Reformationsjubiläum in Bayern
Konfi-Camp 2017

Ruhpolding, 24.7.2017. Ganz erfüllt sind viele der Konfirmanden und Teamer unserer Kirchengemeinde Ruhpolding zurück vom Konfi-Camp gekommen. Fünf intensive gemeinsame Tage liegen zurück, in denen alle Herausforderungen gemeistert und viele schöne Dinge erlebt wurden.

Die Konfirmandinnen und Konfirmanden sind aus den vier Dörfern unserer Kirchengemeinde in einer Flächengemeinde in der Diaspora. So hatte man nur die gemeinsame Erfahrung der bisherigen Konfirmandenstunden, da man selbst zu den Gottesdiensten in die Dorfkirchen kommt. Dank der jugendlichen Teamerinnen wuchs die Gruppe aber schnell zusammen und konnte sogar soweit aufeinander sich einschwören, dass das Beachvolleyballturnier gegen die anderen Konfi-Gruppen gewonnen wurde.

An dieser Stelle auch ein großes Lob an die Organisatoren. Selbst die nächtliche Räumung des Camps wegen Gewitter– und Sturmwarnung verlief reibungslos. Zu einem Schaden – außer Schlafmangel durch einen längeren Turnhallenaufenthalt kam es nicht. Und auch die Einführungen zu den Arbeitseinheiten Identität (der Mensch ist mehr als das, was er leisten, können und sollen muss; Mt 6,25-32), Vertrauen (die „Hab-keine Angst-Erfahrung“; Jes 43,1) und Handeln (es gibt keine innere Haltung ohne äußere Haltung; Lk 10,25-37) waren so klasse und intensiv, dass es kein Problem für die beiden Pfarrer in der Gruppe war, die Vertiefungen auch mit wenig Materialien (aufgrund der Zugreise) gut hinzubekommen.

Untergebracht waren die Teamer und Konfis in großen Gemeinschaftszelten mit allwettertauglichem Holzfußboden, die auch für Pausen in den freien Zeiten gut nutzbar waren.

Begünstigt durch das überwiegend gute Wetter (mal abgesehen von der Gewitternacht, z.T. schwülen Temperaturen und    wenigen Regenmomenten) waren die Zelte überhaupt guter Sammelpunkt und Anlaufstelle für die Gruppe. Zumal das Gelände so reichlich viel Platz hatte, dass unsere Kirchengemeindegruppe für beide Geschlechter jeweils ein ganzes Zelt nutzen konnte.

Gelungen war auch der Ausflugstag in die Reformationsstatt Wittenberg mit seinen zahlreichen Angeboten: Zuerst besuchten wir das Asisi-Panorama, eine sehr beeindruckende Großpanorambildausstellung, die das mittelalterliche Leben und Luthers Wirken um 1517 in Wittenberg sehr anschaulich nahe brachte. Gerade auch durch die Akzentsetzung der einzelnen Tageszeiten konnten die Konfirmanden mit dem Pfarrerteam und ehrenamtlichen Helfern eine Menge entdecken und verstehen .

Beim Stadtrundgang landeten wir auch im bayerischen Garten im Torraum 6 „Ökumene und Religion.“ Dort brachte uns u.a. die große Krippe Pfarrer i.R. Hofmann näher, der in unserer Woche dort Dienst versah. Ein spannender Versuch, den Zeitraum des Christentums darzustellen und die eigene Verortung darin zu entdecken. Sicherlich sehr gut unterstützt durch den Spiegeleffekt und die notwendigen Trittbretter zur Erschließung.

Ganz neue Horizonte erschloss die Gruppe auch durch die Ausstellung „Luther und die Avantgarde“, eine Sonderausstellung in einem ehemaligen Gefängnis in den Zellen. Besonders eindrücklich war den Konfirmanden die gläserne Gefängniszelle von Song Dong: Was bedeutet Freiheit in der Gegenwart, in einer Zeit vermeintlicher Grenzenlosigkeit, ermöglicht durch die digitale Vernetzung und Globalisierung? Wie gehe ich um mit den Verlockungen der Welt und der starken Orientierung an Gütern und Geld? Allein schon dieses von über 58 Ausstellungsobjekten schaffte auch bei den Konfirmanden Anknüpfungspunkte zur kritischen Selbstreflexion. Und führte auch darüber hinaus zu Überlegungen, wie man versuchen kann, erneut Freiheiten erlangen zu können.

Schließlich endete der Ausflug mit einer Andacht in der Schlosskirche  mit den anderen Ausflugsgruppen. Eine Facette des insgesamt sehr reichhaltigen spirituellen Angebots in den Zeltkirchen Nachts auf dem Camp-Gelände und unterschiedlichen Gottesdienstformen während der Tage. Mit einer gewissen Leichtigkeit merkten manche Konfis gar nicht, wie viele Gottesdienste, Andachten und spirituelle Impulse sie ohne Murren erlebten.

Bemerkenswert ist auch das qualitativ hochwertige Begleitprogramm in Workshops, in denen für jeden Typ und die unterschiedlichen Interessen gute Angebote vorhanden waren. Mit den Aneignungsformen basal-perzeptiv, konkret-handelnd, anschaulich-modelhaft und abstrakt-begrifflich gab es unzählige Angebote. Und auch das weitere Begleitprogramm war sehr hochwertig. So spielte an einem Abend die bekannte Münchner Indirockband „Impala Ray“ die durch den Einsatz von Tuba und Zither nicht nur die jungen Teilnehmer begeisterte.

Erfüllte Tage sind nun zu Ende. Ein riesiger Aufwand der Veranstalter und die sicherlich hohen Kosten für das Projekt werden es wohl eher zu einem einmaligen Erlebnis machen. Wie froh sind wir, dabei gewesen zu sein.

Ein herzliches Dankeschön auch für den Zuschuss durch unsere Landeskirche für unsere Gemeindefahrt dorthin.

Pfarrer Thomas Schmeckenbecher