalenas, ihren Glauben und ihr Weltbild und wie sich ihre Sicht auf die Welt verändert hat.