Reformationsjubiläum in Bayern
Costa Rica mit Starnberg in Wittenberg
Starnberg 11. Juli 2017

Begegnungen bewegen und verbinden. Seit 2003 besteht eine verbindende Partnerschaft zwischen einer lutherischen Kirchengemeinde in Costa Rica (ILCO) und der Gemeinde Starnberg. Anlass für große Freude auf beiden Seiten: Ein Wiedersehen im Lutherjahr stand auf der Agenda.

Der Partnerschaftsausschuss und Förderkreis für Costa Rica bereitete alles für die Delegationsreise vor. Die Besuchenden aus Costa Rica brachten handwerkliche Kunst aus den indigenen Gebieten mit nach Starnberg, stellten Fotos und Präsentationen zur Verfügung. Das Besuchsprogramm war prall gefüllt. Die Gruppe hat Termine im Dekanat Weilheim und im Landeskirchenamt München wahrgenommen. In Starnberg selbst hat sie den Kindergarten, die Starnberger Tafel, den Sozialpsychiatrischen Dienst und den Weltladen besucht. Angeschaut wurden auch die Gemeindestrukturen und die Gruppe diskutierte mit dem Kirchenvorstand über die Arbeit mit den Ehrenamtlichen.

Lutherische Identität von Angesicht zu Angesicht

Außer den örtlichen Einrichtungen nahmen die verbundenen Partner in Neuendettelsau beim „Fest der Weltweiten Kirche“ von MEW teil, besuchten die Diakonie und das Löhe-Zeit-Museum. In Wittenberg wurde im Zelt des LWB die costa-ricanische Kirche vorgestellt. Im „Bayerischen Garten“ der ELKB haben sich die Starnberger mit Roger Schmidt zu einem Interview mit den costa-ricanischen Gästen getroffen. Das Gasthaus Ökumene“ der EKD, die Schloss- und Stadtkirche sowie das Lutherhaus bildeten weitere Stationen. Auf der Rückfahrt nach Starnberg wurde die Wartburg zum Haltepunkt, mit ihrer Sonderausstellung „Luther und die Deutschen“.

Zwei Themenschwerpunkte waren es, welche die Starnberger und die Costa Ricaner bearbeitet haben: „Lutherische Identität“ und „Partnerschaft hat ein Gesicht“. Die Gruppe konnte sich ihre eigene Lutherische Identität vergegenwärtigen und sich klarmachen, was in der heutigen Zeit daraus resultieren kann. So war es für die Costa Ricaner bedeutsam, dass Dr. Wolfgang Döbrich, der einen Abend zu dem Thema gestaltete, die Betonung auf das “Priestertum aller Getauften“ legte. Genau jene praktische Umsetzung sei es, die auch für sie die fundamentale Unterscheidung zu den Katholiken bedeute.

Nicht nur Gemeinsamkeiten

Die Gruppe fand viele Gemeinsamkeiten zwischen Costa Rica und Deutschland heraus. Nicht nur, auch Unterschiede sollten herausgearbeitet werden: Während Kirche in Deutschland staatlich etabliert ist, seien in Costa Rica Auseinandersetzungen nötig, um in der Politik und der Kirchenlandschaft Anerkennung zu finden. Allerdings fände die weibliche Komponente in Costa Rica stärke Betonung.

Bewegend zu hören ist, dass die Costa-Ricaner besonders in Wittenberg gespürt hätten, dass sie als Schwesternkirche Teil einer lutherischen Weltkirche seien. Die costa-ricanischen Gäste fanden auch großes Gefallen daran, bei Familien und nicht in anonymen Hotels untergebracht gewesen zu sein. Den Starnbergern wiederum gefiel und fiel die offene und ungezwungene Art der Gäste auf.

Ökumene quo vadis?

Beeindruckt zeigten sich die Gäste von der ökumenischen Zusammenarbeit hierzulande, welche in Costa Rica Probleme mache. Gespräche zwischen den Konfessionen wie hierzulande fänden in Costa Rica nicht statt. Das Kennenlernen der lutherischen Geschichte und der historischen Orte war es, welches die Costa Ricaner als besonders wertvoll erlebten.

Die Besucher zeigten sich vom Starnberger Gemeindearchiv beeindruckt, wo alle Gemeindebriefe und die Geschichte der Gemeinde aufbewahrt werden. Prädikat: „Nachahmenswert“.

Das Kreuz mit dem Glauben

Widersprüchliche Gefühle rief das Corpus Christi am Kreuz hervor (Karfreitagskreuze – im Unterschied zu ihren Osterkreuzen). Sie wollten dies aber weder positiv, noch negativ bewerten. Bei der Diskussion über das Verhältnis zwischen Staat und Kirche verwunderte die Besucher, dass das Kreuz nur in einigen Bundesländern und nicht in ganz Deutschland in Schulen als Symbol aufgehängt wird. In Costa Rica würde das Kreuz nicht in Frage gestellt, da die Kolonisierung unter dem spanischen Kreuz geschehen ist.

Geradezu befremdet waren die besuchenden Costa Ricaner von der anderen, allzu freien Einstellung zu Glaubensdingen in Deutschland. Glaube als Sache des Einzelnen. Glaube, der im Alltagsleben nicht so präsent sei wie in Costa Rica. Wo ist die ständige Bezugnahme auf Gott?? Nicht weiter verwunderlich, dass sich ihnen die brennende Frage aufdrängte, wie sich die Jugend in Deutschland mit dem Glauben auseinandersetze. Wieso steht die berufliche Entwicklung im Vordergrund, und nicht der Glaube – das blieb als Eindruck bei den Costa Ricanern stehen. Genauso wie die große Frage: „Ist Glauben hier überhaupt noch wichtig? Wo bleibt die Glaubenserziehung?“

Text: Diana Schmid

Bilder: Gemeinde Starnberg


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