Reformationsjubiläum in Bayern
Reformationsjubiläum - Feiern? Erinnern?
Ansbach 09. Februar 2017

Anlässlich des Reformationsjubiläums hat das Evangelische Bildungswerk gemeinsam mit der „Steuergruppe Lutherdekade“ in Ansbach und der Katholischen Erwachsenenbildung am 9. Februar 2017 zu einem „Ökumenischen Symposium“ eingeladen zu den Fragen: „500 Jahre Reformation: Feiern? Erinnern?“. Gut 70 Personen sind der Einladung gefolgt, auch die Beachtung in kirchlicher und kommunaler Presse war sehr erfreulich. Das Symposium sollte zentrale Fragen zum Charakter des Jubiläums diskutieren. Die „Steuergruppe Lutherdekade“ in Ansbach plante seit Jahren die Veranstaltungen zur Lutherdekade in gemeinsamer Verantwortung von evangelischem und katholischem Bildungswerk, der Stadt Ansbach,  Kirchenhistorikern, Pfarrern und Vertrauensleuten der Innenstadtgemeinden, Markgrafenmuseum und Stadtarchivar, Staatlicher Bibliothek und Evangelischem Bund. Auch das Programmheft zum Reformationsjubiläum wurde gemeinsam erarbeitet, es wurde von der Stadt Ansbach finanziert.

Die Frage, wie das Reformationsjubiläum richtig zu begehen sei, begleitete immer wieder die Beratungen der Steuergruppe. Von katholischer Seite wurde z.B. ein Bußgottesdienst vorgeschlagen, die beteiligten Historiker befürworteten ein „Gedenken“ und die evangelischen Vertreter wollten Luther und die Reformation feiern. Die Idee eines Christusfestes wurde zwar diskutiert, aber verworfen, da jeder Sonntagsgottesdienst ein Christusfest sei. Daraus erwuchs die Idee zu einem ökumenischen Symposium, um diese Fragen vor Ort öffentlich zu diskutieren.

Für das Podium wurden eingeladen: Prof. em. Dr. Karl W. Blessing, Erlangen, Professor i.R. für Neuere Geschichte und Landesgeschichte
Prof. Dr. Wolfgang Weiß, kath. Fakultät Würzburg, Professor für Fränkische Kirchengeschichte und Dekan i.R. Dr. Gerhard Hausmann, Neuendettelsau, Kirchenhistoriker.

Unter Moderation von Pfarrer Dr. Dieter Kuhn (St. Johannis/St. Gumbertus Ansbach) ermöglichten die fachlich überzeugenden Podiumsteilnehmer eine Gesamtschau auf das Ereignis „500 Jahre Reformation“ und öffneten den Blick für die historische Einordnung, für die Sichtweise der Katholischen Kirche und für die ökumenischen Impulse aus diesem Jahr. So machte Prof. Weiß deutlich, dass das Reformationsgedenken (er blieb während der Diskussion bei diesem Ausdruck) in der katholischen Kirche keine „Feierlaune“ auslöse, sondern eher die schmerzliche Erinnerung an Konfessionskämpfe und Spaltung hervorrufe. Aber er zeigte auch auf, dass sich seit 1917 der Blick auf die Reformanstöße durch Martin Luther und die Mißstände der alten Kirche geändert hätten. Luther werde mittlerweile in seiner tiefgläubigen, theologisch bedeutsamen Art als Erneuerer der Kirche aus dem Evangelium heraus verstanden. Auch Dr. Hausmann betonte, dass das Reformationsjubiläum eine Chance zur Erkennung der Gemeinsamkeiten der Kirchen biete. Er mahnte, die reformierten Kirchen nicht zu übergehen, sondern einzubeziehen. Seinen Impulsvortrag stellte er unter die These „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“. Kritisch setzte sich Prof. Blessing mit der Kommerzialisierung des Jubiläumjahres und der unhistorischen Verherrlichung der Person Martin Luther auseinander. An den Diskussionsbeiträgen aus dem Publikum war zu merken, dass sich viele zum Reformationsjubiläum eine engagiertere Klärung offener ökumenischer Fragen, besonders der fehlenden Abendmahlsgemeinschaft, erwartet hätten. Angesichts einer sinkenden Bedeutung der Kirchen in unserer Gesellschaft seien konfessionelle Doppelstrukturen und Trennungen nicht mehr vermittelbar. Einig waren sich die Podiumsteilnehmer, dass die positiven Impulse aus der vielfach gemeinsam gestalteten Jubiläums- bzw. Gedenkjahr nun für neuen Schwung in der Ökumene genutzt werden müssten.

Bernhard Meier-Hüttel
Leiter und Geschäftsführer