Reformationsjubiläum in Bayern
Die Harmonie ist hörbar
Kempten 31. Oktober 2017

Kempten (mor). Was für ein herrlicher Tag, blauer Himmel, gute Stimmung, nette Begegnungen. Der Reformationstag in Kempten war ein rundum gelungenes Fest! Ein Höhepunkt war in Kempten die Glockenweihe und das gemeinsamen Läuten mit den anderen Kirchen der Stadt.

„Ich habe nie schöne Glocken gehört“, gerät Dekan Jörg Dittmar ins Schwärmen über den neuen, weichen und doch satten vollem Glockenklang, der seit dem Reformationsfest aus dem Turm der St. Mang-Kirche ertönt. Albrecht Triebel aus dem nahegelegenen Ankergässele spricht von Gänsehaut, die ihm beim ersten Erklingen der nunmehr fünf Glocken über den Körper fuhr. Eine Bürgerin ist froh, dass nun endlich die Glocken wieder zum Gottesdienst läuten. Und ein Ehepaar gibt sich mit Blick zum Turm fachkundig: „Die Harmonie ist hörbar.“ Der neue Klang ist abgestimmt mit der Rathausglocke und den Glocken der Basilika St. Lorenz.

Während der Weihe im Zelt, der Glockenklang wurde aus dem Turm übertragen, wurden die einzelnen Glocken und ihre Töne noch einmal vorgestellt. Die kleinste im Turm „Semper reformanda“ steht für die ständige Weiterentwicklung. Darin waren sich die Geistlichen denn auch einig: Die Reformation endet nicht, sondern sie ist auch Auftrag für die nächsten 500 Jahre.

Viele nutzten am Reformationsfest auch die Gelegenheit auf den Turm zu steigen und die neuen und alten Glocken im Glockenstuhl zu begutachten. Derweil wurde unten am St. Mang-Platz kräftig gefeiert mit einem Markt der Begegnung, dem Kindermusical „Alles Liebe, Martin Luther“ und verschiedenen Ständen. Interessant die 95 Thesen, die die evangelische Jugend Allgäu auf Plakate gedruckt hatte – darunter die Forderung nach mehr Toleranz und weniger Sexismus und weniger Konsum der westlichen Welt auf Kosten der Entwicklungsländer. Wer wollte konnte zudem auf einer Tafel eigene Aufforderung formulieren.

Am Abend gab es einen großen Festgottesdienst. Der hohe Festtag endete mit einer Reformations-symphonie von Mendelssohn-Bartholdy unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Frank Müller.

Text und Fotos: Monika Rohlmann