Reformationsjubiläum in Bayern
Luther und die Juden
Günzburg 12. März 2017

Der ehemalige Landesbischof Dr. Johannes Friedrich predigte am Sonntag – den 12.03.2017 – in der evangelischen Auferstehungskirche über das Verhältnis Juden und Christen. Er war auf Einladung von Dekan i.R. Wolfgang-Jürgen Stark, der mit ihm diesen Gottesdienst feierte, gerne nach Günzburg gekommen. Religionspädagogin Susanne Herold begrüßte Friedrich als ehemaliger Propst von Jerusalem (1985 – 1991) und als Nahostbeauftragter der EKD (ab 1999), der wie kein anderer zu „Luther und die Juden“ was zu sagen hätte.

Luther schrieb 1523 eine judenfreundliche Schrift, dass Jesus ein geborener Jude sei und er hoffe, dass sich die Juden zum Evangelium bekehren und sich taufen lassen. Doch diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Doch es kam zu einer Wende, die Luther judenfeindlich werden ließ. Friedrich ging der Frage nach, wie es zu dieser Wende kam. Luther fühlte sich als christlicher Alttestamtler, der die Verheißungen im AT auf Jesus Christus hin gelesen und verstanden hat. Als sie sich nicht bekehrten, hielt Luther sie von bösen Willen beseelt. In seiner Schrift von 1543 „Von den Juden und ihren Lügen“ finden sich zum Schluss noch die berüchtigten praktischen Anweisungen, die Häuser der Juden zu zerstören, ihnen den Talmud weg zu nehmen und sie zu verjagen.

Friedrich gab auf die Frage „Wie sollen wir uns heute dazu verhalten?“ verschiedene Antworten: Es braucht den offenen Umgang mit der dunklen Seite bei Luther gerade im Jahr des Reformationsjubiläums. Er muss differenziert betrachtet und gewürdigt werden. Luther war kein Heiliger und hat seine Schattenseiten, aber das nimmt nichts von seiner Bedeutung als Theologe und Reformator. Herold leitete die anschließende Diskussion, ob dieser Antijudaismus nicht im Kontext spätmittelalterlichen Judenfeindschaft gesehen werden müsse und inwiefern er vom Nationalsozialismus aufgegriffen und für den modernen Antisemitismus benutzt wurde. Friedrich wies auf die deutschen Christen hin.

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