Reformationsjubiläum in Bayern
Jesus Christ Superstar

Musical in der Pfarrei Thierstein-Höchstädt

Im Dezember 2015 begannen in unserer Gemeinde erste Vorüberlegungen zur Durchführung eines Musicalprojekts im Rahmen des Reformationsjubiläums 2017. Eigentlich wollte die Band unserer Pfarrei nur einige Stücke im Rahmen eines Gottesdienstes aufführen, aber nach einer Rücksprache mit dem Verlag war klar, dass es nur „alles oder nichts“ geben würde. Ein aus etwa 10 Leuten bestehendes Projektteam fand sich zusammen, um die Grundbedingungen zu klären: bekommen wir genügend Leute für Chor, Orchester, Solisten, Bühne und Technik zusammen? Welche Kooperationspartner suchen wir uns? Wie wollen wir das Projekt finanzieren? Schon bald war klar, dass wir mit unserer katholischen Schwesterpfarrei zusammenarbeiten und auch dort Kräfte mobilisieren wollten. Die letzten 7 Tage im Leben von Jesus, in der Passionszeit 2017 uraufgeführt und dann in den Gemeinden im Rahmen einer kleinen „Tournee“ wiederholt: dies schien uns ein würdiges Projekt im „Christusjahr 2017“ zu sein.

Im Frühjahr 2016 waren diese Grundsatzfragen geklärt:

Eine aus vier Musikern der Region bestehende Band war engagiert – ehrenamtlich!

  • Ein ökumenischer Projektchor war entstanden, bestehend aus 25 Sängerinnen und Sängern, vor allem Senioren.
  • Die wesentlichen Solistenrollen waren mit Laien besetzt, lediglich die Rolle des Judas war noch nicht besetzt.
  • Mit Hilfe der örtlichen Theatergruppen waren Kostümschneiderinnen und Bühnenbauer gefunden.
  • Finanzielle Unterstützung wurde uns aus Mitteln der Reformationsdekade in Bayern zugesagt, außerdem durch die Abteilung C des Landeskirchenamts, durch das Bistum Regensburg und den Kirchenkreis Bayreuth. Außerdem engagierten sich örtliche Firmen mit Sachspenden und ein großer mittelständischer ortsansässiger Unternehmer betätigte sich als Sponsor.

So begannen im Mai 2016 die Proben für das Musical, und die Beteiligten hatten zunehmend Freude an den eingängigen Melodien und den von Anja Hauptmann ins Deutsche übersetzten Texten.

Große Sorgen bereitete uns ab Herbst 2016 die Tatsache, dass wir immer noch keinen Judas-Darsteller gefunden hatten. Trotz intensiver Suche in der ganzen Region war niemand bereit, diese wichtige Rolle zu übernehmen. Der Druck im Team verschärfte sich, zumal im Januar 2017 auch der Jesus-Darsteller absprang. Das Projekt drohte zu scheitern.

Durch ein verzweifeltes Schreiben an eine private Musicalschule in Nürnberg gelang es, einen frischen Absolventen zu finden, der bereit war, gegen Erstattung der Fahrtkosten die Rolle des Judas zu übernehmen. Kaum vorstellbar die Freude und Erleichterung, als es durch Kontakte dieses Musicaldarstellers dann auch gelang, mit Thomas Hartkopf aus Berlin einen ehemaligen Thomaner als Jesus-Darsteller zu gewinnen. Die beiden Darsteller brachten unserem Projekt die Wende – das größte Wunder überhaupt in unserem Projekt, das nun Fahrt aufnahm und an Dynamik ohnegleichen gewann. Die Wochenenden bis zur Premiere am 25. März in der Thiersteiner Kirche waren ausgefüllt mit intensiven Proben.

Die Premiere war ein Erfolg, den weder die Besucher noch wir selbst erwartet hatten. Das Musical wurde mit stehenden Ovationen gefeiert. Binnen weniger Tage waren die weiteren Vorstellungen in der Höchstädter Kirche sowie in der katholischen Kirche und die Open-Air-Vorstellung auf der Burgruine komplett ausverkauft. Die Vorstellung in Arzberg wurde von der evang. Regionalbischöfin Dr. Greiner und vom Bischof des Bistums Regensburg, Dr. Vorderholzer, besucht. Aufgrund der großen Nachfrage gab es noch eine Zusatzvorstellung auf der Thiersteiner Burg.

Am Projekt waren insgesamt mehr als 70 Leute beteiligt, und mehr als 1200 Besucher haben das Musical im Laufe des Sommers gesehen. Wir stellen dankbar fest, dass das Projekt auf mehreren Ebenen erfolgreich war:

  • Es hat den Zusammenhalt unserer beiden Kirchengemeinden innerhalb unserer evangelischen Pfarrei gestärkt und befördert
  • Es hat unseren ökumenischen Beziehungen Auftrieb und neues Leben geschenkt. Wir haben wieder Lust und Freude daran gefunden, gemeinsam etwas zu unternehmen und konkrete weitere Zusammenarbeit vereinbart!
  • Es hat innerhalb unseres Teams Beziehungen verändert und gestärkt. Gerade die Krise des Projekts hat uns eng zusammenrücken lassen und nachhaltig Kräfte mobilisiert
  • Es hat auch zu einer geistlichen Stärkung und Neubesinnung auf die Wurzeln unseres Glaubens, insbesondere auch unseres gemeinsamen Erbes aus der Reformation geführt.

Der Wunsch, die neu entdeckten Kräfte in unseren Gemeinden in einem neuen Projekt zu nutzen, ist schon mehrfach geäußert worden. Wir hoffen, dass diese Kräfte nachhaltig und positiv in unseren Gemeinden wirksam bleiben!

Pfr. Knut Meinel

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