Reformationsjubiläum in Bayern
Alte Schale – Junger Kern
München 17. Oktober bis 30. November 2017

Der Wunsch nach Jugend ist so alt wie die Menschheit – sogar Goethes Faust verkaufte seine Seele an den Teufel wegen dieser Träumerei. Doch ewige Jugend steckt in uns allen. Wir haben nur vergessen, sie nach außen zu tragen. Carmen Palmas Bilder unterstreichen das mit enthüllender Reflexion. Die Bilder der „People“-Fotographin zeigen unser verborgenes – vielleicht auch vergessenes – Selbst. Mit ihrer feinfühligen Art lockt Palma aus den Menschen vor ihrer Kamera deren wahres Ich hervor. Sie reisen zusammen zu deren Inneres, zu schönen Stunden der Jugend zurück. Und so zeigt sich immer wieder auch: Hinter einer alten Schale steckt meist ein junger Kern. Oder warum streckt der Mann gesetzten Alters der ihm unbekannten Fotografin einfach die Zunge raus?

Neben diesem faszinierenden Charakterkopf zeigte die Ausstellung „Alte Schale – Junger Kern“ Bilder von Menschen, die unsere Nachbarn, unsere Kollegen oder Fremde auf der Straße sein könnten. Einfach ganz gewöhnliche Menschen. Besonders jedoch. Denn es gibt ein Vorher- und ein Nachher-Foto. Ersteres reflektiert die Menschen im Alltag ganz schlicht – eher unscheinbar. Letzteres überrascht jedoch. Zu sehen waren die ausdrucksstarken Bilder zugleich an zwei unterschiedlichen Orten.

Die Ausstellung „Alte Schale – Junger Kern“ hat das für die Reformation zentrale Bild vom „Jungbrunnen“ von Lucas Cranach in die aktuelle Diskussion um den Verjüngungswahn gestellt. Als Doppelausstellung im Evangelischen Bildungswerk München  und in der Nazarethkirche angelegt, gab es rege Diskussionen um Genderfragen, kosmetische Operationen und die Frage nach der ewigen Jugend. Das Reformationsjubiläum hat so einen ganz eigenen Akzent im Bildungshorizont erfahren.

© Text Irmi Sedlmayr
© Bild Carmen Palma