Reformationsjubiläum in Bayern
Bach - Luther - Raum

Teil II

Die Besucherresonanz war bei diesem zweiten Teil des Projektes nicht mehr so stark wie bei den beiden ersten Gottesdiensten. Am 05. Februar 2017 war die katholische St. Salvatorkirche mit ca. 250 Besuchern gut gefüllt. Der Gottesdienst am 25.06.2017 war mit ca. 100 Gottesdienstbesuchern relativ schlecht besucht. Die Gründe dafür lagen wohl in dem guten Wetter an diesem Tag, sowie dem Volksfest, das gleichzeitig sein Abschlusswochenende hatte. Zudem hatte am Abend zuvor ein überregionaler ökumenischer Gottesdienst auf dem Albuch, der als Versöhnungsgottesdienst im Rahmen des Reformationsjubiläums konzipiert war und mit ca. 600 Personen sehr gut besucht war, dafür gesorgt, dass viele eher diesen Gottesdienst wählten als den Kantatengottesdienst am Sonntagnachmittag. Im zweiten Teil unseres Kantatenprojektes stand der Aspekt der Ökumene stärker im Vordergrund. Der Aspekt des Raumes trat dabei stärker in den Hintergrund. Zudem wurde für beide Gottesdienste eine feste liturgische Form vereinbart, die eine getrennte Vorbereitung erleichterte.

Im Gottesdienst am 05. Februar 2017 wurde die Kantate zum Wochenlied für das Fest Mariä Reinigung: „Mit Fried und Freud ich fahr dahin …“ BWV 125 aufgeführt. Im Zentrum der Kantate steht der Lobgesang des greisen Simeon, der in dem 40 Tage nach der Geburt im Tempel dargebrachten Jesuskind den Messias erkennt und nun getrost sterben kann.

Erstaunlich für uns ist, dass bis ins 18. Jahrhundert hinein die Marienfeste auch in den lutherischen Kirchen begangen wurden. Man hat also lange Zeit die gemeinsame Tradition hochgehalten und Feste beibehalten, die Stationen der Heilsgeschichte beschreiben und biblisch begründet sind. Dies zeigt sich auch im Kirchenraum der Nördlinger St. Georgskirche, in der zwar seit 1524 evangelisch gepredigt wurde, die aber doch bis 1683 eine Darstellung der Darbringung Jesu beinhaltete. So korrespondierte die aufgeführte Kantate sehr gut mit dem Kirchenraum und dem Anliegen ein gemeinsames Christusfest zu feiern. Denn in der Kantate behielt ein unbekannter Dichter die erste und letzte Strophe im Wortlaut bei und dichtete die Binnenstrophen zu vier Sätzen um. Satz 4 und 5 betonen die Rettung und Erlösung allein durch Christus, allein aus Gnade und allein aus Glauben, betonen also die Rechtfertigung wie wir sie unterdessen gemeinsam bezeugen können.

Der letzte Kantatengottesdienst wurde am 25.06.2017, dem 2. Sonntag nach Trinitatis um 17.00 Uhr in St. Georg gefeiert. Im Zentrum dieses Gottesdienstes stand der Psalm 12. Die Hinführung zur Kantate „Ach Gott vom Himmel sieh darein“ BWV 2 nahm unter anderem die Rezeptionsgeschichte des Psalms in Luthers Nachdichtung von 1524 in den Blick. Sie verschiebt die Klage über falsche Zunge hin zur Klage über die Falsche Lehre. Dies führte dazu, dass das Lied „Ach Gott vom Himmel sieh darein“ zum Reformatorischen Kampflied wurde und nicht nur Gutes bewirkte. Der Rest der Liturgischen Texte nahm Bezug auf den tags zuvor gefeierten ökumenischen Versöhnungsgottesdienst und bekannte Schuld und bat für einen gemeinsamen Weg in die Zukunft. In der Predigt legte Dekan Paul Erber den Psalm 12 aus. Dabei war die gemeinsame Perspektive der Konfessionen leitend.

Martin Reuter
Foto: Ernst Mayer