Reformationsjubiläum in Bayern
Auf den Spuren der Reformation in den Simultankirchen
Weiden-Rothenstadt 14. Oktober 2017

Das gibt es vielleicht nur in der nördlichen Oberpfalz: Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Bischof Rudolf Voderholzer und Papst Franziskus einträchtig beieinander in der Sakristei der Kirche St. Jakobus in Wildenreuth. Die Fotos der drei Kirchenoberen hängen nicht zufällig dort. Das Gotteshaus ist eine von neun bis heute „aktiven“ Simultankirchen in der Oberpfalz zwischen Sulzbach-Rosenberg und der Region rund um Weiden. Evangelische und katholischen Gemeinden nutzen und verwalten sie gemeinsam. Ein besonderes kulturelles Erbe, das im Jubiläumsjahr der Reformation besonders gewürdigt werden sollte.

Bettina Hahn vom Evangelischen Bildungswerk Weiden (EBW) und Hans Bräuer von der Katholischen Erwachsenenbildung Neustadt-Weiden (KEB) organisierten deshalb Mitte Oktober eine „Entdeckungstour“ auf den Spuren der Reformation in den Simultankirchen der Oberpfalz. Zwanzig Multiplikatoren aus der Erwachsenenbildung informierten sich über die Hintergründe des Simultaneums und das Zusammenleben der beiden Konfessionen in der Gegenwart. Dabei lernten sie auch unterschiedliche Formen von Kirchenführungen kennen.

In der ehemaligen Simultankirche St. Bartholomäus in Rothenstadt lud Katechetin Gertraud Klinger die Teilnehmer zu einer meditativen Kirchenführung ein. Dazu durfte jeder einzeln die hübsche kleine Dorfkirche betreten und sich dort seinen Lieblingsplatz aussuchen. Gemeinsam betrachteten sie Kanzel, Taufstein und Altar und suchten dazu passende Bibelverse aus.

In St. Jakobus in Wildenreuth baten Bettina Hahn und Susanne Kropf von der evangelischen Kirchengemeinde die Teilnehmer darum, nach Spuren der beiden Konfessionen zu suchen. Der Weihwasserkessel am Eingang, verschiedene Altarkreuze und Vortragekreuze oder unterschiedliche gottesdienstliche Gewänder in der Sakristei zeugten vom Leben der beiden Gemeinden in der „Kirchen-WG“. Aber so, wie das katholische Gotteslob und das Evangelische Gesangbuch einträchtig beieinander liegen, funktioniere auch das Miteinander der beiden Konfessionen mittlerweile sehr gut und harmonisch, meinte Susanne Kropf.

Ludwig Frank, in der dritten Generation Mesner von St. Ulrich in Wilchenreuth, gab Einblicke in die Geschichte „seines“ Kirchleins. Es zählt zu den ältesten in der nördlichen Oberpfalz und wurde bis 1912 simultan genutzt. Das romanische Christusfresko in der Apsis macht das Gotteshaus zu einer kunsthistorisch interessanten Sehenswürdigkeit. Und es führt die beiden Konfessionen auf ihren Ursprung zurück, den gemeinsamen Glauben an Jesus Christus.

Bild und Text: Susanne Götte, Weiden