Reformationsjubiläum in Bayern
Fundstücke Luther

Schauspielerin Jovita Dermota las am 28.April um 20.00 Uhr in der St. Matthäuskirche in Erlangen zum  Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation

„Dieser Stein ist ein Rätsel. Der einzige Weg es zu lösen, ist der Angriff aus allen Richtun­gen…“ (Louise Bourgeois). Einen solchen „Angriff“ startete die bekannte Wiener (Münchner) Schauspielerin Jovita Dermota in ihrer Lesung in der St. Matthäuskirche in Erlangen und zieht die Zuhörer in ihren Bann. Umrahmt von Musik für Posaunenchor spannt Sie einen weiten Bogen und liest mit ihrer wandlungsfähigen, eindruckvollen Stimme

Sie zeigt auf: Es war ein extremer Mensch und eine extreme Zeit: Luther und die damalige Welt. Im Umbruch sind sie beide wie kommunizierende Gefäße – sie bedingen einander in ihrer Entwickung, sie hängen voneinander ab und reagieren aufeinander.

Ein Netz von Briefen, in alle Welt und von aller Welt, über die sich verschärfende Eigendynamik der Reformation zeigt das und wird in Auszügen vorgetragen –  vermischt mit privaten Miniaturen: Es kommen die Träume Albrecht Dürers zu Gehör  und das Reformationsgedicht Eine Wittenbergisch Nachtigall von Hans Sachs. Aber auch  die süffisanten Kommentare des Erasmus von Rotterdam über Luthers Hochzeit bis hin zum tragischen Ende des Thomas Münzer, Luthers einstigem Freund und Mitstreiter, beleuchten die, von der Schauspielerin nach vielen Quellenstudien selbst zusammengetragenen, Texte.

Neben Texten von Martin Luther kommen auch Katharina von Bora, Phillip Melanchthon, Erasmus von Rotterdam, Willibald Pirckheimer, Caritas Pirckheimer u.a. zu Wort.  Die ganze Veranstaltung wird zu einem Schnitt durch die Zeit – ungeahnte Querverbindungen, die den wachsenden Riss sichtbar (und hörbar) werden lassen, fesseln die Zuhörer. Ein spannendes Leseportait über die  damalige Gesellschaft, die sich in ihrer einer Zeit dramatisch spaltet – und  und bis heute nachhaltige Veränderungen bewirkt hat.

Es gab viel Applaus. Wer die Texte nachhören will: Das Programm ist auch als Hörbuch erschienen.

Christian Düfel