Reformationsjubiläum in Bayern
Luther-Kabarett
Mittenwald 30. September 2017

Ein Jahr besonderer Jubiläumsveranstaltungen zum 500.Jahrestag des Thesenanschlags Martin Luthers und der Reformation ging mit dem Luther-Kabarett zu Ende. Dieser lebendige und kreative Abend stellte sozusagen das Finale einer besonderen Zeit für die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde im Oberen Isartal dar.

Die Künstler waren der ehemalige evangelische Regionalbischof von Nürnberg und Mittelfranken, Karl-Heinz Röhlin und sein Frau Ruth am Klavier.

Der Abend war erfüllt von einer Vielzahl kreativer, lebendiger und bunter Darbietungen, bei denen nicht ohne Selbstkritik auch auf die eigene lutherische Kirche geschaut wurde. So wurde eine „Lutherlocke“ als Reliquie präsentiert, um einen übertriebenen Lutherkult humorvoll zu hinterfragen.

Beginnend mit dem Jubiläumsjahr 1517 stellte Röhlin die Frühgeschichte der Reformation humorvoll bis zum Jahr 1525 dar, als Luther Katharina von Bora heiratete.

Die für Luther so wichtige Ehe mit seiner Frau Katharina wurde lebendig durch eine ausgedachte Begegnung der beiden in einer Wittenberger Apotheke vorgestellt, bei der sich Katharina in Martin verliebte und dem Professor Liebesbriefe schrieb. Hier – wie auch sonst oft – wurde die satirisch-kabarettistische Szene durch ein Lied abgeschlossen, das Frau Röhlin auf dem Klavier spielte: „Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht.“ Dieses Lied von Drafi Deutscher traf die Stimmung des Publikums, die es kräftig mitsangen.

Luthers Lehre vom Heiligsein und geistlichen Amt wurde dargestellt und das Publikum einbezogen: Jeder Getaufte sei Pfarrer, Bischof, Papst, und Zuhörer wurden mit diesem Titel versehen. Der berühmte Zeitungsartikel bei der Wahl Kardinal Ratzingers mit dem Titel „Wir sind Papst“ habe auf beste Weise das Anliegen Luthers wiedergegeben.

Der besondere ökumenische Akzent bestand nun darin, dass diese urevangelische Darbietung im katholischen Gemeindesaal stattfand. Das wurde auch während der humorvollen Darbietungen spontan von Röhlin aufgenommen: „So was gibt’s nur in Mittenwald.“ Und Röhlin schlüpfte einmal in die Rolle eines Kardinals, der ökumenische Grüße zum Jubiläum aus dem Vatikan überbrachte.

Das Kabarett war mit 75 Teilnehmern gut besucht, Evangelische wie Katholische, Einheimische wie Touristen.

Der langanhaltende Applaus führte zu einer kabarettistischen Zugabe, bei der sich das Publikum einem Lutherquiz stellen musste und ein „Luther-Zertifikat“ bekommen konnte.

Insgesamt ein gelungener, humorvoller Abend, witzig und doch auch geistreich und tiefsinnig.

von Pfarrer Wolfgang Scheel