Reformationsjubiläum in Bayern
Lutherprojekt der achten Klassen

Wittenberg, 03.07.2017. 2017- da müssen wir uns etwas ausdenken, überlegte sich die Religionslehrerin Frau Engelhardt-Helfert und beschloss, den Antrag für eine besondere Studienfahrt in der allgemeinen Lehrerkonferenz zu stellen. Das 500jährige Jubiläum desThesenanschlags durch Martin Luther im Jahr 1517 sollte nicht spurlos an den Schülern vorüberziehen.

Nach Wittenberg, statt wie jedes Jahr nach Coburg auf den Spuren Luthers, sollte es gehen. Aber damit die Schüler gut darauf vorbereitet sind, sollte auch der Unterricht einmal etwas anders gestaltet werden.

Das Konzept war schnell ausgedacht: Zuerst sollte die gesamte 8. Jahrgangsstufe den Lutherfilm aus dem Jahr 2003 ansehen, im Anschluss daran lernten die Schüler die Grundlagen zur Reformation kennen. Allerdings nicht wie üblich in ihren unterschiedlichen konfessionellen und nichtkonfessionellen Gruppen, sondern in Form von Expertenstunden. Die beiden evangelischen Lehrkräfte Frau Schmehle und Frau Engelhardt informierten die Schüler über Luthers Leben und seine Rechtfertigungslehre, der katholische Diakon Herr Meyer erklärte die mittelalterliche und katholische Frömmigkeit und der Ethiklehrer Herr Prechtl unternahm es, die geschichtlichen Kenntnisse der Schüler aufzufrischen. Für die Schüler bot sich somit einmal die Möglichkeit, auch die Lehrer kennenzulernen, die ihre Mitschüler unterrichten.

So mit einem Überblick zum Thema Reformation ausgestattet, folgte ein offener Projektunterricht, wo die Schüler und Schülerinnen ihren besonderen Interessen folgend zwischen den verschiedensten Angeboten wie z.B. eine Illustrierte oder moderne Bilder gestalten oder sich mit Luthers Bibelübersetzung oder mit evangelischer Kirchenmusik auseinanderzusetzen, bis hin zu Erklärvideos wählen konnten. Den End- und in gewisser Weise auch Höhepunkt stellte eine kleine Ausstellung der Ergebnisse am Tag der offenen Tür dar. Denn überraschender Weise kam der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Herr Haselow, vorbei und nahm die Werke der Schüler in Augenschein. Davon beeindruckt, erhielten die Schüler von ihm das Angebot, dass er sie in seiner Heimatstadt Wittenberg persönlich begrüßen und führen wollte, was leider bei der engen zeitlichen Planung nicht berücksichtigt werden konnte.

Studienfahrt nach Wittenberg

Der eigentliche Höhepunkt folgte schließlich am 3. Juli, als die gesamte Jahrgangsstufe sich in Begleitung der schon genannten Lehrkräfte auf den Weg in die Keimzelle der Reformation – in die Lutherstadt Wittenberg – aufmachte.

Dort angekommen, stand zunächst die Besichtigung des Lutherhauses im ehemaligen Augustinerkloster – dem sogenannten „Schwarzen Kloster“ – nach der Farbe der Mönchskutten, wie die Schüler bei einer Führung erfuhren, auf dem Plan. Danach durften die Schüler in der museumspädagogischen Werkstatt ihre Schreibfertigkeiten mit Gänsekielen erproben und schließlich noch auf eigene Faust die Stadt mit einer Stadtrallye erkunden.

Übernachtet wurde in der Jugendherberge in Dessau, die bei den Schülern großen Zuspruch erhielt, da sie nach eigenen Aussagen „sehr schön und ordentlich war“ und „genug Platz für Aktivitäten“ bot.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück ging es zurück nach Wittenberg, um die Jubiläumsausstellung „95 Schätze, 95 Menschen“ zur Reformation zu besuchen. Dort konnten die Schüler z.B. einen originalen Druck der 95 Thesen Luthers sehen.

Außerdem stand die Besichtigung der beiden Kirchen, in denen Martin Luther selbst gepredigt hat und in denen die ersten Gottesdienste in deutscher Sprache mit Abendmahl in beiderlei Gestalt stattgefunden haben, noch auf dem Programm.

Nach einer kurzen Mittagspause ging es schließlich mit einer mehr oder weniger von den vielen Eindrücken und Erlebnissen erschöpften Schülerschar zurück nach Bayreuth.

© Sabine Engelhardt-Helfert