Reformationsjubiläum in Bayern
„Heilen der Erinnerungen“

Die Veranstaltungen zum „Heilen der Erinnerungen“ waren als Ergänzung zum Ökumenischen Gottesdienst am Buß- und Bettag 2016 konzipiert. Die Verletzungen der Vergangenheit, die im liturgischen Vollzug nur kurz angesprochen werden konnten, sollten an diesen drei Abenden historisch beleuchtet und inhaltlich aufgearbeitet werden. Auch die biografische Dimension der Verletzungen und der Versöhnung kam beim Ökumenischen Erzählcafé für konfessions-verbindende Paare zur Sprache

05. April 2017: Rebeller – Opfer – Siedler. Die Leiden der Salzburger Exulanten
Der Referent Dr. Christoph Lindenmeyer stellte in seinem Vortrag ausführlich, teilweise bisher unveröffentlichten Quellenberichte über die Vertreibung der Lutheraner aus dem Erzbistum Salzburg im 18. Jahrhundert vor. Das Ziel des Fürstbischofs, sein Territorium zu einem Gottesstaat zu machen, führte zu einer Aktualisierung des Themas zum Verhältnis Staat und Religion in der Gegenwart. Die 25 Teilnehmenden waren zum Großteil selbst Nachfahren von Salzburger Exulanten und beschrieben, wie die Ereignisse des 18. Jahrhunderts ihre Familienbiografie teilweise bis heute bestimmt.

2. Mai 2017: Bloß nicht katholisch! – Bloß nicht evangelisch!
Beim Ökumenischen Erzählcafé in der akademie caritas-pirckheimer-haus berichteten zwei konfessionsverbindende Paare aus unterschiedlichen Generationen ihre Erfahrungen mit den Kirchen: Luise und Raimund Kirch (Jahrgang 1951) und Anja und Sigi Arnold (Jahrgang 1972). Dabei wurde deutlich, dass die kirchlichen und familiären Konflikte vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil noch zu schlimmen Verletzungen führten – seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, erfreuen sich konfessionsverschiedene Paare wachsender Wertschätzung als „Avantgarde gelebter Ökumene“. Die rund 30 Teilnehmenden berichteten von ihren persönlichen Liebes- und Leidensgeschichten – und von den erlebten Fortschritten der Ökumene.

22. Mai 2017 Meinten Sie vielleicht, wir sollten einen Mann nehmen…?
Die Historikerin Nadja Bennewitz beleuchtete die Biografie von Äbtissin Caritas Pirckheimer. Nach einer kurzen Einführung in Nürnberger Reformationsgeschichte berichtete sie sehr lebendig von der Auflösung des Klarissenklosters durch den Rat der Stadt und den Widerstand seiner Äbtissin. In szenisch gesprochenen Dialogen wurde ihr Ringen um die Wahrheit des Evangeliums in Auseinandersetzung mit Philipp Melanchthon deutlich. Die rund 60 Teilneh-menden wurden in die Ernsthaftigkeit und politische Dimension der Auseinandersetzung mit einbezogen. Die Auflösung des Klarissenklosters blieb bis zur ökumenischen Aussöhnung ein Stachel in den katholisch-lutherischen Beziehungen der Nürnberger Stadtgeschichte.

© Ekkehard Wohlleben