Reformationsjubiläum in Bayern
Im Truck und beim Drucken der Reformation nahe gekommen
Nürnberg 22. April 2017

Es regnet an diesem Samstagnachmittag über dem Hauptmarkt in Nürnberg – aber Gott sei Dank nicht hinein in den Reformationstruck“, der an diesem Tag auf dem Europäischen Stationenweg in Mittelfranken Halt macht. Seit 10 Uhr steht der Laster samt seinem Info-Mobil mit Filmen, Hör-Beiträgen und Informationsmaterial im Herzen Nürnbergs, viele Besucher haben sich schon auf den Weg hinein gemacht. Mittendrin: Pfarrerin Stefanie Reuther vom Dekanat Nürnberg und Pfarrer Christian Düfel, örtlicher Projektkoordinator der Reformationsdekade und Martina Bauernfeind vom Kulturreferat der Stadt als lokale Ansprechpartner.

„Es waren trotz der Witterung schon viele Leute da, und für das Wetter können wir ja leider nichts“, gibt sich das Trio locker. In der Tat „tröpfelt“ es auch in Sachen Besucher: Immer wieder kommt jemand, schaut sich über große Bildschirme den kleinen Film über Nürnberg als Reformationsstadt an, in dem Iris Köglmeier als Engel durch die ehemalige Reichsstadt führt und der erstmals an diesem Samstag gezeigt wird. „Ja, ich bin’s wirklich“, lacht die ebenfalls anwesende Jugendreferentin der Evangelischen Jugend Nürnberg, als sie immer wieder von Zuschauern angesprochen wird.

Derweil kümmern sich Stefanie Reuther und Christian Düfel um die Interviews mit regionalen „Promis“ aus Kirche, Politik und Gesellschaft. Eben hat die Nürnberger Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern erzählt, wie sie zu ihrem Beruf kam und dass Reformation für sie noch heute zeige, wie Menschen gemeinsam etwas verändern können, auch wenn sie dabei gegen den Strom schwimmen müssen. Nach ihr werden unter anderem noch der ehemalige Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) und Yvonne Coulin die Geschäftsführerin der Congress- und Tourismus-Zentrale mit Reuther vor dem übergroßen Playmobil-Luther sprechen, der vor dem Truck neugierig machen soll.

Für Kontinuität im abwechslungsreichen Programm sorgen Annika Lützow und ihre Team-Kollegen vom Verein Reformationsjubiläum 2017“ mit Sitz in Wittenberg. Sie leisten hier Bundesfreiwilligendienst und sind eines von vier Teams, die den Truck auf seinem Weg durch ganz Europa durch die größten Städte der Reformation begleiten. Nürnberg ist Station 55 von insgesamt 68, die jungen Erwachsenen sind also schon eine ganze Weile unterwegs und haben dabei viel erlebt. „Man kriegt schnell Routine im Aufbau der Medienstationen und Infostände oder im Auslegen der Flyer. Interessant sind aber die Gespräche, die wir hier mit den Besuchern führen“, sagt die 19-Jährige.

Mal kommen Senioren, die von ihren schwierigen Erfahrungen mit der Ökumene vor einigen Jahrzehnten erzählen, als der Ehepartner in spe das vermeintlich falsche Gesangbuch hatte, sagt Lützow. Es kämen aber auch Menschen, die Parallelen zwischen der Akzeptanz von Flüchtlingen und deren Religionsauffassung und der protestantischen Lehre contra der katholischen ziehen und weitere teils tiefgründige Gedanken in der Auseinandersetzung mit Luthers Thesen formulieren. Manche werden dann in Ton und Bild festgehalten und auf den Blog www.r2017.org hochgeladen. Arbeit, die meist im Anschluss an einen bereits langen Arbeitstag laufen muss, die Annika aber viel bedeutet.

Als Schmankerl in Nürnberg dabei ist die hölzerne Druckerpresse vom Nürnberger Bibelzentrum. „Wollt ihr auch mal?“, fragt Chantal Molter drei kleine Jungs, die mit ihren Eltern in das Pavillonzelt gekommen sind, wo die Religionspädagogin die Vorrichtung aufgebaut hat, an der Gutenberg seine Freude gehabt hätte. Ein paarmal mit der Walze über Tinte und anschließend über die Lettern gefahren, ein Blatt in die Presse eingelegt, den Hebel ordentlich runter gedrückt – schon hält der größte der Brüder stolz seine erste selbst gedruckte Seite in der Hand, die den Spruch „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch“ zeigt. „Das häng ich in meinem Zimmer auf“, sagt er.

Die Brüder wollen jetzt natürlich auch drucken. Chantal Molter ist zufrieden. Ebenso die anderen Mit-Organisatoren dieses regnerischen, aber doch fruchtbaren Tages, bei dem sich Groß und Klein auf niederschwelligem Wege mit der Bibel und der Reformation befasst haben. Manchmal muss es eben ein Truck sein.

Text: Timo Lechner (epd)

Bild © Christian Düfel

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