Reformationsjubiläum in Bayern
Lutherzoigl
Speichersdorf 25. März 2017

Die Reformation feierte 2017 ihr 500-jähriges Jubiläum. Aus diesem Grunde lud der Kirchenvorstand alle Gemeindeglieder und im Zuge der Ökumene auch die katholische Nachbargemeinde Kirchenlaibach zum „Lutherzoigl“ ins Gemeindehaus ein. Das war kein Werbegag, denn Luthers Frau Katharina von Bora hatte das Braurecht und braute ihr wittenbergisches Bier selbst – wie eben auch das oberpfälzische Zoiglbier – , das am Tisch der Familie im Beisein von Studenten und Gästen ausgeschenkt wurde.

Luther selbst gab in seinen Tischreden so einiges von sich. Neben theologischen und geistlichen Betrachtungen waren das häufig auch feinsinnige wie grobschlächtige Sprüche und Lebensweisheiten, die sich heute noch im deutschen Sprachschatz finden und sich um die Belange des gesellschaftlichen und familiären Zusammenlebens drehten.

Als Tischredner konnte Vertrauensfrau Elke Bundscherer Pfarrer i.R. Klaus Rettig begrüßen, der von Anwesenden sehr herzlich willkommen geheißen wurde.

Wie könnte es auch anders sein, wurde der Abend wie im Lutherhaus in Wittenberg mit dem Luther-Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ feierlich eröffnet. Den Text brauchte man nicht unbedingt auswendig zu kennen – wenn dies auch bei den meisten Gästen zutraf -, war er doch auf den Tischservietten nebst Noten abgedruckt.

Pfarrer Rettig hatte seine Ausführungen und mehr oder weniger deftigen Lutherzitate aus den Tischreden des Reformators in vier Abschnitte aufgeteilt, die jeweils durch die weiteren Strophen des Luther-Liedes abgerundet wurden.

Teil 1: Luther und die Frauen

Nicht nur durch seine 95 Thesen, auch durch seine Heirat mit Katharina von Bora – einer entlaufenen Nonne – bringt Martin Luther ein jahrhundertealtes gesellschaftliches Gefüge zum Einsturz. Frauen und Männer sind gleich viel wert, behauptet Luther und verbreitet es im ganzen Reich. Dessen Verhältnis zur Ehe und zum weiblichen Geschlecht untermalte Klaus Rettig mit teils lustigen, teils tiefgründigen Sprüchen Luthers.

Teil 2: Luther und der Teufel

Dieser Abschnitt widmete sich der – im mittelalterlichen Weltbild allgegenwärtigen – Auseinandersetzung Luthers mit dem Teufel. Verdeutlicht wurde dies durch einen von Uwe Ochsenknecht gesprochenen Audio-Auszug aus „Luthers Tischreden“.

Teil 3 Luthers Wirken

Seine Betonung des gnädigen Gottes, seine Predigten und Schriften und seine Bibelübersetzung, die Lutherbibel, veränderten die vom Christentum dominierte Gesellschaft in der frühen Neuzeit nachhaltig. Mit Blick auf die Sprache hat Luther durch die Übersetzung der Bibel einen wichtigen Beitrag geleistet zur Entstehung und Verbreitung des Frühneuhochdeutschen. Luther und der Protestantismus haben dadurch erheblich zur kulturellen Identität der Deutschen beigetragen.

Teil 4: Käthe Luther

Luther nannte seine Frau aufgrund ihrer entschlossenen Art liebevoll auch „mein Herr Käthe“. Im Kloster hatte sie Lesen und Schreiben gelernt und „managte“ den Haushalt Luthers. Das Bier, das sie selbst braute, war laut Pfarrer Rettig ein Dünnbier mit 0,5 % Alkohol, dürfte aber sauberer als das Trinkwasser zur damaligen Zeit gewesen sein, weshalb Studenten manchmal bis zu dreieinhalb Liter Bier pro Tag getrunken haben.

Zu allen vier Themenblöcken zitierte Pfarrer Klaus Rettig eine Vielzahl von Lutherworten und manche amüsante Anekdote, so dass der Tischredner am Ende mit großem Applaus bedacht wurde.

Zwischen den einzelnen Blöcken konnten die Gäste Essen wie zu Luthers Zeiten genießen. Es gab Gerichte wie Bohnenmus, Wurzelgemüse mit Honig, Kichererbsenaufstrich, Kräuterquark, Eier, kalten Schweinebraten usw. Gerichte aus Kartoffeln waren nicht dabei – die Knolle wurde nämlich erst später nach Europa eingeführt. Den Besuchern hat es dennoch bestens geschmeckt.

Als Dankeschön an den Redner überreichte Elke Bundscherer noch eine Flasche guten Weines mit der Aufschrift „Luthertrunk“. Die Besucher konnten sich verschiedene Lutherzitate mit nach Hause nehmen.

Das „Lutherzoigl“ im Gemeindehaus wird sicherlich allen Gästen weit über das Jubiläumsjahr hinaus in guter Erinnerung bleiben.

© Heidi Lauterbach