Reformationsjubiläum in Bayern
Ein Klang an meinem Ohr

Lauf, 04.06.2017. Für dieses außergewöhnliche Kunstprojekt machte sich ein Team von ca. 15 Personen gemeinsam auf den Weg. In mehreren Sitzungen wurden fünf Texte herausgesucht, die für die Teammitglieder wichtig sind, weil sie Trost und Zuversicht zum Ausdruck bringen und uns in einer „verwirrten“ Welt Halt geben können. Es sind dies biblische Texte, denen gelegentlich auch Worte anderer Autoren gegenübergestellt wurden.

Dann kam der spannende Tag der Aufnahme. Der Komponist und Initiator des Projekts, Michael Muschner, reiste von Berlin an, und die Mitglieder des Vorbereitungsteams sprachen „ihre“ Texte in sein Mikrofon. Auch kreative Darstellungsmöglichkeiten, wie z.B. die Präsentation eines Textes als Sprechmotette, hatten da ihren Platz, so dass alle Beteiligten trotz großer Anspannung auch Spaß hatten. Diese Aufnahmen wandelte der Komponist nun in fünf verschiedene Kompositionen um, indem er das Klangmaterial in kleinste Teile zerlegte und am Computer wieder neu zusammensetzte. Die ursprünglichen Worte sind so nicht mehr erkennbar – man fand sie aber gedruckt auf in der Kirche ausliegenden Karten – und trotzdem sind es noch die vorgelesenen Texte und die Stimmen der Vorlesenden, nur in einer verwandelten Form. Die so entstandene Musik hat einen zurückhaltenden, meditativen Charakter und wird über 16 kleine Lautsprecher leise in den Kirchenraum und auch nach außen abgestrahlt. Bei Bedarf, z.B. bei Gottesdiensten, kann sie auch abgestellt werden. Jede der fünf Kompositionen besteht wiederum aus vier unabhängigen Klangschichten unterschiedlicher Dauer, die bei der Aufführung nach einem festgelegten Schema wiederholt gestartet werden. Die Klangereignisse verschieben sich dadurch in ihrer zeitlichen Beziehung zueinander.

Im Laufe von vier Wochen verändert die Musik immer wieder ihre Gestalt. Sie wiederholt sich nie, und zu jeder vollen Stunde beginnt während der Öffnungszeiten der Kirche ein neues Konzert. Klingt alles ein wenig kompliziert – deshalb lassen Sie sich einfach überraschen! Am Pfingstsonntag geht es los. Das ist ja genau der Tag, an dem wir uns daran erinnern, wie der Heilige Geist die Jünger erfüllte und dass aus dem Brausen heraus jeder Zuhörer sie in seiner eigenen Sprache reden hörte. Ob wir mit der Musik ähnliche Erfahrungen machen werden?

© H. Schächtele, Pfarramt Lauf