Reformationsjubiläum in Bayern
Die Welt ist ein Stückchen zusammen gerückt

Mit Gästen aus Menyamya Lutherstätten erleben

Im Vorfeld der eigentlichen Fahrt nach Wittenberg und zur Wartburg fand ein Vorbereitungstreffen statt. Bei diesem wurde zum Einstieg der Lutherfilm mit Pidgin-Untertitel angesehen und auch nach besprochen. Hierbei wurde deutlich, welches Wissen die Gäste aus Papua Neuguinea über Martin Luther und die Reformation haben, bzw. eben nicht haben. Im Anschluss daran wurden die konkreten Planungen für die Fahrt besprochen, es wurde abgeklärt, was die Gäste in Wittenberg am meisten interessiert und der Besuch im Bayerischen Garten am Montag wurde vorbesprochen.

Im Anschluss an die Fahrt mit dem Kleinbus nach Wittenberg wurden die Ferienwohnungen in der Innenstadt Wittenbergs bezogen. Durch die zentrale Lage der Unterkunft war es möglich alles fußläufig zu erreichen.

Im Zeichen der Weltausstellung

Der Montag Nachmittag stand nun ganz im Zeichen der Weltausstellung, es wurden einige Stationen besucht, wie das Riesenrad der Seelsorge, hier konnten unsere Gäste nicht nur das erste mal in ihrem Leben ein Riesenrad besteigen, sie konnten auch einen ersten Blick auf die Stadt von oben und damit auch auf die Stadtkirche und die Schlosskirche werfen. Darüber hinaus wurden auch der Taufraum, der Raum der Jugend  und einige weitere Stationen der Ausstellung besucht.

Die längste Zeit aber verbrachten wir im Bayerischen Garten, wo auch die Geschichte der Partnerschaften zwischen der bayerischen und der Neuguineanischen Kirche dokumentiert wurde. Bereits während der Führung im Garten entstanden intensive und teilweise sehr persönliche Gespräche mit den Mitarbeitenden vor Ort und mit anderen Besuchern. Die Äußerung einer Anwesenden „jetzt ist die Welt noch ein Stückchen näher zusammengerückt“ beschreibt diese intensive Zeit wohl am besten. Diese Aussage entstand z.B. nachdem Semmy Misek, eine unserer Gäste, auf einem Foto den Pastor erkannte der, ihre Trauung vor einigen Jahren gehalten hat.

Im Anschluss an die gemeinsam gefeierte Andacht mit Liedbeiträgen unserer Gäste gab es noch ein Interview über reformatorische Themen und die ersten Eindrücke unserer Gäste von Wittenberg und den Lutherstätten. Der Abend stand ganz im Zeichen der Nachbesprechung des Erlebten und der Planung des nächsten Tages.

Leben und Zeit von Martin und Katharina

Der Dienstag (Ruhetag der Weltausstellung) begann mit einem Besuch des Panoramas „Luther2017“. Eine gute Wahl, da zwei unserer Gäste kein oder so gut wie kein Englisch können, war es sehr wichtig, für sie anhand der Bilder einen Eindruck der Zeit Luthers zu gewinnen. Hier erkannten sie, dass vieles, was bei ihnen heute noch normaler Alltag ist, zur Zeit Luthers auch bei uns normaler Alltag war, z.B. Geschirr spülen und Wäsche waschen am Fluss. Anhand der Bilder konnten viele Begebenheiten, aber auch die damals aktuellen Zustände erklärt werden. Vor allem das Bestreben Luthers, dass die Menschen Lesen lernen und damit auch die Bibel selbst lesen können, wurde unseren Gästen hier noch einmal deutlich und auch die Bedeutung für die Alphabetisierung in ihrem eigenen Land. Dieses Thema wurde auch später beim Besuch der  Cranachwerkstatt noch einmal aufgegriffen.

Der zweite Teil des Vormittagss stand im Zeichen der Schlosskirche, im Anschluss an ein Orgelkonzert wurde diese ausgiebig erkundet und natürlich viele Erinnerungsfotos gemacht. Als Wirkungsstätte und Grabstätte Luthers war dies ein sehr wichtiger Ort für unsere Gäste.

Den Nachmittag verbrachte die Gruppe mit Audioguide ausgestattet im Lutherhaus. Vor allem die Frauen legten hier ihre Aufmerksamkeit auf Katharina von Bora, von ihr war ihnen bis dahin kaum etwas bekannt und sie waren sehr fasziniert von dieser Person und erkannten viele Parallelen zwischen ihrer Arbeit damals und der Frauenarbeit heute in PNG.

Im Anschluss ging es dann in die Cranachhöfe und in die Druckerstube, hier waren vor allem die Männer sehr beeindruckt von der Technik des Buchdruckes, diese war für sie neu, sie hatten bis dahin noch keine Buchpresse gesehen. Der Drucker dort nahm sich sehr viel Zeit zum Fragen beantworten und erklären, und auch seine Fragen über PNG konnten unsere Gäste beantworten.

Gegen Abend stattete die Gruppe dann noch der Stadtkirche  eine Besuch ab. Nach einem abendlichen Spaziergang durch die Stadt und zu einigen künstlerischen Darstellungen der Weltausstellung rundete ein ausführliches Gespräch über das Erlebte den Tag ab.

Lesen lernen für die Bibel

Am Mittwoch ging es dann zur Wartburg, ausgestattet mit Audioguide machte sich die Gruppe auf den Weg durch die Ausstellung. Auch hier konnten unsere Gäste noch viel Neues erfahren. Hier war ihnen vor allem wichtig, das Zimmer zu sehen, in dem Luther die Bibel übersetzt hat.

Zusammenfassend war es für alle eine sehr intensive aber auch anstrengende Zeit. Unsere Gäste haben viel Neues erfahren, waren aber auch von der Fülle an Informationen fast überfordert. Vor allem die Tatsache, dass nur zwei der Gäste Englisch sprechen und lesen können, einer es etwas kann und eine es praktisch gar nicht kann, machten es sehr schwierig und anstrengend.

Sehr schön war die Unterbringung in zwei zusammenhängenden Ferienwohnung. So konnte die Gruppe immer wieder sehr ungezwungen zusammen kommen, zusammen kochen, Alltag gestalten und dadurch sehr intensiv miteinander und voneinander lernen.

Unsere Gäste haben sich vorgenommen, zuhause in Menyamya mit Hilfe der Fotos von ihrem Besuch an den Lutherstätten zu berichten und erhoffen sich so auch neue reformatorische Denkanstöße in ihre Kirche/ihr Dekanat zu tragen. Sie wollen mit den Menschen vor Ort über die Bedeutung der Reformation für sie heute, in ihren Gemeinden in der Lutherischen Kirche in Papua Neuguinea, ins Gespräch kommen.

Tanja Reidelbach

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