Reformationsjubiläum in Bayern
BR Radltour beim Kloster Oberschönenfeld: Radlerstimmen und Ökumenisches Duell
Gessertshausen 02. August 2017

Die vierte Etappe der BR Radltour stand an diesem 2. August unter einem besonderen Segen: Der Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat die Fahrt von Gersthofen nach Landsberg am Lech auf dem Radl begleitet. Halt gemacht wurde beim Kloster Oberschönenfeld in Gessertshausen und in Klosterlechfeld. Die Sonne strahlte an diesem Tag mit den Radlern um die Wette und dann gab es auch noch ein ökumenisches „Duell“.

Etwa eine Stunde vor Eintreffen der Radler wirken auf dem Außengelände der Zisterzienserinnenabtei Oberschönenfeld schon fleißig viele Helfer. Am Eingang fällt sofort ein riesiger Stand mit aufgebauten Batterien an Wasserflaschen ins Auge. Daneben gibt es Bananen in rauen Mengen. Alle sind gut vorbereitet auf das nahende Eintreffen der Radler. Auch der Biergarten des „Klosterstüble“ hat sich gewappnet. Ein freundlicher Bediensteter überprüft die Lage im Biergarten. Heute haben sie schon früher als sonst geöffnet, um nicht eine böse Überraschung zu erleben. Zu Ohren kam ihnen, dass am Vortag in Gersthofen die flüssigen Vorräte geleert wurden. Darum haben sie sich insgesamt gut gerüstet.

Alle Zeichen auf Fahrrad

Die Äbtissin M. Gertrud Pesch erzählt, dass Fahrräder heute sogar in der Morgenandacht vorkamen: Schwester Martha stellte ein kleines Fahrrad auf und auch in ihren Fürbitten kamen die Radler vor. Gebetet wurde, neben anderem, für die Radler, ihre Tour heute, für Verkehrstote und für Radverletzte. Liebevoll mit Fahrrädern und Klingeln ist auch das Fenster des Klosterladens dekoriert. Die Äbtissin lässt sich freundlicherweise davor ablichten. Kurz überlegt sie, ob mit oder ohne die Wasserflaschen, die sie in Händen hält. Entscheidet sich dann fürs Wasser und fügt hinzu: „Wasser, die Quelle des Lebens.“

Wasser spielt jetzt auch für die Radfahrer eine Rolle, die in Scharen auf das Klostergelände kommen. Sie stürmen die Wasser- und Proviantstation und lassen sich auf den zahlreichen Grünflächen nieder. Eine Gruppe sticht besonders heraus, die „Franken-Royals“ aus Nürnberg. Sie haben gekrönte Häupter und sitzen auf einer Decke zu fünft munter im Gras. Auf ihren Fahrradhelmen prangt eine stattliche goldene Krone. Diese ist mit bunten Edelsteinen versehen. Sie sitzen im Schatten auf einer goldenen Folie, ringsum liegen Wasserflaschen. Der Wortführer Thomas ist schon das 6. Mal mit von der Radl-Partie. Helmdesignerin ist seine Frau Hermine, die zum 9. Mal dabei ist. Ansonsten sind da noch Susi, Günter und Gerlinde. Schließlich stoßen auch noch Erika und Richard zur Gruppe dazu. Spitzenreiter ist Günter. Er ist zum 15. Mal mit von der Radl-Partie. Auf die Frage, wie die Tour bislang verlaufen ist, ertönt ein einvernehmliches „super“. Was heißt „super“? Der Erlebnisfaktor und die Gemeinschaft sind den „Franken-Royals“ wichtig. Und dass man über sich hinauswächst.

Das Ökumenische Duell

Der Bezirksvizepräsident Alfons Weber des Bezirks Schwaben begrüßt alle Anwesenden, darunter die Ehrengäste Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Domdekan Prälat Dr. Bertram Meier vom Bistum Augsburg. Die Äbtissin M. Gertrud Pesch spricht herzliche Grußworte. Ihr Thema „Gut in Form sein“ bezieht sie auf den Sport und aufs Christsein. Ausdauer gehören für sie dazu, ebenso wie die Bereitschaft zum Üben und Lernen. In den Raum stellt sie die Frage, wie gut wir Christen aller Konfessionen in Form sind. Gastfreundschaft könnte fit machen. Denn, wie sie sagt, führt jede Begegnung mit Gott zum Nächsten. Sie bittet den Allmächtigen, dass er uns immer in Form halten möge.

