Reformationsjubiläum in Bayern
De Profundis
München 19. März 2017

„De profundis – Aus der Tiefe“ lautete der Titel des Passionskonzertes, das am Sonntag, den 19. März, in der Markuskirche stattfand. Im Mittelpunkt stand ein Psalmvers, der die Bedrängnis des Menschen und seine Hoffnung auf göttliche Erlösung im Kern erfasst: „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“, beginnt der Psalm 130. Der Markus-Chor, das Markus-Orchester und eine junge Solisten-Riege (Daniel Thomas, Tenor / Florian Dengler, Bass / Benedikt Celler, Orgel) führten unter der Leitung von Kantor Michael Roth u.a. die bekannte Vertonung des Psalms von Johann Sebastian Bach in der Kantate BWV 131, die Choralumdichtung von Martin Luther und darüber hinaus eine Vertonung von Arvo Pärt aus dem Jahr 2008 auf. Das zentrale Werk des Konzertprogramms war die deutsche Erstaufführung des Werks „The Salvage Men“, eine Komposition des amerikanischen Komponisten Jeff Beal für gemischten Chor a cappella von 2014. Darin sind neben Gedichten der populären amerikanischen Lyrikerin Kay Ryan Ausschnitte aus Oscar Wildes Brief „De Profundis“ vertont, den Wilde im Gefängnis schrieb. Sowohl Wildes als auch Ryans Texte spiegeln die Suche nach neuen Perspektiven und nach den inneren Zusammenhängen von Leid und Krankheit, Schuld und Vergebung, Erlösung und Katharsis, und inspirierten so Jeff Beal im Zuge einer persönlichen gesundheitlichen Krise zu seiner Komposition. Im Konzert schlug die Gegenüberstellung von Musikstücken verschiedener Epochen, die sich mit diesen Fragen beschäftigten, die Brücke ins Heute und ebnete für die Zuhörer den Zugang zu diesem existentiellen Thema. Maurice Ravels „Adagio“ aus seinem Klavierkonzert G-Dur, hier in einer Bearbeitung für Orgel, und Jean Sibelius‘ „Valse triste“ als ein Tanz am Abgrund zwischen Lebenshunger und Melancholie, bildeten den instrumentalen Rahmen des Passionskonzerts.

Die ca. 350 Besucher folgten dem ungewöhnlichen Konzertprogramm gespannt und spendeten langanhaltenden Applaus. Mitwirkende und Zuhörer zeigten sich gleichermaßen gefangengenommen und beeindruckt vom Passionskonzert „De profundis“, wie einige Rückmeldungen deutlich machen:

„Es war ein in sich stimmiges Konzept, der Chor hat die Schwierigkeiten der a-capella-Werke wunderbar gemeistert. Es war – wenn ich dies als langjähriger Begleiter des Chores mal so sagen darf- ein Meilenstein in der Chorentwicklung. Bedanken möchte ich mich, dass ich mitspielen durfte…“ (ein Orchestermitglied)

„… wollte ich mich bei Ihnen für das vorzügliche Konzert gestern herzlich bedanken. Die Programzusammenstellung war aus einem Guss. Die Motetten von Beal haben gezeigt, auf welch hohem Stand Ihr St. Markus-Chor musiziert. […] Dass Sie die Anfänge der Strophen des Luther-Liedes immer wieder haben aufleuchten lassen, verschieden besetzt und in verschiedenen Tonarten, hat das Programm noch mehr zusammengebunden und verdichtet. […] Die Bach-Kantate hat mir auch sehr gut gefallen. […] Jeder Programmpunkt ein Erlebnis.“ (Ulrich Knörr, Landeskirchenmusikdirektor)

„Nochmals ganz herzlichen Dank für den großartigen Abend. Das Repertoire war ja riesig und neben Bach, der mir immer eine Offenbarung ist, sind mir De Profundis und der Valse triste auch noch immer im Ohr. Mir hat alles außerordentlich gut gefallen! Was für eine immense Arbeit mit dem Chor und Orchester! Meine Glückwünsche!“ (ein Konzertbesucher)

© Michael Roth