Pfarrer Christian Düfel betritt die Bühne. Er ist Projektkoordinator der Lutherdekade Reformationsjubiläum 2017 und stiftet zu einem „Ökumenischen Duell“. Herausgefordert werden der evangelische Landesbischof und auf katholischer Seite Prälat Dr. Bertram Meier, Vorsitzender der ACK Bayern. 500 Jahre nach der Reformation gibt es durchaus gegenseitigen Respekt und Wertschätzung. Durch „Healing of Memories“ hätte sich das laut Heinrich Bedford-Strohm sogar noch intensiviert. An der katholischen Kirche liebt er den weltkirchlichen Horizont und erwähnt, dass es die Synoden und der demokratische Aufbau seien, die Reinhard Kardinal Marx an der evangelischen Kirche liebt.

Das Fenster zur anderen Konfession öffnen

Der Landesbischof radelt heute die Tagesetappe mit, bestaunt die Schönheit der Schöpfung aus nächster Nähe. Er will Lobpsalmen anstimmen: „Danke, Gott, dass Du uns das alles schenkst.“ Beim Radeln inmitten der Schöpfung sind wir nicht weit weg zum anderen. Es geht um Gemeinschaft mit anderen.  Prälat Meier lädt ein, miteinander auf Jesus zu schauen. Er spricht von frischer Luft in der katholischen Kirche, dass ein Fenster hin zur anderen Konfession geöffnet wurde. Und davon, dass er weiß, was es heißt, überzeugend den evangelischen Glauben zu leben. Sein Vater war aufrechter evangelisch-lutherischer Christ. Ökumene war nicht nur ein Wort im Elternhaus, sondern Herzensangelegenheit. Luther ist für ihn wertvoll. Der Prälat schätzt ihn als ehrlichen Gottsucher, wenngleich er ihm nicht in allem zustimmen kann. Glaube und Liebe sind für den Landesbischof eins: „Ich mag die Lust zu Gott.“

Die letzten Minuten des Duells sind Wünschen für die Ökumene vorbehalten. Der Prälat räumt in punkto Freiheit einen Nachholbedarf im Katholischen ein. Er ruft auf, dass wir Freunde und Freudinnen in der jeweils anderen Kirche finden, zum Beispiel bei der BR Radltour. Denn: „Unter Freunden spricht sich’s leichter“. Bedford-Strohm wünscht sich, dass die Ökumene immer sichtbarer wird und beendet das Duell friedlich mit einem kämpferischen Wunsch. Eines Tages soll ein gemeinsames Abendmahl stattfinden dürfen. Die Herausforderung dieses Duells war die Ökumene. Die Waffen Ehrlichkeit und gegenseitige Wertschätzung. Als Sieger gehen alle hervor. Das zeigt nicht zuletzt der große Beifall und der Zuspruch von den Zuschauern dieses Duells.

Der Landesbischof und sein schönstes Radl-Erlebnis

Nach dem Duell ist der Landesbischof noch von Radlern umringt.“ Sie wollen ins Gespräch kommen oder Fotos mit ihm machen. Viele gehen eher vorsichtig auf Tuchfühlung. Offen, herzlich und menschennah gibt er ihnen zu verstehen: „Ich habe heute den ganzen Tag Zeit für Sie alle“. Er erfüllt zahlreiche Fotowünsche. In den meisten Gesprächen geht’s um die Ökumene. Mit „Auf einem guten Weg, viel Vertrauen und Gemeinsamkeiten“ gibt er seine Einschätzung an die Dialoginteressierten weiter.

Dann herrscht schon wieder Aufbruchstimmung. Die Radler machen sich bereit, so auch der Landesbischof. Doch zuvor muss er noch sein schönstes Radl-Erlebnis verraten: „Die Dörfer, die Menschen, die einen freundlich anschauen.“ Er berichtet bewegt von Rollstuhlfahrern bei einem Seniorenheim. Sie haben die ganze Straße gesäumt und gewinkt. Am liebsten will er Lobpsalmen anstimmen, zum Beispiel den Psalm 103, der zu diesem Schöpfungserleben passt: „Lobe den Herrn“. Und dann klingelt es wieder im Pulk. Die Radler fahren vergnügt nach Klosterlechfeld weiter, mit dem Landesbischof an der Spitze.

Eindrücke rund um den Halt beim Kloster Schönenfeld finden Sie in der untenstehenden Bildergalerie. Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten.

 

Autorin: Diana Schmid

Bilder: Diana Schmid

Kommende Veranstaltungen
Alle Veranstaltungen